Präsidentschaftswahl 2020

Die Demokraten suchen ihren Hoffnungsträger

Von Frauke Steffens, New York
 - 10:01

Donald Trump ist noch nicht einmal ein Jahr im Amt, aber die Diskussion über seinen möglichen Herausforderer hat schon begonnen. Das Trump-Kampagnenteam ist trotz schlechter Umfragewerte motiviert und hat den Blick fest auf die Wahl 2020 gerichtet – und bereits jetzt Millionen Dollar an Spenden eingesammelt. Da verwundert es nicht, dass die Demokraten inoffiziell nach einem geeigneten Kandidaten suchen – keiner kann es schließlich abwarten, bis die Partei die Chance auf den Machtwechsel hat.

Allerdings sieht es personell nicht gerade rosig aus: Die aussichtsreichsten Kandidaten sind auch die ältesten – und ein Shooting Star wie Barack Obama, der die Partei inspirieren könnte, ist vorerst nicht in Sicht. Die Gegnerbeobachtung der Republikaner konzentriere sich zur Zeit auf 15 mögliche Herausforderer, heißt es – auf manchen Listen tauchen in den amerikanischen Medien um die 40 Namen auf. Da wird es eine Herausforderung, sich nicht in Grabenkämpfen zu verlieren – und zur Zeit sieht es so aus, als könnten die Demokraten auf alt bekannte Gesichter setzen. Hier ein Überblick über die Namen, die zur Zeit am häufigsten genannt werden.

„Ich bereue es jeden Tag“

Joe Biden, der ehemalige Vize von Präsident Barack Obama, sendet seit Monaten widersprüchliche Signale. Im Januar sagte er auf die Frage, ob sein Verzicht auf eine Kandidatur 2016 die falsche Entscheidung war: „Ich bereue es jeden Tag.“ Zwischenzeitlich wies er Spekulationen über einen neuen Anlauf 2020 zurück. Im vergangenen Monat sagte seine Tochter Ashley allerdings, Biden erwäge eine Kandidatur. Biden, der vor seiner Zeit als Vizepräsident Senator für Delaware war, wird im November des Wahljahres 78.

Gegen Donald Trump war er 2016 nicht angetreten, weil er den Tod seines Sohnes Beau im Jahr zuvor verarbeiten musste. Biden verließ das Weiße Haus mit einem Beliebtheitswert von 61 Prozent – und auch, wenn er ein Kandidat der alten Riege der Demokraten ist, werden ihm sehr gute Chancen eingeräumt. Jedenfalls hat er bereits ein eigenes Political Action Committee (PAC), das den Kongresswahlkampf unterstϋtzt. Und am Sonntag sagte Biden in einem Interview zu seinen Memoiren, er plane zur Zeit nicht aktiv seine Kandidatur, aber als „Anhänger des Schicksals“ schließe er auch nichts aus.

Nach der Wahl ist vor der Wahl
Wer nimmt es mit Trump auf?
© afp, afp

Auch der Name von Bernie Sanders fällt stets, wenn vom Kandidatenfeld für 2020 die Rede ist. Der unabhängige Senator aus Vermont, der 2016 an Hillary Clinton scheiterte, ist zur Zeit der Politiker mit den höchsten Zustimmungswerten – kürzlich landete er in einer Umfrage bei 75 Prozent. Sein Plan einer staatlich finanzierten Krankenversorgung für alle ist von einer Idee am linken Rand zu einem Projekt geworden, das immer mehr Demokraten im Kongress unterstützen.

Sanders’ Vorteil ist seine Mobilisierungsfähigkeit, die er im Vorwahlkampf gegen Clinton unter Beweis stellte. Ihm wird von vielen zugetraut, die Arbeiter und Arbeitslosen, die für Donald Trump gestimmt haben, zurückzugewinnen und gleichzeitig gut ausgebildete junge Wähler zu begeistern. Sein Nachteil ist sein Alter: am Wahltag wäre er 79 Jahre. Sanders lässt eine Kandidatur bislang offen, wirbt aber im ganzen Land für seinen Krankenversicherungsplan und nimmt über seine Basisorganisation „Our Revolution“ Einfluss auf die Wahlkämpfe in den Bundesstaaten.

Nicht ganz so links wie Sanders

Elizabeth Warren wird am Wahltag 71 sein – wie die beiden Männer wäre auch sie keine junge Präsidentin mehr. Die Senatorin aus Massachussetts gilt als widerstrebende Kandidatin – bereits bei der letzten Wahl hätten viele Demokraten sie gern dazu bewegt, ins Rennen zu gehen. Warren hätte möglicherweise Joe Bidens Vizepräsidentin werden können. Seit der verzichtete, erklärte sie sich nicht eindeutig gegen eine Präsidentschaftskandidatur. Warren gilt als Wirtschaftsexpertin und hat ihr Profil durch eine kritische Politik der Wall Street gegenüber geschärft – sie wird als nicht ganz so links wie Bernie Sanders wahrgenommen, wäre aber für viele aus dessen Lager eine Favoritin.

Im Februar diesen Jahres kritisierte Warren bei der Anhörung zur Ernennung von Justizminister Jeff Sessions dessen Positionen in Bürgerrechtsfragen. Dabei wollte sie einen Brief verlesen, in dem die Witwe von Martin Luther King, Coretta Scott King, 1986 vor Sessions gewarnt hatte. Als Senats-Mehrheitsführer Mitch McConnell Warren die Redezeit abschnitt, entstand der populäre Spruch „Nevertheless She Persisted“, den Feministinnen in Amerika seither auf T-Shirts und Buttons drucken.

Die Namen Biden, Sanders und Warren werden am häufigsten genannt, wenn es um die Kandidatur 2020 geht. Daneben ist oft von drei dem Parteiestablishment nahe stehenden Anwärtern die Rede: Cory Booker, Kirsten Gillibrand und Kamala Harris.

„Was würde es bedeuten, wenn ich schwul wäre?“

Cory Booker wird seit Jahren immer mal wieder ins Spiel gebracht. Er ist Senator aus New Jersey und durch Fernsehauftritte recht bekannt. Booker war vor seiner Wahl Bürgermeister von Newark. Der Afroamerikaner Booker gilt als Liberaler, manchen als neoliberal. Er kritisierte die Politik der Bankenregulierung von Barack Obama und wurde dafür von den Republikanern gelobt – daher könnte er Schwierigkeiten haben, einen Teil der demokratischen Basis von sich zu überzeugen. Früher zählte Booker immerhin nicht nur die Pharmaindustrie, sondern auch Jared Kushner und Ivanka Trump zu seinen Unterstützern.

Helfen könnte ihm, dass er gesellschaftspolitisch linkere Positionen vertritt, etwa im Abtreibungsrecht oder beim Thema „Affirmative Action“. Der Senator machte auch von sich reden, weil er sich weigerte, Gerüchte um seine sexuelle Orientierung zurückzuweisen. Damit wollte er ein Zeichen gegen Homophobie setzen. „Was würde es bedeuten, wenn ich schwul wäre?“, twitterte Booker. „Ich hoffe, Sie gehen beim Wählen nicht von der Annahme aus, ich sei heterosexuell.“ Neuerdings ist Booker auch einer von den Senatoren, die Bernie Sanders‘ Vorschlag eines „Medicare für Alle“ mittragen. Im Juli sagte Booker, der 2020 51 Jahre alt sein wird, er wisse noch nicht, ob er für das Präsidentenamt kandidieren wolle.

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Kirsten Gillibrand, Senatorin aus New York, kämpft für ein Gesetz zur bezahlten Elternzeit – die Idee ist immer noch nicht sehr populär in amerikanischen Unternehmen, aber immer mehr Amerikaner wollen, dass sich etwas ändert. Gillibrand hat allerdings auch, ähnlich wie Cory Booker, enge Verbindungen zur Wall Street. Das könnte ihr beim Establishment der Partei und bei bürgerlichen Wählern durchaus helfen – beim linken Flügel müsste sie Überzeugungsarbeit leisten.

Gillibrand, die bei ihrer Vereidigung 54 wäre, ist seit 2009 im Senat und war vorher Abgeordnete im Repräsentantenhaus. Sie profilierte sich in letzter Zeit als Kritikerin der Politik von Donald Trump, insbesondere bei den Themen Gesundheit und Frauen. Gillibrand war früher eine eher konservative Demokratin, inzwischen ist sie bei einigen Themen weiter nach links gerückt. Nun unterstützt sie schärfere Waffengesetze sowie den Krankenversicherungs-Plan von Bernie Sanders.

Kamala Harris ist neu im Senat, trotzdem glauben manche, dass sie ein ähnlicher Shooting Star werden könnte, wie Barack Obama es war. Harris war die erste Frau und die erste Afroamerikanerin, die als Kaliforniens Justizministerin und Generalstaatsanwältin diente. Harris macht in mehreren Staaten Wahlkampf für Kollegen, auch, um dort bekannter zu werden. Sie ist ebenfalls für die Krankenversicherung für Alle, gilt aber ansonsten eher als Kandidatin der Mitte. Wie Elizabeth Warren profilierte sich Harris durch harte Fragen an Justizminister Jeff Sessions in dessen Anhörung zur Ernennung – und wie ihre Kollegin wurde sie unterbrochen, was viel Aufmerksamkeit erregte. Auch Harris, die im Wahljahr 56 sein wird, lässt sich noch alle Optionen offen – schließlich brauchen auch alle Kandidaten einen Vize.

Macht es am Ende Mark Zuckerberg?

Die Liste der am häufigsten genannten Kandidaten rekrutiert sich nur aus den Küstenstaaten – das könnte eine Schwäche sein, wenn es darum geht, die von Donald Trump gehaltenen Staaten zu erobern, insbesondere Gegenden, wo die weiße Arbeiterschaft ihn gewählt hat. Das Feld der vermeintlichen Kandidaten ist allerdings so groß, dass manche Journalisten über 40 Namen im Rennen sehen – darunter auch den Gouverneur von Colorado, John Hickenlooper und seinen Amtskollegen Steve Bullock aus Montana.

Und dann sind da noch prominente Namen, die immer mal wieder auftauchen: Facebook-Gründer Marc Zuckerberg etwa. Über sein Interesse an der Präsidentschaft wird spekuliert, weil er mit demokratischen Meinungsforschern und Fundraisern zusammenarbeitet. Manch einer träumt auch von einer Rettung vor Donald Trump durch Oprah Winfrey, Amerikas erster schwarzer Multimillardärin. Aufgrund ihres Erfolges und ihres sozialen Engagements ist sie für viele eine Wunschkandidatin. Eine Entertainerin mit einem Medienunternehmen und einem schillernden Image als Präsidentin? Das klingt dann doch eher abwegig – oder vielleicht auch nicht mehr.

Quelle: FAZ.NET
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