Kommentar zur Asienreise

Tamtam für Trump

Von Wibke Becker
 - 18:29

Donald Trump liebt das Spektakel. Und so lullte Xi Jinping den amerikanischen Präsidenten bei dessen erstem Besuch in der Volksrepublik derart mit Pomp und Protz ein, dass Trump nur noch Wörter wie „wundervoll“, „unglaublich“ oder „atemberaubend“ über die Lippen kamen. Schon am Flughafen sprangen Dutzende Schulkinder fahnenschwenkend herum. Der Gastgeber und seine Gattin führten die Besucher persönlich durch die Verbotene Stadt, eine private Vorführung einer Peking Oper inklusive. Und zum Abschluss gab es dann auch noch ein exklusives Dinner für Trump – keinem Ausländer vor ihm war diese Ehre zuteilgeworden.

„Absolut sagenhaft“ fand der Gast diesen ersten Tag, und auch die Militärparade am nächsten Morgen sei „herrlich“ gewesen. Die Welt habe dabei zugeschaut und überhaupt „nichts, was man sehen kann, ist so wunderschön“. Seine Gefühle zu Xi seien dementsprechend auch „unglaublich warm“. Es gebe eine „großartige Chemie“ zwischen beiden, und er glaube, dass sie „gewaltige Dinge für China und die Vereinigten Staaten“ leisten würden. Zusammen könne man die meisten Weltprobleme lösen, ach nein, „wahrscheinlich alle“.

Purer Enthusiasmus

Chinesen erwarten von ihren Besuchern Respekt – was Trump ihnen bot, war purer Enthusiasmus. Toll für Peking, nicht aber für jene, die sich nicht mit chinesischem Blendwerk zufriedengeben wollen. Irritierend, wie anspruchslos und leichtfertig die alte Nummer eins Platz für die kommende machte. Die Machtverhältnisse auf der Welt verschieben sich. Nach dieser Reise ist das klarer als je zuvor. Es liegt an der neuen Rolle, die Trump Amerika verordnet hat: selbstbezogen, altbacken und unwillig, liberale Errungenschaften auf der ganzen Welt durchzusetzen. Trump genierte sich nicht einmal, Xi auf Twitter zu dessen „großartigem politischen Sieg“ auf dem Parteikongress im Oktober zu gratulieren – wo er zum wichtigsten Führer neben Mao und Deng Xiaoping erhoben und für weitere fünf Jahre zum Präsidenten ernannt wurde. Als ob die zweite Amtszeit des Parteichefs Xi in einer echten Wahl entschieden worden wäre.

Trump muckte auch nicht auf, als die chinesische Seite bei seinem Besuch keine Fragen der Presse zuließ. Bill Clinton hatte mit Jiang Zemin noch offen über die Studentenproteste von 1989 geredet. Trump schien es dagegen wohl entgegenzukommen, wenn er erst gar nicht mit Fragen der „Fake News“-Presse belästigt wird – seltene Eintracht eines westlichen Staatschefs mit Chinas Führung. Das Thema Menschenrechte sprach er nur sehr vage an, ein Name fiel gar nicht: Liu Xia, die Witwe des verstorbenen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo. Sie steht seit sieben Jahren unter Hausarrest, ohne jemals angeklagt worden zu sein.

Statt für Demokratie und Meinungsfreiheit einzustehen, machte Trump das, was er am meisten liebt: Spektakel. Unterschrieb in einer feierlichen Zeremonie alle möglichen Wirtschaftsverträge, viele davon freilich nur Absichtserklärungen. Nach diesem Auftritt muss man sagen: China hat sich den Sieg verdient. Es agiert klug und vorausschauend. Hatte Trump noch vor einem Jahr behauptet, China „vergewaltige“ , „töte“, „zerreiße“ die Vereinigten Staaten, so schnurrte er nun den Herausforderer an, damit dieser im Nordkorea-Konflikt helfe. China geht derweil einen Schritt nach dem anderen voran, stets in Richtung globaler Vorherrschaft. Es ist nun an einem „neuen historischen Startpunkt“ der amerikanisch-chinesischen Beziehungen angekommen, wie Xi sagte. Und das heißt: In der „neuen Ära“ bestimmt China, wann und wo es kooperiert.

Weiter geht’s nach Vietnam
Trump zieht positive Bilanz nach China-Besuch
© AP, reuters
Quelle: F.A.S.
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