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Jutta Wagner

Juristinnen-Präsidentin

Von Reinhard Müller
 - 15:55

Gefeiert wird im Reichstag. Das passt recht gut zum Deutschen Juristinnenbund. Schließlich gehörte zu seinen Gründerinnen vor 60 Jahren Elisabeth Selbert, eine der wenigen Mütter des Grundgesetzes. Und schon zu Weimarer Zeiten gab es einen Juristinnenverein. Zum Jubiläum am Freitag der kommenden Woche wird etwa Jutta Limbach auf dem Podium sitzen, die ehemalige Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts und des Goethe-Instituts, Susanne Baer, die an der Berliner Humboldt-Universität Öffentliches Recht und „Geschlechterstudien“ lehrt, sowie Heide Pfarr, Direktorin eines Instituts der Hans-Böckler-Stiftung.

Doch damit soll kein falscher Eindruck erweckt werden. Der Verband nennt sich überparteilich. er steht auch Wirtschaftswissenschaftlerinnen offen. Bundesjustizministerin Zypries (SPD) ist Mitglied; um die bayerische Justizministerin Merk (CSU) wird noch geworben, Generalbundesanwältin Harms gehört schon zu den etwa 2500 Mitgliedern.

Die Vereinigung wurde auf sie aufmerksam

Insbesondere Frauen in Führungspositionen werden von der parteilosen Präsidentin Jutta Wagner gern angeschrieben. Die Berliner Rechtsanwältin und Notarin führt den Juristinnenbund seit zwei Jahren. Sie kam auch auf diese Weise zu dem Verband: Nachdem sie Anfang der achtziger Jahre vor dem Bundesverfassungsgericht für das gemeinsame Sorgerecht nichtverheirateter Eltern gestritten hatte, wurde die Vereinigung auf sie aufmerksam.

Jutta Wagner, 1949 in Kassel geboren, studierte in Hamburg und Berlin Jura. Nach ihrem ersten Staatsexamen war sie Assistentin für Ausbildungsfragen an der Freien Universität Berlin. Seit November 1978 ist sie Rechtsanwältin, seit 1996 auch Notarin. Die Fachanwältin für Familienrecht arbeitet in Berlin, angebunden an eine größere Kanzlei. Seit Dezember 1993 ist sie ehrenamtliche Vorsitzende Richterin am Anwaltsgericht. Dem Vorstand des Berliner Landesverbands des deutschen Juristinnenbundes gehört sie seit 1997 an; von 1999 bis 2004 war sie dessen Vorsitzende. Seit September 2005 ist sie Präsidentin des Deutschen Juristinnenbundes.

Mehr Frauen in die Aufsichtsräte

Momentan versucht der Juristinnenbund, mehr Frauen in die Aufsichtsräte deutscher Unternehmen zu bekommen. Die Anwaltschaft, wo es in größeren Kanzleien kaum Frauen (mit Kindern) als Partnerinnen gibt, hat der Verband weniger im Blick. Zuletzt schloss sich der Juristinnenbund einer Forderung von „Medica Mondiale“ an, der Chefankläger des Jugoslawien-Tribunals in Den Haag solle den Straftatbestand der „sexualisierten Gewalt“ als eigenständigen Punkt in die Anklageschrift gegen den früheren Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, aufnehmen.

Was wird die Zukunft bringen? Eine Klage, weil nur Frauen Mitglieder des Juristinnenbundes werden können? Schließlich gibt es auch Bestrebungen, private Vereine unter die Anti-Diskriminierungsregeln zu fassen. Doch diese Sorge hat Jutta Wagner nicht. Die Expertinnen des Verbands hätten das schon geprüft.

Quelle: F.A.Z., 11.09.08, Seite 8
Reinhard Müller
Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“, „Staat und Recht“ sowie Frankfurter Allgemeine Einspruch.
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