Trumps Terminkalender

Fernsehen, Twittern, ab ins Bett

 - 16:43

Er werde „sehr hart arbeiten“, um Amerika wieder nach vorn zu bringen, hat Donald Trump nach seiner Amtseinführung vor knapp einem Jahr versprochen. Doch in der Realität hinkt die Arbeitsmoral des amerikanischen Präsidenten möglicherweise hinter diesem hehren Anspruch zurück, wie jetzt ein Bericht der amerikanischen Nachrichtenseite „Axios“ nahelegt. Sie berichtet über den privaten Terminplan Trumps, den die Seite nach eigenen Angaben angeblich einsehen konnte – und kommt zu dem Schluss: Schon knapp ein Jahr nach Amtsantritt sind die Arbeitstage des Präsidenten deutlich kürzer als noch zu Beginn seiner Präsidentschaft.

Demnach soll Trump seinen Arbeitstag im Oval Office oft erst gegen 11 Uhr am Vormittag beginnen und danach „deutlich weniger Meetings“ abhalten als zu Beginn seiner Amtszeit. Das liege vor allem an Trumps Wunsch nach „Executive Time“ (zu Deutsch in etwa: „Zeit für Geschäftsführung“), in der der Präsident vorrangig fernsehe oder sich mit Twitter beschäftige, zitiert „Axios“ nicht näher benannte Mitarbeiter des Präsidenten.

Nach Angaben der Seite ist die „Executive Time“ für den Präsidenten täglich von 8 bis 11 Uhr im Oval Office eingeplant – in der Realität verbringe Trump diese Zeit aber in seiner Residenz mit Telefonanrufen, Fernsehen und Twitter. Meist komme der Präsident erst gegen 11 Uhr zu seinem ersten Termin ins Oval Office, oft sei das ein Sicherheits-Briefing. Generell sind Trumps Arbeitstage im Oval Office dem Bericht zufolge relativ kurz und dauern nur von 11 Uhr bis 18 Uhr. In dieser Zeit fänden üblicherweise ein bis zwei Arbeitstreffen statt – Trump verbringe aber auch viel Zeit mit Telefonieren und Fernsehen im Esszimmer, das an das Oval Office angrenzt. Nach 18 Uhr ziehe er sich in seine Privatgemächer zurück.

Wie „Axios“ schreibt, saß Trumps Vorgänger Barack Obama nach Angaben von früheren Vertrauten meist gegen 9 oder 10 Uhr im Oval Office, nachdem er am frühen Morgen schon erste Arbeit erledigt hatte. Noch pflichtbewusster war demnach George W. Bush, der jeden Tag schon um 6.45 Uhr im Oval Office erschien.

„Axios“ führt auch drei Beispiele für Trump-Arbeitstage aus der laufenden Woche an. Am Dienstag traf sich der Präsident demnach um 11 Uhr mit seinem Stabschef John Kelly. Danach folgt eine Stunde „Executive Time“, danach eine Stunde zum Mittagessen in seinem privaten Esszimmer. Darauf schließen sich demnach wiederum 75 Minuten „Executive Time“ und ein 45-minütiges Gespräch mit seinem Assistenten Johnny DeStefano an, bevor der offizielle Arbeitstag des Präsidenten um 16.15 Uhr am Nachmittag endet. Andere Tage in Trumps Terminkalender verlaufen demnach sehr ähnlich, sofern der Präsident nicht auf Reisen sei, behauptet „Axios“. Am Mittwoch trifft Trump um 11 Uhr für das Sicherheits-Briefing im Oval Office ein, danach folgt „Executive Time“, bis um 14 Uhr ein Treffen mit dem norwegischen Ministerpräsidenten auf dem Programm steht. Trumps letzter offizieller Termin am Mittwoch ist nach dem Bericht ein Videodreh mit seiner Kommunikationsdirektorin Hope Hicks um 16 Uhr. Besonders entspannt verläuft für Trump angeblich der Donnerstag: „Politik-Zeit“ um 11 Uhr, dann „Executive“-Zeit bis 12, dann eine Stunde Mittagessen, ab 13.30 Uhr dann wieder „Executive“-Zeit.

„Axios“ will von nicht näher genannten Vertrauten Trumps auch erfahren haben, dass der Präsident immer mit etwas beschäftigt sei, die meiste Zeit aber undiszipliniert und unstrukturiert arbeite. „Er ruft Leute an, guckt Fernsehen, twittert und übt das Amt des Präsidenten auf dieselbe lockere, improvisierte Art aus wie das des Geschäftsführers der Trump Organization“, heißt es in dem Bericht.

Eine offizielle Bestätigung für den Bericht gab es naturgemäß nicht. Trump-Sprecherin Sarah Huckabee Sanders erklärte auf Anfrage von „Axios“ aber, der Präsident verbringe seine Vormittage teils in seinen Privaträumen und im Oval Office, aber er sei dabei ständig im Kontakt mit seinem Team, Kabinettsmitgliedern, Kongressabgeordneten und ausländischen Staatschefs. „Der Präsident ist einer der härtesten Arbeiter, die ich je gesehen habe“, so Sanders – Trump arbeite „fast jeden Tag in der Woche“ lange Stunde und Tage. „Journalisten haben schon oft angemerkt, sie wünschten, dass er langsamer arbeitet“, so Sanders. „Sie haben manchmal Schwierigkeiten, mit ihm mitzuhalten.“

Quelle: oge.
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