Trump im Urlaub

Die Nachricht, das bin ich!

Von Lorenz Hemicker
 - 15:03

Als der Präsident vergangenen Freitag die Air Force One bestieg und zu seinem Landsitz Bedminster im Bundesstaat New Jersey flog, da sah es für einen kurzen Moment so aus, als ob Donald Trump sich in eine Tradition seiner Amtsvorgänger einfügen würde und den August für einen ausgedehnten Urlaub nutzen würde. 17 Tage, so hieß es, werde er dort verbringen. Es sah nach einer willkommenen Atempause aus für die zahlreichen Mitarbeiter des Weißen Hauses, die Politikberater, die Journalisten, so wie in all den Jahren zuvor, nach einer Zeit, in der die wenigen mitgereisten Mitarbeiter so gut wie alles vom Präsidenten fernzuhalten versuchen.

„Wir haben nie nach Möglichkeiten gesucht, Nachrichten zu produzieren“, so Barack Obamas ehemaliger Pressesprecher Josh Earnest gegenüber Politico. Der Stab habe den Präsidenten morgens eineinhalb Stunden über die wichtigsten Entwicklungen informiert. Und er habe sichergestellt, dass das Weiße Haus auf Katastrophen wie die Flut in Louisiana 2016 reagiere. Auf verbales Säbelrasseln des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-uns aber, so Earnest weiter, hätte Obama aus dem Urlaub heraus genauso wenig reagiert wie aus dem Oval Office.

Nicht so Donald Trump. Nach vier Tagen der Stille nutzte der amerikanische Präsident zwei eigentlich als Fototermine angekündigte Treffen mit den wenigen mitgereisten Journalisten in seinem luxuriösen Golfclub, um eine ganze Kaskade von weltpolitischen Nachrichten und Statements abzufeuern, flankiert von Vizepräsident Mike Pence und seinem nationalen Sicherheitsberater H.R. McMaster. Er drohte Nordkorea schlimmste Konsequenzen an, setzte den republikanischen Mehrheitsführer Mitch McConnell wegen der Abstimmungspleite im Senat zu Obamacare unter Druck, kommentierte die Hausdurchsuchung des FBI bei seinem ehemaligen Wahlkampfmanager Paul Manafort. Er dankte Russland für die Ausweisung amerikanischer Diplomaten, wobei nicht klar war, wie viel Ironie in seiner Äußerung mitschwang. Und er erklärte die Drogen-Krise in den Vereinigten Staaten zum nationalen Notstand. Ohne Not, würde man die Maßstäbe seiner Vorgänger anlegen. Doch Trump war nicht zu bremsen.

Versuche seines überraschten Stabes, den Präsidenten zu bremsen, schlugen offenbar fehl. Sein neuer Stabschef und ehemaliger General, John F. Kelly, der militärisch streng angekündigt hatte, das Weiße Haus auf Linie zu bringen, musste tatenlos zusehen, wie sein Chef wieder einmal unerwartet aus der Parade fuhr. Die Entscheidung, die Fragen der Journalisten zu beantworten, habe er allein gefällt, berichtet das amerikanische Magazin Politico unter Berufung auf einen Mitarbeiter des Weißen Hauses. Das gelte auch für die Themen, zu denen er sich geäußert habe. Ein Reporter der „Washington Post“ schrieb, Trump habe auch Signale seiner Pressesprecherin Sarah Huckabee Sanders übersehen oder ignoriert, das Gespräch mit den Journalisten zu beenden. So wurde das Aufeinandertreffen zur längsten Pressekonferenz, die Trump seit einem ähnlichen Auftritt mit Medienvertretern im Weißen Haus im Februar gab. Mit einem Präsidenten, der auf Videoausschnitten der improvisierten Pressekonferenz gelöst und wie befreit wirkt. Endlich wieder auf der Bühne und in allen Fernsehkanälen, frei nach dem Motto: Die Nachricht, das bin ich!

Warum gerade im Urlaub?

Warum gerade im Urlaub, den Trump nach früheren Bekundungen eigentlich gar nicht machen wollte? Gerüchte, dass sich der 71 Jahre alte ehemalige Unternehmer im Weißen Haus nicht besonders wohl fühle, kursieren schon länger. Den Präsidentensitz in der amerikanischen Hauptstadt soll er schon als „Müllhalde“ bezeichnet haben. In seine Residenzen in Mar-a-Lago (Florida) und eben Bedminster fliegt er hingegen häufig. In der Vergangenheit empfing er dort schon Anwärter für wichtige Ämter in seiner Regierung oder traf sich mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jingping. An diesen Orten wirkt Trump befreit von der Hektik des Weißen Hauses.

Vielleicht aber spielen auch die Umfragen über ihn und seine Amtsführung eine Rolle. Seine Zustimmungswerte sinken unaufhörlich, selbst bei Umfrageinstituten wie Rasmussen, die er selbst zitiert, weil sie zu günstigeren Ergebnissen kommen als andere. Der Nachrichtensender CNN vermeldete in dieser Woche für den Präsidenten einen neuen Tiefpunkt. Demnach zeigen sich nur noch 38 Prozent der Amerikaner mit seiner Amtsführung zufrieden.

Trump legt nach
Weitere verbale Hiebe gegen Nordkorea
© AFP, reuters

Mit seinem Auftritt ist es Trump zumindest gelungen, für einen Augenblick die Aufmerksamkeit von den Russland-Ermittlungen gegen sein Team und politischen Misserfolgen wie der gescheiterten Abschaffung von Obamacare abzulenken. Der Urlaub ist für das politische Washington beendet, kurz nachdem er begonnen hatte. Und wenig deutet darauf hin, dass Trump in den Urlaubsmodus zurückkehren will. Am Freitagmorgen (Ortszeit) verschärfte er die Kriegsrhetorik gegenüber Nordkorea. Auf Twitter schrieb er, die militärischen Lösungen seien nun vollständig vorbereitet, geladen und entsichert, sollte Nordkorea sich unklug verhalten.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Hemicker, Lorenz
Lorenz Hemicker
Redakteur in der Politik
FacebookTwitter
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenBarack ObamaDonald TrumpKim Jong-unMike PenceNordkoreaUrlaub