Beziehungen zu Nordkorea

Trump: Habe ein gutes Verhältnis zu Kim Jong-un

 - 23:44

Der amerikanische Präsident Donald Trump hat völlig überraschend sein Verhältnis zu Nordkoreas Führer Kim Jong-un als gut bezeichnet. „Ich habe wahrscheinlich ein gutes Verhältnis zu Kim Jong-un“, sagte Trump am Donnerstag in einem Interview mit der Zeitung „Wall Street Journal“. „Ich habe Beziehungen zu Leuten. Ich denke, Sie wären überrascht.“

Trumps Äußerungen kamen nach Monaten eines scharfen Kriegs der Worte zwischen Washington und Nordkorea sehr unerwartet. Trump hatte dem Land mit totaler Zerstörung gedroht, immer wieder überzogen sich Kim und er gegenseitig mit Beleidigungen und Drohungen. Trump nannte Kim unter anderem „klein und fett“, „Little Rocket Man“ (Kleiner Raketenmann) und „verrückt“. Kim zieh den amerikanischen Präsidenten, geistesgestört zu sein.

Gefragt, ob er mit Kim schon einmal gesprochen habe, sagte Trump: „Ich möchte das nicht kommentieren. Ich werde nicht sagen, ob oder ob nicht.“ Er lobte China für dessen Druck auf Nordkorea, sagte aber, Peking könne mehr tun.

Harsche und persönliche Kommentare auf Twitter bezeichnete Trump als Teil einer breiteren Strategie. „Sie werden das bei mir häufiger erleben“, sagte er. „Und dann, auf einmal, ist jemand mein bester Freund. Ich könnte Ihnen 20 Beispiele geben. Sie mir 30. Ich bin ein sehr flexibler Mensch.“

Ehemalige Atomoffiziere warnen vor Trump

Zuvor hatten siebzehn ehemalige amerikanische Atomoffiziere in einem offenen Brief an den Kongress der Vereinigten Staaten gefordert, die nukleare Macht des amerikanischen Präsidenten einzuschränken. „Kein Einzelner, erst recht nicht Donald Trump, soll die absolute Macht besitzen, Nationen zu zerstören“, heißt es darin. Niemand könne gegen den Befehl des Präsidenten, eine Atomrakete abzufeuern, ein Veto einlegen. Dies stelle eine klare und gegenwärtige Gefahr für die Vereinigten Staaten und die Welt dar.

Derzeit lägen dem Kongress einige gute Vorschläge vor, wie man die Macht des Präsidenten, nukleare Erstschläge zu befehlen, einhegen könnte. „Donald Trump ist die letzte Person, die die Atomwaffencodes und die Macht, einen nuklearen Flächenbrand zu starten, besitzen sollte“, so Bruce Blair, einer der Initiatoren. Als ehemaliger Aufseher über die nuklearen Codes habe er erfahren, dass man Stabilität, Kompetenz und ein ruhiges Temperament brauche, um eine solche Verantwortung zu tragen. Trump habe gezeigt, dass er über keine dieser Qualitäten verfüge.

Amerika erwägt Überwachung des Seeweges

Trump hatte Anfang vergangener Woche damit geprahlt, einen „viel größeren und mächtigeren Atomknopf“ als Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un zu haben. Darüber hinaus denken die Vereinigten Staaten offenbar über die Überwachung des Seeweges in das kommunistische Land nach. Das sagte Brian Hook, politischer Chefstratege im amerikanischen Außenministerium, am Donnerstag in Washington. Entsprechende Diskussionen erwarte er am nächsten Dienstag bei einem internationalen Ministertreffen im kanadischen Vancouver, das sich mit der Nordkorea-Frage auseinandersetzt.

Zu dem Treffen, zu dem aus den Vereinigten Staaten unter anderem Außenminister Rex Tillerson und Verteidigungsminister James Mattis reisen werden, werden keine Vertreter Chinas und Russlands erwartet. „Wir eruieren weiterhin alle Optionen, um die Sicherheit auf See zu verbessern und die Möglichkeit, Schiffsverkehr zu unterbinden, mit dem Waren nach und von Nordkorea transportiert werden, die das Atomprogramm unterstützen“, sagte Hook. „Eine Seeüberwachung hilft uns, die Ressourcen Nordkoreas zu kappen“, sagte Hook. Ferner werde bei dem Treffen in Vancouver auch über weitere Sanktionen nachgedacht.

Trump: Mexiko kann Mauer über Nafta zahlen

Trump äußerte sich auch zu seinem Bauvorhaben an der südlichen Grenze der Vereinigten Staaten: Er will Mexiko weiterhin für die von ihm geplante Mauer zwischen den beiden Ländern zahlen lassen. „Sie können dafür indirekt über Nafta zahlen“, sagte er in einem Interview mit dem „Wall Street Journal“ mit Blick auf mögliche neue Regelungen in dem nordamerikanischen Freihandelsabkommen. Dieses wird derzeit zwischen den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko neu verhandelt. „Wisst ihr was? Mexiko zahlt“, sagte Trump dem Blatt, das zum Imperium des erzkonservativen Medienzars Rupert Murdoch gehört.

Die gesamte Diskussion über das Freihandelsabkommen will Trump bis nach der Wahl in Mexiko am 1. Juli offenhalten. „Mir ist klar, dass viele Dinge vor einer Wahl schwer zu verhandeln sind“, sagte Trump. Im gleichen Atemzug erklärte der amerikanische Präsident jedoch, dass er das Freihandelsabkommen beenden wolle, wenn es nicht zu einem für die Vereinigten Staaten besseren Deal komme.

Nafta ist derzeit unter Beschuss. Vor allem in Kanada herrscht nach mehreren erbitterten Zollstreitigkeiten mit den Vereinigten Staaten erhebliche Skepsis über die Zukunft des Abkommens. Die Verhandlungen auf amerikanischer Seite führt mit dem Handelsbeauftragten Robert Lighthizer ein Hardliner und glühender Befürworter von Trumps Abschottungspolitik beim internationalen Handel.

Quelle: jawa./dpa
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