FAZ plus ArtikelMauer zu Mexiko

Ein Schuss ins Knie

Von Andreas Ross, Washington
 - 07:41

Der Abgeordnete Luis Gutiérrez aus Chicago hat dem Präsidenten neulich eine Alternative zur Grenzmauer nahegelegt. „Ich vermute, dass viele Trump-Anhänger mit einer großen Statue eines nach Süden ausgestreckten Mittelfingers ebenso zufrieden wären“, höhnte der Demokrat. „Als Sicherheitsstrategie wäre das so effektiv wie eine Mauer.“ Es versteht sich, dass Donald Trump nicht darauf einging. Sogar ernst gemeinte Vorschläge, mit denen Politiker beider Parteien dieser Tage den Migrationsstreit zu entschärfen versuchen, tut das Weiße Haus als lächerlich ab. Trump würde zwar 1,8 Millionen junge Migranten mittelfristig einbürgern – aber nur, wenn zugleich der Familiennachzug beschnitten, die Visa-Lotterie abgeschafft und ebendie Mauer gebaut wird. Das Weiße Haus verlangt 25 Milliarden Dollar „für das Grenzmauersystem, die Grenzübergänge und Verbesserungen an der Nordgrenze“.

Doch die Regierung erklärt nicht, wie so ein „Grenzmauersystem“ aussähe. Niemand hat eine Blaupause. Es mangelt in Washington zwar nicht an konservativen Denkfabriken, die die 3145 Kilometer lange Grenze zu Mexiko seit Jahr und Tag als offene Flanke der nationalen Souveränität beschreiben. Gern loben sie Trumps beherzten Einsatz dagegen. Doch auch sie mögen nicht kalkulieren, was für eine Barriere zu welchen Kosten wie viele Migranten und wie viel Rauschgift aussperren könnte.

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Quelle: F.A.Z.
Andreas Ross
Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.
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