Trumps Asienreise

Zwei Herzen im Viervierteltakt

Von Till Fähnders, Manila
 - 18:04

Es könnte der Beginn einer wunderbaren Freundschaft gewesen sein, als der Präsident der Philippinen, Rodrigo Duterte, für Donald Trump ein Lied anstimmte. Auf dem Festakt zum fünfzigsten Jubiläum der südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean in Manila sang Duterte vor den versammelten Staats- und Regierungschefs das Schnulzenlied „Ikaw“ („Du“). Danach entschuldigte er sich, dass er eigentlich nicht auf der Bühne stehen sollte, und witzelte: „Es war der Befehl des Oberkommandierenden der amerikanischen Streitkräfte.“

Bei Trumps Besuch in der philippinischen Hauptstadt, der letzten Station auf seiner ausgedehnten Asien-Reise, schien die Chemie zwischen den beiden Staatschefs zu stimmen. Es blieb nicht nur beim Händeschütteln und Zuprosten. Trump und Duterte tauschten auch verbal mehr als nur Höflichkeiten aus. So lobte Trump den Gastgeber am Montag während ihres Treffens für seine Arbeit als Asean-Vorsitzender und die gelungene Veranstaltung am Abend. „Rodrigo, du warst phantastisch“, schwärmte Trump. Da waren die beiden Präsidenten offenbar schon längst beim Du angekommen.

Der mitreisenden Presse sagte Trump später, er habe ein „großartiges Verhältnis“ zu Duterte. Nichts schien es zu trüben, auch nicht die Tatsache, dass in mehr als einem Jahr Duterte auf den Philippinen schon mehrere tausend Drogensüchtige getötet worden sind. Dabei hatte Dutertes blutiger Krieg gegen Drogen im vergangenen Jahr sogar zu einem Zerwürfnis zwischen den Philippinen und dem alten Verbündeten Amerika geführt. Trumps Vorgängerregierung hatte scharfe Kritik an der Drogenpolitik geübt. Dafür hatte Duterte den damaligen Präsidenten Barack Obama als „Hurensohn“ beschimpft. Ein Treffen zwischen den Präsidenten war daraufhin abgesagt worden.

Im Gegensatz dazu waren bei Trumps Gespräch mit Duterte Menschenrechte offenbar überhaupt kein Thema gewesen. Das bestätigte am Montag der philippinische Präsidentensprecher. Der Drogenkrieg habe nur in Erläuterungen des Präsidenten eine Rolle gespielt. Darin habe Duterte dargestellt, welches Ausmaß das Drogenproblem auf den Philippinen erreicht habe. Bei einem früheren Telefonat, das nach außen gedrungen war, hatte Trump dem philippinischen Präsident dagegen noch gesagt, er mache eine „gute Arbeit“ im Kampf gegen die Drogen.

Asean-Gipfel in Manila
Proteste während Trump-Besuch
© EPA, reuters

Die Menschenrechte werden ignoriert

Nun interpretierte der philippinische Sprecher Trump so, dass dieser durch seine Körpersprache ebenfalls Zustimmung zur philippinischen Drogenpolitik signalisiert habe. „Er hat mehrmals genickt“, sagte der Sprecher vor Journalisten in Manila. Eine eigene Position habe der amerikanische Präsident aber nicht formuliert. Dutertes Mitarbeiter wies damit auch eine etwas anders lautende Darstellung von der Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, zurück. Sie hatte zuvor gesagt, dass Menschenrechte kurz angesprochen worden seien. Es sei um die „Drogenplage“ auf den Philippinen gegangen. Eine Rolle habe zudem der Kampf gegen den Terrorismus gespielt.

Natürlich möchte sich Washington nicht nachsagen lassen, man ignoriere einfach die Bedenken in Bezug auf Duterte und die Frage, wie er es mit der Achtung der Menschenrechte hält. Immerhin hatte der philippinische Präsident erst vor wenigen Tagen damit geprahlt, schon im Alter von 16 Jahren einen Menschen erstochen zu haben. Aber es blieb am Montag nach den bilateralen Gesprächen der Eindruck, dass Donald Trump es vor allem darauf abgesehen hatte, seine Forderung nach einem „fairen und beiderseitigen“ Handel in Asien vorzubringen. Trump macht unfaire Verträge für die Handelsdefizite mit einigen asiatischen Ländern verantwortlich.

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Dafür war der amerikanische Gast offensichtlich auch bereit, andere unangenehme Themen zu ignorieren. Durch den Regierungswechsel in Washington habe sich das Verhältnis zwischen den beiden Ländern nun deutlich verbessert, sagte der philippinische Präsidentensprecher am Montag. Nach der Kritik der Obama-Regierung hatte sich Duterte zunächst auch stärker China angenähert. Und das, obwohl sich Manila seit Jahren mit Peking um Inseln und Seegebiete im Südchinesischen Meer streitet. Doch Duterte verzichtete zugunsten besserer Beziehungen sogar darauf, das Thema bei dem Gipfel in Manila zur Sprache zu bringen. In den vergangenen Jahren war es im Gegensatz dazu stets das Hauptthema bei den Asean-Gipfeln gewesen, und das auch auf Betreiben der Philippinen hin.

Doch nun heißt es, dass die Beziehungen zwischen China und den Asean-Ländern sogar so gut seien wie nie zuvor. Das könnte auch mit der veränderten Haltung der philippinischen Regierung zusammenhängen. Selbst Vietnam und China haben sich offenbar angenähert. Vietnam, das am vergangenen Wochenende den Gipfel der Asien-Pazifik-Staaten veranstaltet hatte, hatte mit den Philippinen stets am meisten Widerstand gegen das chinesische Vordringen in Südostasien geleistet. In den vergangenen Tagen berichteten chinesische Medien nun aber, dass ein „Konsens“ zwischen China und Vietnam zur Zusammenarbeit im Südchinesischen Meer gefunden worden sei.

Insgesamt wird es durch die veränderte Atmosphäre aber schwieriger für die Asean-Staaten, sich dem Griff Chinas zu entziehen. Zumal die Chinesen im Südchinesischen Meer mit der Aufschüttung von Inseln und dem Bau militärischer Einrichtungen ohnehin Fakten geschaffen haben. Unter diesen Umständen kann es sich Peking sogar leisten, kleine Zugeständnisse zu machen. So wurde am Montag in Manila bekannt, dass Asean und China schon bald mit formalen Gesprächen über einen Verhaltenskodex im Südchinesischen Meer eintreten wollten. Trumps Angebot, in dem Territorialkonflikt als Vermittler auftreten zu wollen, fand in der Region selbst dagegen kaum Widerhall.

Ständchen unter Präsidenten
Duterte singt für Trump
© AFP, Asean Pool

An der neuen Nähe der Philippinen zu China dürfte dann auch das Verhältnis zwischen Trump und Duterte zumindest vorerst nicht viel ändern. Letzterer verfolgt nach eigener Darstellung eine „unabhängige“ Außenpolitik. Dass es im Zentrum von Manila zu teilweise heftigen Protesten gegen Trump gekommen war, gehört auf den Philippinen im Grunde dazu. Dabei verbrannten die linken Demonstranten eine Figur aus einem Trump-Gesicht mit Armen, die zu einem Hakenkreuz verschränkt waren. Aber die meisten Einwohner der Philippinen sehen Umfragen zufolge die Präsidentschaft Donald Trumps durchaus positiv. Und auch sein Freund Duterte ist im Volk immer noch beliebt.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Fähnders, Till (fäh.)
Till Fähnders
Politischer Korrespondent für Südostasien.
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