Wahl in Frankreich
Vor Präsidentschaftswahlen

Angriff auf Polizisten auf Champs-Élysées

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In Paris hat es unmittelbar vor der französischen Präsidentschaftswahl einen tödlichen Angriff auf Polizisten gegeben. Auf dem Prachtboulevard Champs-Élysées kam es am Donnerstagabend zu einer Schießerei, bei der ein Beamter getötet wurde. Zwei weitere Polizisten sowie eine Touristin wurden verletzt. Den Angreifer konnten die Beamten erschießen. Das französische Innenministerium hatte zwischenzeitlich gemeldet, dass ein zweiter Polizist gestorben sei. Später wurde diese Angabe korrigiert.

Nach ersten Erkenntnissen gab es nur einen Angreifer. Das gehe aus ersten Zeugenaussagen hervor, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Pierre-Henry Brandet, am Donnerstagabend vor Journalisten. Man könne aber nicht ausschließen, dass es einen oder mehrere Komplizen gebe, die in irgendeiner Weise an der Tat beteiligt waren.

Der Angreifer hatte mit einem Fahrzeug neben einem Mannschaftswagen der Polizei gehalten, war ausgestiegen und hatte das Feuer eröffnet. Er tötete einen Polizisten, rannte anschließend über den Bürgersteig und schoss dort auf weitere Beamte, zwei von ihnen wurden schwer verletzt. „Das ist natürlich ein Drama für die Polizei, ein Drama für unser Land“, sagte Brandet. Der von der Polizei erschossene Angreifer sei noch nicht abschließend identifiziert. Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen.

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In Frankreich gilt nach einer beispiellosen Terrorserie der Ausnahmezustand. Auf Fernsehbildern war zu sehen, dass die Champs-Élysées komplett gesperrt wurden. Zahlreiche Polizisten waren vor Ort.

Die Polizei hatte erst am Dienstag in Marseille zwei mutmaßliche Islamisten festgenommen, in deren Wohnung ein Waffenarsenal versteckt war. Laut Anti-Terrorstaatsanwalt François Molins drohte ein Anschlag in den nächsten Tagen.

Die Sicherheitsmaßnahmen wurden daraufhin verstärkt. Innenminister Matthias Fekl hatte bereits angekündigt, dass die Präsidentenwahl an diesem Sonntag von 50.000 Polizisten und Soldaten geschützt werden soll. Die entscheidende Stichwahl ist für den 7. Mai geplant. Am Donnerstagabend traten die elf Kandidaten beim Fernsehsender France 2 nacheinander zu Kurzinterviews auf.

„Hinweise auf terroristischen Hintergrund“

Präsident François Hollande hatte wichtige Regierungsmitglieder zu einer Krisensitzung versammelt. Er beriet sich am Donnerstagabend mit Premierminister Bernard Cazeneuve sowie dem Innen- und dem Justizminister, wie der Élyséepalast auf Twitter mitteilte. Nach den Worten des französischen Präsidenten spricht einiges für einen Terrorakt. "Wir sind überzeugt, dass die Spuren (...) terroristischer Art sind", sagte Hollande am späten Abend nach dem Krisentreffen im Élyséepalast.

Polizisten patroullieren nahe dem Ort der Schießerei.
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Hollande kündigte für Freitagmorgen ein Treffen des Sicherheitskabinetts an. Mit Blick auf die Präsidentschaftswahl am Sonntag sagte er: "Wir werden absolute Wachsamkeit zeigen, insbesondere im Hinblick auf den Wahlprozess."

IS reklamiert Angriff für sich

Unterdessen hat die Agentur Amak, das Propaganda-Sprachrohr des IS, mitgeteilt, der Angriff sei von dem IS-Kämpfer „Abu Yussef der Belgier“ verübt worden.

Polizisten durchsuchten noch am Abend die Wohnung des getöteten Angreifers im Umland von Paris, wie es aus Ermittlerkreisen hieß. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete unter Berufung auf eine Quelle im Umfeld der Ermittlungen, dass es gegen den Mann bereits eine Untersuchung von Anti-Terror-Ermittlern gegeben habe: Er habe die Absicht erkennen lassen, Polizisten zu töten.

Quelle: phi. , jawa. , AFP, dpa, Reuters
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