Trumps Glaubwürdigkeitsproblem

„Fragt mich nicht, fragt Fox“

Von Simon Riesche, Washington
 - 08:58

Sollte es das Ziel von Donald Trump sein, für möglichst viel Gesprächsstoff zu sorgen, hätte er derzeit mal wieder jede Menge Grund zur Freude. Am Freitagabend, als der 70-Jährige längst in seinem luxuriösen Wochenenddomizil in Florida angekommen ist, dreht sich in den Fernsehstudios der politischen Talkshows in Washington und New York mal wieder alles nur um ihn.

Das ist zunächst einmal nicht besonders verwunderlich, schließlich ist er der Präsident der Vereinigten Staaten. Doch zum Ende von Trumps achter Amtswoche im Weißen Haus geht es erstaunlicher Weise nur am Rande um große politische Themen wie seinen durchaus diskussionswürdigen Haushaltsplan oder die von ihm unterstützte Gesundheitsreform.

Stattdessen stehen einmal mehr Trumps Bespitzelungsvorwürfe gegen Vorgänger Barack Obama im Mittelpunkt. Beweise dafür gibt es weiterhin keine, was den Präsident und seine Leute allerdings nicht davon abhält, ihre Anschuldigungen weiter aufrechtzuerhalten. Im Gegenteil: In den letzten beiden Tagen nahm die ganze Sache sogar international noch einmal richtig Fahrt auf.

Bezug nehmend auf einen im konservativen Sender Fox News veröffentlichten Bericht, hatte Präsidentensprecher Sean Spicer am Donnerstag behauptet, der britische Geheimdienstdienst GCHQ hätte Obama beim Ausspähen geholfen. Sowohl die sonst so schweigsamen Agenten, als auch die britische Regierung, immerhin einer der engsten Verbündeten der Vereinigten Staaten, sahen sich dazu veranlasst, die Vorwürfe öffentlich als „lächerlich“ zurückzuweisen.

Und was macht Trump? In der gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Merkel am Freitag hätte er die Frage eines Reporters nutzen können, um die Wogen zu glätten. Stattdessen bekräftigt er indirekt noch einmal seine Vorwürfe und verweist auf Medien, auf die man sich zuvor bezogen habe. „Fragt mich nicht, fragt Fox“, rät der Präsident.

Die Vorgehensweise ist nicht neu

Vor seinem Wechsel in die aktive Politik etwa beteiligte sich Trump leidenschaftlich an Gerüchten, wonach Präsident Obama nicht in den Vereinigten Staaten geboren worden sei. Trumps Quelle: Verschwörungstheorien, für die er später lange keine Verantwortung übernehmen will.

Im Vorwahlkampf dann brachte Trump zum Beispiel den Vater seines republikanischen Konkurrenten Ted Cruz mit dem Mord an John F. Kennedy in Verbindung. Als er nach Beweisen gefragt wurde, berief er sich auf die frei erfundenen Zeilen eines Boulevard-Blatts.

Als Präsident geht es ähnlich weiter

Die Zuschauerzahl bei seiner Amtseinführung sei größer als bei der seines Vorgängers gewesen, behauptet er unter Berufung auf nicht näher genannte Berichte. Verifizierte Fotos und Verkehrsstatistiken beweisen das Gegenteil.

Auf einer seiner Pressekonferenzen behauptet er schließlich, kein amerikanischer Präsident seit Ronald Reagan habe so viele Wahlmännerstimmen bekommen wie er. Das ist nachweislich falsch, doch Trump wehrt ab: „Mir wurden diese Informationen gegeben.“

Die Liste ließe sich weiter ergänzen. Von unbestätigten Manipulationsvorwürfen rund um die Präsidentschaftswahl, wonach drei Millionen Menschen illegal ihre Stimme abgegeben hätten, bis hin zu vermeintlichen Tatsachenberichten über gesellschaftliche Geschehnisse in Schweden, die sich bei genauerem Hinsehen als Teil einer am Abend zuvor geschauten TV-Reportage von zweifelhafter Qualität entpuppen.

Fest steht: Ein Präsident, der sich, obwohl er einen ganzen Behördenapparat unter sich weiß, der ihm jederzeit inhaltlich zuarbeiten kann, lieber mit wenig verlässlichen Informationsquellen zufrieden gibt, ist auch vielen Weggefährten zunehmend suspekt. In den öffentlichen Debatte finden sich immer weniger führende Republikaner, die uneingeschränkt für Trump Partei ergreifen wollen.

Das allerdings heißt keineswegs, dass sämtliche Parteifreunde Trumps mit dem politischen Programm des Präsidenten unzufrieden wären. Lässt man die Verschwörungstheorien und Ausfälle gegen Journalisten außen vor, bewegt sich Trump mit vielem, was er sagt, durchaus im republikanischen Mainstream.

Eintreten für innere Sicherheit, ein starkes Militär, dazu eine Handelspolitik, die vor allem der amerikanischen Wirtschaft helfen soll – das sind die inhaltlichen Stichpunkte, die Trump auch während des Merkel-Besuches skizziert. Nichts, was in den Augen der meisten Amerikaner besonders skandalös wäre. Bei seiner ersten Rede vor dem Kongress Ende Februar hatte er für ähnliche Töne bereits viel Zustimmung bekommen.

Umso mehr stellt sich die Frage, ob der Präsident sich mit fragwürdigen Aussagen wie seinen nicht enden wollenden Abhörvorwürfen überhaupt strategisch einen Gefallen tut. Ja, meinen diejenigen, die vor allem auf Trumps bisherige Erfolge verweisen. Bereits im Wahlkampf wurde dem politischen Quereinsteiger immer wieder attestiert, bewusst thematische Nebelkerzen zu zünden, um seine Basis bei Laune zu halten und gleichzeitig Schwächen in Detailfragen zu kaschieren.

Andere Beobachter finden, dass sich der Präsident zunehmend verrenne. Michael D'Antonio, Autor der Trump-Biographie „Never Enough“ („Niemals genug“), ist zudem fest überzeugt, dass der Präsident tief im Innern überhaupt keine andere Wahl habe sich anders zu verhalten. „Nachgeben oder das Eingestehen von Schuld“ sei in Trumps Gedankenwelt „einfach nicht vorgesehen“, erklärt D'Antonio am Freitagabend in einer der eingangs erwähnten TV-Diskussionsrunden.

Es wird nicht die letzte Trump-Talkshow gewesen sein.

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© dpa, reuters

Quelle: FAZ.NET
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