Nach Wirbelsturm Maria

Die Trump-Show auf Puerto Rico

Von Yves Bellinghausen
 - 13:48

Hurrikan Maria ist schon vor ein paar Wochen über Puerto Rico hinweggezogen, doch noch immer ist die Karibikinsel schwer verwüstet. Präsident Trump schaffte es erst am Dienstag zu einem Besuch in das Katastrophengebiet. Nur fünf Stunden dauerte sein Besuch, den viele Amerikaner als unangemessen und stillos empfanden.

Gleich nach seiner Landung hielt Trump eine Pressekonferenz in einem Hangar ab, wo er zunächst das erstklassige Wetter auf Puerto Rico lobte, dann jedoch eingestand, dass die Insel hin und wieder hart getroffen werde. „Und keine Frage: Ihr wurdet richtig getroffen.“

Bei seinem Auftritt überschüttete Trump sich selbst und seine Administration mit Lob, kritisierte aber Puerto Rico, die Insel habe „unser Budget ein bisschen durcheinander gebracht.“ In den Tagen nach dem Hurrikan wurde Trump für die schleppend anlaufenden Hilfeleistungen heftig kritisiert. Die Bürger Puerto Ricos haben die amerikanische Staatsbürgerschaft, aber kein Wahlrecht. Nach dem Hurrikan fühlten sich viele Inselbewohner im Stich gelassen und wie amerikanische Bürger zweiter Klasse behandelt – auch weil Trump das Ausmaß der Katastrophe nicht ernst zu nehmen schien.

Amerikanische Medien nehmen Besuch mit Spott auf

Auf Puerto Rico spielte er den Wirbelsturm abermals herunter und verglich ihn mit dem Hurrikan Katrina, der 2005 New Orleans und weite Teile von Louisiana verwüstete. Damals starben rund 1800 Menschen. „Wenn ihr euch eine echte Katastrophe wie Hurrikan Katrina anschaut, bei dem aberhunderte Menschen umgekommen sind, und im Vergleich euren Sturm, so was hat man zuvor noch nicht gesehen, aber wie viele Tote hat es bislang gegeben?“, fragt Trump in die Runde. 16, die Antwort. „16 Leute versus an-die-tausende – da könnt ihr echt stolz sein.“

In den amerikanischen Medien wurde Trumps Besuch größtenteils mit Spott aufgenommen. So schreibt die „New York Times“, die Stippvisite reihe sich in die gewohnte Routine von Trumps Besuchen in Katastrophengebieten ein: Ein schnelles Briefing in einem Flugzeughangar, eine kurze Fahrt vorbei an zerstörten Häusern und ein freundliches, aber zügiges Treffen mit Opfern. Und, wie auch in der Vergangenheit, schreibt die „New York Times“ in sarkastischem Ton weiter, habe dieser Besuch seine „besonderen“ Moment gehabt, nämlich als der Präsident großzügig Rollen mit Papierhandtüchern in die Menschenmenge warf.

In den Tagen vor seinem Besuch hatte Trump sich mit Vertretern der Inselbehörden angelegt, die ihn nicht überschwänglich gelobt, sondern kritisiert hatten – besonders Carmen Yulín Cruz, die Bürgermeisterin der Inselhauptstadt San Juan. Sie hatte sich nach dem Hurrikan über Trumps unzureichende Hilfe beklagt. Trump warf ihr daraufhin „armselige Führungsqualitäten“ vor.

Cruz, die auch an dem Briefing am Dienstag teilnahm, sagte dem Nachrichtensender CNN später, sie würde sich wünschen, dass der Präsident nicht ständig Kommentare von sich gebe, die die Leute verletzten. Trump sei weniger ein Commander-in-Chief, als ein „miscommunicator in chief“.

Quelle: FAZ.NET
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