Zerwürfnis mit Tillerson

Weißes Haus spielt Streit mit Außenminister herunter

 - 08:26

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika fordert seinen Außenminister zu einem Vergleich ihrer Intelligenzquotienten heraus? Natürlich alles nur ein Scherz von Donald Trump, betonte seine Sprecherin am Dienstag nach einem Treffen ihres Chefs mit Außenminister Rex Tillerson. Dieser soll Trump kürzlich als „Deppen“ beschimpft haben – was den Präsidenten offenbar mächtig wurmte.

In einem Interview des Magazins „Forbes“ bezeichnete der Präsident die Berichte über den angeblichen Wutanfall des Außenministers zwar als „Falschnachricht“. Aber er sagte auch, sollte Tillerson ihn tatsächlich einen „Deppen“ genannt haben, „müssen wir, schätze ich, unsere IQ-Tests vergleichen. Und ich kann Ihnen sagen, wer gewinnen wird.“

Der amerikanische Fernsehsender NBC News hatte in der vergangenen Woche unter Berufung auf „hochrangige Regierungsmitarbeiter“ berichtet, Tillerson habe die Beschimpfung des Präsidenten bei einem Treffen im Pentagon am 20. Juli ausgestoßen. Vizepräsident Mike Pence habe den Minister in den Tagen danach bedrängt, im Amt zu bleiben.

Tillerson bestritt kurz nach Veröffentlichung des Berichts jegliche Rücktrittsgedanken. Er habe „nie erwogen, diesen Posten zu verlassen“, sagte der frühere Chef des Öl-Konzerns Exxon Mobil. Der Außenminister dementierte allerdings nicht, Trump einen „Deppen“ genannt zu haben – was der Präsident als Affront gewertet haben dürfte.

Am Dienstag trafen der Präsident und Tillerson dann zu Gesprächen über Iran, Türkei und Nordkorea zusammen. Bei dem „großartigen“ Treffen hätten die beiden „Hand in Hand gearbeitet, um die Agenda des Präsidenten voranzubringen“, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Huckabee Sanders, anschließend. Trump habe niemals insinuiert, dass „der Außenminister nicht besonders intelligent“ sei. „Er hat einen Witz gemacht, nichts weiter.“

Tillersons Sprecherin Heather Nauert sagte ihrerseits nach dem „positiven“ Treffen, der IQ des Außenministers sei „hoch“. Sie fügte hinzu: „Ich denke, es ist dem Präsidenten erlaubt, einen Witz zu machen.“ Es sei für Tillerson „mehr als ok“, dass Trump Humor habe.

Ein anderes gerüchteweises Zerwürfnis versuchte der Präsident selbst zu entkräften. Auf seinem bevorzugten Kommunikationskanal Twitter schrieb er: „Die Falschnachrichten sind wieder da. Dieses mal versuchen sie einen der besten Menschen, die ich kenne, General John Kelly, dadurch zu treffen, dass sie behaupten, er werde bald...gefeuert. Diese Geschichte ist absolut von den unehrlichen Medien erfunden. Der Stabschef macht einen FANTASTISCHEN Job für mich und noch wichtiger, für die Vereinigten Staaten.“ Auf welche Geschichte Trump sich konkret bezog, blieb unklar. Amerikanische Medien hatten jedoch in den vergangenen Tagen und Wochen immer wieder von Gerüchten berichtet, der Präsident komme mit der Art Kellys nicht klar. Dieser ziehe zu viele Machtbefugnisse an sich, hieß es.

Erst vor wenigen Tagen hatte sich der einflussreiche republikanische Senator Bob Corker öffentlich mit Trump überworfen. „Es ist schade, dass das Weiße Haus zu einem Tagesbetreuungszentrum für Erwachsene geworden ist“, sagte der einstige Unterstützer Trumps. Er fürchte, dass die impulsiven Drohungen des Präsidenten gegen andere Länder die Vereinigten Staaten „auf den Weg zu einem Dritten Weltkrieg“ führen könnten, sagte der außenpolitische Experte.

Quelle: okü./AFP
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