Trumps erste Auslandsreise

Amerikas Präsident hat Chaos im Gepäck

Von Simon Riesche, Washington
 - 08:38

Fast vier Monate ist Donald Trump mittlerweile Präsident, doch bis heute hat er keine einzige Nacht seiner Amtszeit außerhalb des Weißen Hauses oder eines seiner Privathäuser verbracht. Das wird sich jetzt ändern, denn die erste Auslandsreise steht an.

Am Freitagnachmittag (Ortszeit) hebt die Air Force One ab, insgesamt acht Tage wird Trump außerhalb der amerikanischen Landesgrenzen unterwegs sein. „Ich werde alte Freundschaften stärken und neue Partner suchen“, sagte der Präsident in dieser Woche mit Blick auf seine internationale Jungfernfahrt. Vor allem, so Trump, werde er nach Partnern Ausschau halten, die „uns helfen und nicht immer nur nehmen, nehmen, nehmen“.

Erste Station des Trips ist nach einem 14-Stunden-Flug Saudi Arabien, wo der Präsident nicht nur einen 100 Milliarden Dollar schweren Waffendeal verkünden, sondern auch den Islam zum Thema machen will. Trump werde am Sonntag eine Rede halten, die das Ziel habe, die „muslimische Welt“ gegen „gemeinsame Feinde“ zu vereinen, fasst der Nationale Sicherheitsberater H.R. McMaster den Plan seines Vorgesetzten zusammen.

Nicht zuletzt angesichts dieser – alles andere als bescheiden formulierten – Erwartungshaltung wittern viele Trump-Beobachter akuten Fettnäpfchen-Alarm. Allein die Tatsache, dass Country-Sänger Toby Keith den Präsidenten in das strenggläubige Land begleitet, sorgt für Gelächter und Kopfschütteln. „I like Girls that Drink Beer“ („Ich mag Mädchen, die Bier trinken“) lautet einer von Keiths großen Hits, den er in Riad allerdings wohl kaum zum Besten geben wird. Im Publikum des Konzerts sind ohnehin nur Männer erlaubt.

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Trumps Rede soll Beratern zufolge übrigens sowohl „inspirierend“ als auch „direkt“ werden. Ausgerechnet Stephen Miller, einer der politischen Rechtsaußen-Vertreter in Trumps Führungsmannschaft, soll sie geschrieben haben. Neben dem umstrittenen Chefstrategen Stephen Bannon gilt er als einer der Väter des bereits mehrmals vor Gericht gescheiterten Einreiseverbot-Verbots für Menschen aus zahlreichen überwiegend muslimisch geprägten Ländern. Im Wahlkampf hatte Trump sich immer wieder abwertend über den Islam geäußert und sogar ein generelles Einreiseverbot für alle Menschen muslimischen Glaubens gefordert.

Washington
Trump soll Russland Geheimdienstinformationen verraten haben
© MINISTRY HAN/REX/Shutterstock, reuters

Warten auf Trumps Friedensplan

Israel, die zweite Station der Reise, dürfte für Trump ebenfalls kein Selbstläufer werden. Dass Amerikas Präsident höchst persönlich israelische Geheimdienstinformationen an Russland ausgeplaudert haben soll, ist auch in Jerusalem registriert worden. Zudem soll es im Planungsprozess des Besuchs bereits jede Menge Unstimmigkeiten gegeben haben, die laut israelischer Seite vor allem den sich ständig ändernden Wünschen seitens des Weißen Hauses geschuldet waren. Für Empörung sorgte dann auch noch die Behauptung eines amerikanischen Regierungsvertreters, dass sich die Klagemauer nicht in Israel, sondern im von den Palästinensern eingeforderten Westjordanland befinde.

Das Weiße Haus bat um Entschuldigung und provozierte stattdessen Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, indem es Israels Grenzmauer zum Westjordanland einmal mehr überschwänglich lobte. Gerade die Palästinenser fragen sich, wie genau die von Trump im Wahlkampf immer wieder so wortgewaltig angekündigte Friedensinitiative denn nun aussehen wird. Sein Schwiegersohn Jared Kushner hätte das Zeug dazu, den Konflikt im Mittleren Osten zu beenden, wird der amerikanische Präsident weiterhin nicht müde zu versprechen. Nun reisen Schwiegervater und Schwiegersohn erstmals gemeinsam in die Region.

„Einen Misserfolg können wir uns nicht erlauben“

Selbst unter Trumps Helfern ist derweil offenbar die Sorge groß, dass ihr Chef seine eigenen diplomatischen Fähigkeiten überschätzen könnte. Das Beraterteam des Präsidenten macht vor dem Abflug einen nervösen Eindruck. Trump habe sich, so wird heimlich berichtet, bisher inhaltlich kaum auf die Reise vorbereitet. Die ihm zur Verfügung gestellten Briefing-Mappen habe er allenfalls kurz durchgeblättert. Gerade für den zweiten Teil seiner Reise, der Trump zunächst zum Papst nach Rom, dann zur Nato nach Brüssel und schließlich zum G7-Gipfel nach Sizilien führen wird, benötigt der Präsident allerdings durchaus eine ordentliche Portion Detailwissen. „Es darf einfach nichts schiefgehen“, wird in amerikanische Medien ein enger Trump-Mitarbeiter zitiert, der anonym bleiben will. „Einen Misserfolg können wir uns nicht erlauben.“

Sonderermittler
Ex-FBI-Chef soll Trumps Russland-Verbindungen untersuchen
© AP, reuters

Keine Frage: Das Chaos der letzten Tage hat Spuren in Trumps Umfeld hinterlassen. Der Wirbel um die Entlassung von FBI-Chef James Comey, Berichte, wonach der Präsident Comey unter Druck gesetzt habe, die Ermittlungen gegen den ehemaligen Sicherheitsberater Michael Flynn zu beenden, dann die Aufregung um an Russland verratene Geheiminformationen, schließlich die Berufung eines Sonderermittlers, der die Beziehungen zwischen Trumps Wahlkampfteam und Russland noch einmal ganz genau unter die Lupe nehmen soll: All das hat dem Präsidenten und seiner Mannschaft schwer zugesetzt.

Chaos zu Hause

„Chaotisch“ und „düster“ sei die Stimmung im Westflügel des Weißen Hauses, verriet ein Insider dem Fernsehsender CNN. Gleich mehrere Quellen berichten, dass der Präsident wütend und äußerst unzufrieden mit der Leistung seiner Mitarbeiter sei. Fernsehgeräte werden lauter gedreht, damit Reporter die internen Streitereien nicht hören. Auch mehrere Entlassungen könnten unmittelbar bevorstehen.

Nun aber geht es für Trump und sein Team erst einmal gemeinsam auf Tour, hinaus in die Welt. „Der Trip wird hilfreich sein“, ist sich Michael Anton, Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, sicher. Man werde wichtige außenpolitische Akzente setzen können.

Abwesenheit als Gefahr

Mindestens ebenso wahrscheinlich aber ist, dass Trump auch im Ausland die Negativschlagzeilen aus der Heimat nicht abschütteln können wird. Die mehr als einwöchige Abwesenheit könnte für ihn in Washington sogar eine zusätzliche Gefahr darstellen. Sollten in der nächsten Woche weitere wichtige Details zu dem einen oder anderen Skandal bekannt werden, wäre der Kampf um die Deutungshoheit für Trump und seine Leute in der Ferne weitaus schwerer zu führen als daheim. Trumps Besuch bei Papst Franziskus am Mittwoch etwa könnte zum PR-Desaster werden, wenn gleichzeitig in Washington der ehemalige FBI-Chef Comey vor dem Kongress neue Vorwürfe gegen den Präsidenten erheben sollte.

Seinen letzten vollen Arbeitstag vor dem Abflug nach Saudi Arabien versuchte Trump daher vor allem dafür zu nutzen, Kritik an seiner Person in aller Schärfe zurückzuweisen. Die Vorwürfe gegen ihn in der Causa Comey: „falsch“ und „völlig lächerlich“. Die Entscheidung, Sonderermittler Robert Mueller auf seine angebliche Russland-Connection anzusetzen: eine „Hexenjagd“. Mehr noch: Muellers Berufung spalte das Land, schimpft der Präsident. Dass allerdings nicht nur Demokraten und ewige Trump-Kritiker, sondern auch viele ansonsten Trump-freundliche Republikaner den Entschluss des Justizministeriums begrüßen, erwähnt er nicht.

Doch auch eine konkrete Entscheidung könnte der Präsident vor seiner Abreise noch treffen. So zeichnet sich der frühere Senator und Vizepräsidentschaftskandidat Joe Lieberman als Favorit für den freigewordenen Chefposten beim FBI ab. Seine endgültige Wahl wollte Trump eigentlich noch am Freitag bekanntgeben, vielleicht lässt er sich aber doch noch mehr Zeit. Als langjähriger Demokrat, der auch vom republikanischen Establishment geschätzt wird, ist Lieberman über den Verdacht erhaben, ein Trump-Gefolgsmann zu sein.

Der Präsident möge trotzdem lieber einen Kandidaten ohne aktive politische Vergangenheit nominieren, sagen Kritiker. Zudem scheint Lieberman mit seinen 75 Jahren recht alt für den Job.

Quelle: FAZ.NET
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