Veränderte Reisebestimmungen

Amerikanische Regierung verschärft Kuba-Kurs

Von Andreas Ross, Washington
 - 19:04

Präsident Donald Trump schränkt die Möglichkeiten des Castro-Regimes ein, von der amerikanisch-kubanischen Annäherung wirtschaftlich zu profitieren. Von diesem Donnerstag an wird es schwieriger für Amerikaner, das Verbot des Kuba-Tourismus zu umgehen. Individualreisen sind für die meisten Amerikaner nicht mehr möglich. Auch Teilnehmer von Austauschprogrammen dürfen in etlichen der größten Hotels nicht mehr wohnen, weil diese den Streitkräften gehören.

Das amerikanische Außenministerium hat am Mittwoch eine Liste von 180 Firmen veröffentlicht, mit denen Amerikaner keine neuen Geschäftsverträge schließen dürfen, weil sie dem Militär oder Innenministerium unterstehen. Viele der jährlich mehr als 600.000 Amerikaner, die seit der Normalisierung der diplomatischen Beziehungen 2015 nach Kuba reisten, übernachteten dort in Hotels, die ganz oder teilweise der Firma Gaviota gehören. Sie zählt zum Gaesa-Konzern, der den Streitkräften untersteht.

Auch Geschäfte, Reisebüros, Busunternehmen und Rumhersteller fallen unter das neue Verbot. Zudem dürfen amerikanische Unternehmen keine Verträge mehr schließen, um in der kubanischen Sonderwirtschaftszone Mariel Waren herzustellen. Allerdings schützt die amerikanische Regierung eigene Wirtschaftsinteressen. So treten die neuen Regeln erst in Kraft, nachdem Firmen lukrative Verträge mit Kuba geschlossen haben.

Kritiker Trumps befürchten, dass ein Abbruch des Reiseverkehrs besonders dem jungen kubanischen Privatsektor schadet und damit die Entstehung einer selbstbewussten Zivilgesellschaft behindert. Die Regierung hält dagegen, dass nun die Veranstalter amerikanischer Gruppenreisen auf die von Privatleuten betriebenen Pensionen ausweichen müssten, anstatt Kubas Militär zu unterstützen, das auch an den Hotels europäischer Ketten beteiligt ist.

Ein Hotel der amerikanischen Sheraton-Kette, an dem Gaviota beteiligt ist, steht allerdings nicht auf der Verbotsliste. In Washington hieß es, die Regeln hingen nicht mit den „akkustischen Zwischenfällen“ zusammen. Amerika hatte seine meisten Diplomaten aus Havanna abgezogen, nachdem viele Mitarbeiter der Botschaft über unerklärliche Hörprobleme und Schmerzen klagten.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Ross, Andreas (anr.)
Andreas Ross
Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.
Twitter
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenDonald TrumpKuba