Ashok-Alexander Sridharan

Ein Bonner Junge

Von Reiner Burger
 - 14:59

In Großstädten hatte die CDU in den vergangenen Jahren keinen guten Lauf. Auf eine beeindruckende Oberbürgermeister-Abwahlstrecke bringt es die Partei: In Stuttgart, Wiesbaden, Düsseldorf und vielerorts sonst musste die CDU herbe Niederlagen hinnehmen. Im Sommer verlor die Union in Dresden. Es war die letzte von einem Oberbürgermeister mit CDU-Parteibuch geführte Landeshauptstadt. In der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn hat sich der christlich-demokratische Kandidat am Sonntag durchsetzen können – und das schon im ersten Wahlgang. Die CDU feiert den Sieg als historische Wende. Zumindest in einem Punkt ist er es ohne Frage: Erstmals wird ein Politiker mit Migrationshintergrund Oberbürgermeister einer deutschen Stadt.

Ashok-Alexander Sridharan bezeichnet sich selbst allerdings als „ne bönnsche Jung“, weil beinahe alles, was bisher in seinem Leben wirklich wichtig war, in Bonn stattfand. Am 15. Juni 1965 kam Sridharan als Sohn eines indischen Diplomaten und einer Bonnerin in der damaligen Bundeshauptstadt zur Welt; in Bonn machte Sridharan sein Abitur; an der Rheinischen-Friedrich-Wilhelms-Universität studierte er Rechtswissenschaften – und lernte dabei seine spätere Frau Petra kennen. Auch die drei Söhne Sridharans kamen in Bonn zur Welt. Sie tragen die biblischen Namen David, Noah und Elias, schließlich ist die Familie fest im katholischen Glauben verwurzelt.

„Beim Sparen keine heiligen Kühe“

Beruflich Karriere machte der Jurist allerdings leicht abseits von Bonn. Zunächst arbeitete er einige Monate in der Verwaltung des Rhein-Sieg-Kreises in Siegburg, seit 1996 ist Sridharan in verschiedenen Funktionen in der Verwaltung von Königswinter tätig, seit 2002 war der Jurist dort Kämmerer. Diese Erfahrung kann er nun in Bonn gut brauchen. Obwohl die Stadt wirtschaftlich gut dasteht, drückt sie ein Schuldenberg von 1,7 Milliarden Euro. Es dürfe beim Sparen in Bonn keine „heiligen Kühe“ geben, sagte Sridharan in Anspielung auf seine indischen Wurzeln im Wahlkampf und hatte damit die Lacher auf seiner Seite.

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Armin Laschet, Chef der nordrhein-westfälischen CDU und stellvertretender Vorsitzender der Bundes-CDU, ist davon überzeugt, dass Sridharan eine moderne, immer bunter werdende Union verkörpert. Zudem passe Sridharan gut zur UN-Stadt Bonn. Auch Sridharan setzte seine Herkunft im Wahlkampf selbstbewusst ein. Bonn sei ein wichtiger Standort der Vereinten Nationen, viele internationale Organisationen und weltweit tätige Unternehmen seien in der Stadt ansässig. Der Bonner Oberbürgermeister brauche den Blick für das Internationale. Wenn man wie er zweisprachig aufgewachsen sei und den Umgang mit verschiedenen Kulturen von Haus aus kenne, habe man in vielen Punkten eine andere Perspektive. Und überhaupt wäre es ein „tolles Zeichen, wenn auch jemand mit brauner Hautfarbe Oberbürgermeister in Bonn werden kann“, sagte Sridharan im Wahlkampf, um anzufügen, dass er sich nicht erinnern kann, wegen seines Aussehens oder seines komplizierten Namens in Bonn je Probleme gehabt zu haben.

Quelle: FAZ.NET
Reiner Burger - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Reiner Burger
Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.
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