Bannons Abgang

Das (vorläufige) Ende eines Provokateurs

Von Oliver Kühn
 - 13:50

Steve Bannon hat in wenigen Monaten eine Geschichte von Aufstieg und Fall durchgemacht, wie sie viele Menschen in ihrem gesamten Leben nicht kennenlernen. Erst wurde er Manager von Donald Trumps Präsidentschaftskampagne, dann Chefberater im Weißen Haus – und damit einer der einflussreichsten Menschen dieses Planeten. Mit seiner Entlassung im August 2017 begann ein Abstieg, der nun mit dem Verlassen des Chefredakteurspostens der Website „Breitbart News“ vollendet wurde.

Bannon war auch während seiner Zeit an Trumps Seite ein streitbarer Charakter, der mit anderen wichtigen Menschen in dessen innerem Zirkel im Streit lag. Aggressiv und gnadenlos versuchte er, seine Politikziele durchzusetzen. Mit einigen dieser Ziele lag Bannon durchaus auf der Linie der Republikaner, die sich einen Staat wünschen, der sich möglichst wenig in das Leben der Bürger einmischt. Doch sein Diktum, er sei ein Leninist, weil er, wie der sowjetische Revolutionsführer, den Staat zerstören wolle, hat ihn in Washington vollends unbeliebt gemacht. Diese Abneigung beruhte allerdings auf Gegenseitigkeit. Wohl kaum ein anderer Berater Trumps stand so hinter dessen Wahlkampfversprechen, den „Sumpf trockenzulegen“, wie Bannon.

In der Politik war er aber immer von Trump abhängig, einem Präsidenten, der von seinen Gefolgsleuten absolute Loyalität verlangt. Für seine Tätigkeit bei der Nachrichtenseite „Breitbart News“, die er in den vergangenen Jahren zum Sturmgeschütz der Rechten in Amerika gemacht hatte, war er auf der anderen Seite auf die Zuwendungen der Milliardärstochter Rebekah Mercer angewiesen, die zusammen mit ihrem Vater eine Großspenderin der Trump-Kampagne war und auch viel Geld in „Breitbart News“ gepumpt hat. Den Rückhalt der beiden hat Bannon jetzt augenscheinlich verloren.

Gegenüber Trump wurde ihm zum Verhängnis, dass er, schon als er noch im Weißen Haus war, Anflüge von Größenwahn zeigte. Einem Präsidenten gegenüber, der sich selbst für den Größten hält, ist das jedoch kaum zielführend. Bannon sah sich gerne als der eigentliche Motor hinter Trumps Wahlerfolg, soll sich, wie der Journalist Michael Wolff in seinem Buch „Fire And Fury“ schreibt, gar als „Gehirn Trumps“ bezeichnet haben. Das konnte nicht lange gut gehen. Nach Bannons Verabschiedung aus dem Weißen Haus folgte dann auch schnell Trumps Absetzbewegung. Bannon habe nur kurz für ihn gearbeitet und sei auch erst an Bord gekommen, als er sich schon die Kandidatur der Republikaner gesichert hatte, erklärte der Präsident.

Republikaner befürchten Welle

Vergangene Woche, nachdem Zitate Bannons bekannt geworden waren, denen zufolge er Trumps Sohn als „Verräter“ bezeichnet und auch sonst unfreundliche Bemerkungen über die Familie des Präsidenten gemacht haben soll, legte Trump nach. Bannon habe im August nicht nur seinen Job verloren, sondern auch seinen Verstand, heißt es aus dem Weißen Haus. Bannon habe nichts mit dem Erfolg bei der Präsidentenwahl zu tun, sei aber dafür verantwortlich, dass die Demokraten den Senatssitz in Alabama gewinnen konnten.

Bannon hatte bei der Wahl im Dezember den Anti-Establishment-Kandidaten Roy Moore unterstützt, dem mehrere Frauen sexuelle Übergriffe vorwarfen. Ein Faktor, der stark zu dessen Niederlage beitrug. Im Kampf gegen die republikanische Parteiführung in Washington stand Bannon jedoch bis zuletzt an Moores Seite. Berichten zufolge versucht er auch, in den kommenden Senatswahlen im November eigene Kandidaten aufzustellen, die den Arrivierten die Hölle heiß machen sollen.

Mit dieser destruktiven Politik, für die Bannon „Breitbart“ als Sprachrohr nutzte, scheint er aber nun auch bei Rebekah Mercer durchgefallen zu sein. Schon vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass die Erbin sich von ihm absetzte, als er Freunden gegenüber behauptet haben soll, Mercer habe ihm Unterstützung für eine mögliche Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2020 zugesagt. „Breitbart“ muss er wohl verlassen, weil ohne die finanziellen Zuwendungen von Mercer ein Betrieb der Seite nicht möglich ist.

Die Milliardärstochter steht weiter hinter Trump. Bannons Politik, dessen Kandidaten bei den Senatswahlen zu desavouieren und seine Äußerungen gegen die Trump-Familie gehen ihr jetzt wohl zu weit – gerade mit Blick auf die Wahlen im November und die Möglichkeit, dass eine demokratische Welle sowohl die republikanische Ein-Stimmen-Mehrheit im Senat als auch die Majorität im Repräsentantenhaus wegspült. Damit wären in der zweiten Hälfte von Trumps erster Amtszeit alle gesetzgeberischen Vorhaben der Republikaner obsolet. Mit Bannons Demissionierung haben sich die Aussichten der Republikaner, denen in verschiedenen Medien schon ein „Blutbad“ vorhergesagt wurde, merklich aufgehellt. Den Außenseitern fehlt ein wichtiger publizistischer Helfer, der ihnen in den parteiinternen Ausscheidungskämpfen zur Seite stehen könnte.

Keine Telefonate mehr

Ob der Präsident, dessen Wohl und Wehe wesentlich von einer republikanischen Mehrheit im Kongress – so zerstritten sie auch immer sein mag – abhängt, daran denkt, dass er durch seine Angriffe auf Bannon der Partei in kommenden Wahlen helfen könnte, ist, ohne ihn unterschätzen zu wollen, zumindest zweifelhaft. Bei ihm regiert nur einer, nämlich er selbst. Wer immer sich erdreistet, sich mit ihm auf eine Stufe stellen oder sich gar über ihn erheben zu wollen, muss niedergemacht werden, so Trumps Logik. Es gilt das Prinzip: „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich!“

Bannon, den er spätestens seit den inkriminierenden Zitaten aus „Fire And Fury“ als Feind wahrnehmen kann, wurde somit zum Freiwild. Die Telefonate mit dem Präsidenten, über die die Medien auch nach Bannons Abgang aus dem Weißen Haus berichteten, gehören damit wohl der Vergangenheit an.

Ganz abgeschrieben werden sollte Bannon allerdings nicht. Mit seiner radikalen Rhetorik und seinen Auftritten hat er sich eine Gefolgschaft aufgebaut, der genau diese Politik gefallen hat: gegen die in Washington. Sollte es Bannon gelingen, diese Anhänger bei der Stange zu halten, könnte er immer noch ein Wörtchen in der nationalen Politik mitreden. Erst recht, wenn er es schafft, bei den Senatswahlen tatsächlich eigene Kandidaten aufzustellen. Neue Medienpräsenz wäre ihm dann auf jeden Fall sicher.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Kühn, Oliver
Oliver Kühn
Redakteur in der Politik.
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