Götz Ulrich

Standfester Landrat

Von Reinhard Bingener, Tröglitz
 - 17:14
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Im Fall Tröglitz hatte der Landrat des Burgenlandkreises zu Beginn keine gute Presse. Götz Ulrich (CDU) musste sich Vorwürfe gefallen lassen, den Tröglitzer Bürgermeister Markus Nierth nicht vor dem Aufmarsch der Rechtsextremisten vor dessen Privathaus geschützt zu haben. Der ehrenamtlich tätige und parteilose Bürgermeister Nierth, ein sendungsbewusster Theologe, war in diesem Setting als Held vorgesehen.

Landrat Ulrich hingegen, ein Jurist und CDU-Politiker, war für die Rolle des sich ängstlich an seine Paragrafen klammernden Bürokraten vorgesehen, der den Tröglitzer Bürgermeister einem rechtsextremen Mob überantwortet. Schon damals gab es in der Landeshauptstadt Magdeburg warnende Stimmen: Götz Ulrich werde falsch gezeichnet, der Landrat sei „ein Guter“. Was Ulrich Anfang März eigentlich genau falsch gemacht haben soll, ist bis heute nicht ganz klar. Denn die Rechtslage war in der Tat unklar - und der Rücktritt von Bürgermeister Nierth war womöglich überhastet.

Nüchtern und unerschütterlich sachlich

Mittlerweile hat sich das Bild von Landrat Götz Ulrichs in der Öffentlichkeit wieder gewandelt. Spätestens seit er Drohungen erhält, gilt er als Fels in der Brandung. Ulrich nimmt das eine wie das andere gelassen hin. Auch die Berichte über „Morddrohungen“ hält er auch für etwas überspitzt. Jede Übertreibung, so warnt er, trage weiter zur Verschärfung der Lage bei. Es ist diese Nüchternheit und unerschütterliche Sachlichkeit, durch die Landrat Götz Ulrich im Fall Tröglitz hervorsticht.

Angesicht der schnell gestiegenen Flüchtlingszahlen ist Ulrich weder dem Jargon der Integrationsromantik verfallen, die jeden Flüchtling a priori als Bereicherung definiert, noch hat er in das Hohelied der immerwährenden Bürgerbeteiligung eingestimmt. Stattdessen hat Ulrich den Tröglitzern den Kreistagsbeschluss zur Unterbringung von 40 Flüchtlingen in der vergangenen Woche in ihrem Ort geduldig und sachkundig erklärt. Dabei hat er keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass die Zuständigkeit beim Landkreis liegt. Angesichts des Brandanschlages will Götz Ulrich die Prinzipien der repräsentativen Demokratie nun erst recht verteidigen.

Damit setzt der Landrat auch das Werk seines Vaters Hans-Jörg Ulrich fort, der nach der friedlichen Revolution als erster Landrat von Nebra einem Teil des heutigen Burgenlandkreises vorstand. Zu DDR-Zeiten war die Familie, die der evangelischen Kirche beharrlich die Treue hielt, gleich von mehreren MfS-Mitarbeitern bespitzelt worden. Der 1969 in der heutigen Kreisstadt Naumburg geborene Sohn legte das Abitur in Schulpforte ab und studierte danach Rechtswissenschaften in Halle und Erlangen. Nach dem Examen war Götz Ulrich Assistent am Kirchenrechtlichen Institut in Erlangen, wechselte aber bald in die Kommunalpolitik.

Seit dem Jahr 2000 ist Ulrich wieder Heimat tätig, zunächst als Verwaltungsleiter, von 2009 an als Bürgermeister der Verbandsgemeinde An der Finne. Zum Landrat des Burgenlandkreises wurde der mit einer Ärztin verheiratete Vater dreier Kinder erst im vergangenen Jahr.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Bingener, Reinhard (bin.)
Reinhard Bingener
Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.
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