Ehemaliger FBI-Chef

Comey hält Justizbehinderung durch Trump für möglich

 - 05:18

Der ehemalige FBI-Chef James Comey hält es für möglich, dass Amerikas Präsident Donald Trump die Justiz behindert haben könnte. Es gebe sicherlich Beweise für Justizbehinderung, sagte Comey in einem am Sonntagabend (Ortszeit) ausgestrahlten Interview des Fernsehsenders ABC News auf eine entsprechende Frage. Er verwies aber darauf, dass er in dem Fall nicht der Ermittler oder Staatsanwalt sei, sondern nur ein Zeuge.

Trump hatte Comey im Mai 2017 gefeuert und das später mit den Russland-Ermittlungen des FBI in Zusammenhang gebracht.

In der Interviewpassage ging es um ein Gespräch zwischen dem Präsidenten und dem FBI-Chef im Februar 2017. Bei diesem äußerte Trump nach Comeys Darstellung den Wunsch, dass die Ermittlungen des FBI gegen den damaligen Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn eingestellt werden. Trump bestreitet das. Manche Beobachter sehen darin einen Versuch der Justizbehinderung.

Eine Folge von Comeys Entlassung war die Einsetzung von Sonderermittler Robert Mueller, der nun die Vorwürfe um eine russische Einmischung in die Präsidentschaftswahl 2016 untersucht und dabei auch eine Verstrickung des Trump-Lagers prüft.

„Präsident muss Respekt verkörpern“

Comey bezeichnete Trump in dem Interview zudem als moralisch unfähig für das Präsidentenamt. Eine Person, die Frauen wie ein Stück Fleisch behandele, die ständig lüge und darauf bestehe, dass das amerikanische Volk es glaube, sei moralisch ungeeignet für das Amt, sagte Comey.

Er glaube nicht an Spekulationen, wonach Trump geistig nicht fit sei oder Demenz im Anfangsstadium habe. „Er scheint mir eine Person von überdurchschnittlicher Intelligenz zu sein, die Gespräche verfolgt und weiß, was vor sich geht“, sagte der 57-Jährige. „Ich glaube nicht an diese Geschichten, wonach er mental inkompetent oder in einer frühen Phase der Demenz ist“, sagte Comey. „Ich denke nicht, dass er aus medizinischer Sicht ungeeignet ist, ich denke, dass er moralisch ungeeignet ist, Präsident zu sein“, sagte Comey laut einer Mitschrift des ABC-Interviews.

„Unser Präsident muss Respekt verkörpern und für die Werte stehen, die unser Land ausmachen. Das Wichtigste ist die Wahrheit“, sagte Comey weiter. „Dieser Präsident ist nicht in der Lage, das zu tun.“

Video starten

Ehemaliger FBI-ChefTrump lebt im „Kokon einer alternativen Realität“

Comey war im Mai 2017 völlig überraschend als FBI-Chef von Trump entlassen worden. Trump begründete dies unter anderem mit den FBI-Ermittlungen zur Russland-Affäre, also zu den mutmaßlichen Einmischungen Russlands zugunsten Trumps im Wahlkampf und möglichen illegalen Verbindungen von Trump-Mitarbeitern nach Moskau. Eine Folge von Comeys Entlassung war die Einsetzung von Sonderermittler Robert Mueller, der nun die Vorwürfe um eine russische Einmischung in die Präsidentschaftswahl 2016 untersucht und dabei auch eine Verstrickung des Trump-Lagers prüft.

Derzeit sorgt Comey mit seinem Buch „A Higher Loyalty: Truth, Lies and Leadership“ (deutscher Titel: „Größer als das Amt: Auf der Suche nach Wahrheit - der ehemalige FBI-Direktor klagt an“) für Schlagzeilen. Darin schildert er den Präsidenten als Mann ohne moralischen Kompass, als notorischen Lügner, der das Land im Stil eines Mafiabosses führt. Das Buch erscheint am Dienstag, Auszüge wurden aber bereits bekannt. Trump reagierte im Kurzbotschaftendienst Twitter mit Beschimpfungen Comeys auf die Vorwürfe.

Quelle: rad./dpa/AFP
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenDonald TrumpFBIPräsidentenamtJames ComeyDemenz