Seehofer-Kommentar

Früher ganz alleine

Von Berthold Kohler
 - 18:56

Wie sehr Seehofers Autorität in der CSU erodiert ist, hat nicht nur das Aufmucken der Parteijugend ans Licht gebracht. Nun sagt auch schon im Führungskreis jeder, was er will. Während Herrmann die Kompromisssignale der Grünen in den Berliner Sondierungsgesprächen als „vernünftig“ lobt, sieht Dobrindt im Abräumen von „Schwachsinnsterminen“ noch keinen Fortschritt.

Diese beiden Ansichten hätte Seehofer früher souverän ganz allein vertreten. Nun aber scheint ihm sogar die Herrschaft über das eigene politische Schicksal zu entgleiten. Bedrängt vom „Kesseltreiben“ jener Parteifreunde, die ihm nicht mehr zutrauen, die CSU zu einem Sieg in der Landtagswahl zu führen, will er nicht erst auf dem Parteitag im Dezember, sondern schon nach den Sondierungsgesprächen seine Absichten darlegen.

Das kann bei Seehofer freilich alles heißen – wo Aigner doch schon vor der Spaltung der CSU warnte und seine Vorgänger an der Spitze von Freistaat und Partei Seehofer baten, noch nicht zu gehen. Nicht weniger Gewicht aber wird haben, was die künftige Führung dazu meint.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Kohler, Berthold (bko./Koh.)
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