Skipasspreise

Bei Schneefall ist es billiger

Von Günter Kast
 - 12:40

Zehn Franken – das ist doch mal ein Wort in einem Land, in dem oft schon ein „Dezi“ (100 Milliliter!) Hauswein so viel kostet. An den zehn Wochentagen vom 8. bis 12. und vom 15. bis 19. Januar 2018 wird es für diesen Schnäppchenpreis im Skigebiet Andermatt-Sedrun in der Zentralschweiz eine ganze Tageskarte geben, pauschal für alle. Das ist aber auch schon der einzige Fixpreis. Denn an allen anderen Tagen des Winters sollen erstmals flexible Tarife gelten.

„Die Preise verändern sich laufend, abhängig von Saison, Wochentag, Wetter und Buchungsdatum“, erklärt Stefan Kern von Andermatt Swiss Alps, ein Unternehmen aus dem Portfolio des ägyptischen Investors Samih Sawiris. Was bei Hotelbetten und Flugzeugsitzen längst gängige Praxis ist, wollen die Schweizer auch in der Gondel durchsetzen. Zusammen mit Ticketcorner, einer auf Online-Vertrieb spezialisierten Firma, haben sie dafür eine Buchungsplattform gebastelt. Wie viel ein Tagesskipass in den Weihnachtsferien, also der Hochsaison, kosten wird, kann Kern deshalb nicht sagen. Er verspricht aber, dass es „maximal 100 Franken“ sein werden. Und: Die Wintersportler erfahren das nicht erst an der Kasse, sondern können den Preis am Vorabend online einsehen. Am Morgen des Skitages werde er sich nicht mehr ändern. Die günstigsten Tarife betragen 37 Franken für Erwachsene und 13 Franken für Kinder. Ansonsten gebe es auch weiterhin Rabatte für Saisonkarten und Frühbucher.

Ein anderes Experiment starteten bereits im Januar 2017 die Schweizer Skigebiete Pizol (Sarganserland) und Belalp (Oberwallis). Sie machen den Preis von der Witterung abhängig: Wenn es stürmt und schneit, erhalten Schneesüchtige, die der Meinung sind, dass es kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung gibt, bis zu 50 Prozent Rabatt. Das vierstufige Preiskonzept haben die Bergbahnen zusammen mit der Hochschule für angewandte Wissenschaft in St. Gallen, dem Ticketspezialisten Tipo Ticketing und SRF Meteo ausgetüftelt. Am Pizol sind die 34 Wetter-Icons der Meteorologen für die Mittelstation Gaffia entscheidend. Gezockt werden darf bis zu sieben Tage im Voraus. Lautet zum Beispiel die Vorhersage „bewölkt mit ab und zu Schneefall“, dann gibt es 38 Prozent Nachlass, bei „teilweise sonnig, teilweise Schneefall“ nur 18 Prozent. Falls sich der Wetterbericht in den Tagen nach der Buchung dann verbessert, haben die Kunden ein Schnäppchen gemacht. Natürlich kann daraus aber auch ein Bumerang mit Nebel und starkem Wind werden.

Erziehung zum Online-Kauf

Klaus Nussbaumer, der Chef der Pizolbahnen, findet dennoch, dass von dem Flexi-Modell alle profitieren. Er könne so seine mit hohen Fixkosten laufenden Anlagen besser auslasten und die zuvor stark schwankende Nachfrage besser steuern. „Und auf Seiten der Gäste profitieren vor allem Frühbucher und Skifahrer, die bei jedem Wetter auf der Skipiste sind. Die freuen sich sogar auf Tage mit schlechterem Wetter, weil dann auf den Pisten weniger los ist und sie mehr Platz haben.“ Nachteile gebe es keine, denn der Preis für die regulären Online-Tickets sei deswegen nicht gestiegen. Das ist bei dem Andermatter Modell freilich anders. Wenn dort die Tageskarte an Weihnachten tatsächlich 100 Franken kosten sollte, wären das üppige 40 Franken mehr als in der Saison 2016/17.

Für ein Fazit sei es noch zu früh, sagt Nussbaumer. Das von einer Studie flankierte Projekt laufe ja noch diesen Winter. „Wir wollen ein nachhaltiges Preismodell, nicht nur einer Mode folgen.“ Was er aber jetzt schon aus Umfragen wisse, weil die Käufer dieser Tickets vor und nach ihrem Skitag befragt wurden: „Die eher niedrige Erwartungshaltung stellt unsere Kunden leichter zufrieden.“ Frei nach dem Motto: Für 27 Franken, die Hälfte des regulären Preises, könne man nicht viel falsch machen. Zudem sei etwa jedes dritte der 1000 bei dieser Aktion verkauften Tickets auf Gäste entfallen, die erstmals an den Pizol zum Skifahren kamen. Die Aktion habe somit einen zusätzlichen Werbeeffekt. Und sie erziehe die Skifahrer zum Online-Kauf. „Auch das ist eine Win-win-Situation: Über das Internet verkaufte Skipässe bieten wir günstiger an, weil uns das Arbeit spart“, argumentiert Nussbaumer.

Grundsätzlich stehen sogenannte „Dynamic-Pricing-Modelle“ ja im Verdacht, vor allem den Verkäufern zu dienen. Unter anderem deshalb, weil sie reichlich undurchsichtig sind. Auf das Pizol-Belalp-Projekt trifft das nicht zu, auf Andermatt dagegen sehr wohl. Beim Schweizerischen Konsumentenforum, dem Pendant zum deutschen Verbraucherschutz, heißt es: „Wir haben grundsätzlich nichts gegen dynamische Preise, finden jedoch, dass das Projekt in Andermatt nicht transparent und praktisch genug ist“, so PR-Chef Dominique Roten. „Preisbewusste Familien können wesentlich schlechter abschätzen, was sie das kosten wird, wenn sie erst einen Tag vor Antritt der Ferien über die Kosten Bescheid wissen.“

Skifahren bleibt teuer

Sollten sich Flexi-Preise in der Schweiz bewähren, könnten auch österreichische oder deutsche Skigebiete auf den Geschmack kommen. Bislang ist das noch nicht der Fall. Im oberbayerischen Verbundgebiet „Alpen Plus“ (Sudelfeld, Wallberg, Spitzingsee-Tegernsee, Brauneck-Wegscheid) gibt es diese Saison immerhin einen flexiblen Mehrtagesskipass, der an fünf frei wählbaren Tagen innerhalb der Wintersaison in allen vier Regionen gilt. Er kostet 170 Euro für Erwachsene ab 19 Jahren und sogar nur 149 Euro für alle, die bis 24. Dezember 2017 zuschlagen. Pro Tag sind das nicht einmal 30 Euro. Experten bezweifeln, dass man mit solchen Kampfpreisen ein Skigebiet rentabel betreiben kann. Die Gäste von heute verlangen modernste Anlagen und Schneegarantie trotz der Klimaveränderung. Die Bergbahnen sind zu hohen Investitionen gezwungen, die Gästezahlen gleichzeitig rückläufig. Wegen der harten Konkurrenz zwischen den vielen Skigebieten lassen sich aber offenbar keine höheren Preise durchsetzen. In Nordamerika liegen diese mit oftmals 100 bis 130 Dollar deutlich höher.

Fakt ist: Skifahren bleibt ein teurer Sport. In den Alpen und Mittelgebirgen werden die Tarife diesen Winter um knapp zwei Prozent steigen, rechnete das Wintersportportal Snowplaza aus, das dafür 130 Skipasspreise verglichen hat. Bei einem Sechs-Tage-Pass macht das in der Hauptsaison etwa 4,30 Euro aus. Allerdings variieren die Preise je nach Land und Skigebiet deutlich. In Österreich werden im Schnitt vier Prozent mehr fällig – macht 252 Euro für einen Sechs-Tage-Pass. Deutlich darüber liegen das Ötztal (Obergurgl-Hochgurgl und Sölden, 285 Euro, plus sechs Prozent), der Arlberg (275 Euro) und Kitzbühel (266 Euro). Der niedrigere Franken-Kurs macht die Schweiz dagegen billiger. Außerdem verzichten dort viele Bergbahnen auf höhere Tarife. So kostet ein Skipass für sechs Tage beispielsweise in Adelboden-Lenk 261 Euro, fast drei Prozent weniger als im vergangenen Winter. In Davos-Klosters sind es rund 297 Euro und im Skigebiet Matterhorn-Zermatt 330 Euro (jeweils minus fünf Prozent).

Und in Deutschland? Wer richtig sparen will, sollte in die Sauerland-Arena fahren. Dort wird der Pass zwar um neun Prozent teurer, ist mit 125 Euro aber immer noch einer der günstigsten in ganz Europa. Noch preiswerter ist die Kampenwand mit 117 Euro. In Oberstdorf-Kleinwalsertal werden dagegen stolze 232 Euro, an der Zugspitze sogar 240 Euro fällig – es sei denn, die Bergbahn-Manager führen auf die Schnelle noch flexible Preise oder einen Schlechtwetter-Bonus ein.

Quelle: F.A.S.
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