Raúl Castro

Großes nach außen, im eigenen Land nur Kosmetik

Von Matthias Rüb, São Paulo
 - 08:41

Der Handschlag von Raúl Castro und Barack Obama am Freitag in Panama-Stadt wird in die Geschichtsbücher eingehen. Der 83 Jahre alte kubanische Staats- und Parteichef durfte die Versöhnungsgeste des „mächtigsten Mannes der Welt“ erhobenen Hauptes entgegennehmen, auch wenn der amerikanische Präsident ihn um Kopfeslänge überragt. Nach mehr als einem halben Jahrhundert haben die Vereinigten Staaten eingesehen, dass die politische Isolierung Kubas und die Verhängung von Wirtschaftssanktionen gegen Havanna nicht zum erhofften Erfolg geführt haben, also nicht zum Sturz des seit 1959 von Fidel und Raúl Castro kontrollierten kommunistischen Regimes.

Mehrere Jahre hatten die Geheimverhandlungen des Weißen Hauses und der Führung in Havanna gedauert, dann ordnete Präsident Obama am 17. Dezember 2014 an, die 1961 von Washington abgebrochenen diplomatischen Beziehungen mit Kuba wiederaufzunehmen. Es folgte ein Gefangenenaustausch; dabei wurden vier Dutzend kubanische Dissidenten freigelassen. Seither hat sich Havanna keinen Zentimeter mehr politisch bewegt, während Washington die Sanktionen weiter lockerte und Kuba die baldige Streichung von der „schwarzen Liste“ jener Länder in Aussicht stellte, die als Unterstützer des internationalen Terrorismus international geächtet sind.

Amerika-Gipfel in Panama
Historischer Handschlag von Obama und Castro
© dpa, reuters

Allein in diesem März wurden 610 kubanische Dissidenten festgenommen, unter ihnen einige, die erst Wochen zuvor, nach oft jahrelanger Haft, freigelassen worden waren. Während Fidel Castro Regimekritiker gleich für mehrere Jahre hinter Schloss und Riegel steckte, bevorzugt Raúl Castro das Katz-und-Maus-Spiel der Repression: Er nimmt fest, lässt frei, nimmt wieder fest - und so weiter.

Raúl Castro übernahm im Juli 2006 faktisch die Macht von seinem schwer erkrankten Bruder Fidel, im Februar 2008 trat er auch formal die Nachfolge seines knapp fünf Jahre älteren Bruders als Staatschef an. Mehr als kosmetische Veränderungen in ihrem maroden Wirtschaftssystem haben die elf Millionen Kubaner seither nicht erlebt. Änderungen am politischen und sozialen System Kubas stünden nicht zur Debatte, sagt Raúl Castro immer wieder. Daran hält er ungeachtet des diplomatischen Tauwetters mit den Vereinigten Staaten eisern fest.

Als junger Mann von 22 Jahren war Raúl schon am ersten, kläglich gescheiterten Versuch zum Sturz des Diktators Fulgencio Batista vom Juli 1953 beteiligt. Er wurde zunächst zum Tode verurteilt - das Urteil wurde in eine Haftstrafe von 15 Jahren umgewandelt. Schon im Mai 1955 kam er wieder frei; gemeinsam mit Fidel ging er ins Exil nach Mexiko. Schon ein Jahr später kehrten die Castro-Brüder mit der Yacht „Granma“ nach Kuba zurück. Im zweiten Anlauf gelang es ihnen, Batista zu verjagen. Seit der Machtergreifung 1959 war Raúl Castro bis 2008 Verteidigungsminister; er baute dabei das allmächtige Wirtschaftsimperium des kubanischen Militärs auf. Seit ein paar Jahren trägt er keine Uniform mehr. Aber auch im dunklen Anzug steckt bis heute der linke Militärdiktator.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Rüb, Matthias (rüb)
Matthias Rüb
Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.
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