FAZ plus ArtikelAsien in Holland

Kulinarische Missionsarbeit im fernen Westen

Von Andrea Diener
 - 06:41
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Überall stehen diese putzigen Kaufmannshäuser mit ihren weiß gerahmten Sprossenfenstern, gekrönt von barocken Giebeln, aus denen Hebebalken ragen, die einst zum Heraufziehen der Waren in den Speicher dienten. Und dann erzählt uns Justin von der verruchten, elenden Vergangenheit, die man sich in dieser Kulisse kaum vorstellen kann. In den Kellern wurde Opium geraucht, dort stürzte so mancher Matrose ins Elend. Die älteren Chinesen qualmten ihre Pfeifchen ganz offen auf der Straße. In den fünfziger und sechziger Jahren war das Viertel um den Zeedijk und die Binnen Bantammerstraat besonders verrufen. Nach dem Opium kam das Heroin, und die amerikanischen Soldaten, die in Deutschland stationiert waren, wurden besonders gute Kunden in den Jazzclubs und den illegalen Bordellen mit ihren Hinterzimmer-Massagestudios.

Amsterdam ist eine Hafenstadt, und Hafenstädte sind generell offen für Einflüsse aus aller Welt, gute wie fragwürdige. Doch besonders stark sind die Bande in den Fernen Osten, nach Japan und China. Die Chinesen kamen spät, erst um 1910, als die holländischen Heizer streikten, die gesamte Schifffahrt lahmlegten und man Kräfte aus dem Ausland anheuern musste. In China wurde man fündig, und die chinesischen Heizer blieben – bis zur Wirtschaftskrise um 1930, als der Handel schwächelte und die Heizer umschulen mussten. Sie rösteten nun Erdnüsse oder eröffneten kleine Läden und prägen das Viertel in der Innenstadt um Oude Kerk und Nieuwmarkt bis heute. Man bekommt hier auf mehreren Stockwerken asiatische Lebensmittel, Medizin, Porzellan, Kochzubehör, Gewürze – also eigentlich alles.

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Fernöstlich in Amsterdam

Chinesisch essen im guten, günstigen Restaurant Oriental City, Oudezijds Voorburgwal 177-179, geöffnet täglich von 11.30 bis 22.30 Uhr. Informationen unter www.oriental-city.com. • Japanisch trinken: Die „Tunes Bar“ des „Conservatorium Hotel“ bietet japanische Bar-Snacks von Wagyu Sashimi bis zum Salat mit wildem Ingwer, dazu die wohl größte G&T-Auswahl der Stadt. Tipp: Jinzu-Gin-Cocktail mit Sake. Oder den Barkeeper machen lassen. Van Baerlestraat 27, Telefon 00 31/205 70 00 00, www.conservatoriumhotel.com/tunes-bar. • Japanisch schlafen: Das Okura Hotel ist ein „Leading Hotel of the World“ (de.lhw.com). Es liegt in De Pijp in der Ferdinand Bolstaat 333, erreichbar unter der Hotline 008 00/10 10 11, Preise ab ca. 175 Euro im Doppelzimmer. Informationen im Internet unter www.LHW.com/okuraams. • Japanisch essen: Das Restaurant Yamazato im Okura Hotel öffnet Dienstags bis Sonntags zwischen 12 und 14 Uhr zum Lunch und ab 18 Uhr zum Abendessen. Man kann natürlich auch à la carte essen, sollte aber unbedingt eines der Kaiseki-Menüs mit sieben Gängen probieren. Das kostet pro Person zwischen 75 Euro (für die vegetarische Variante) bis 115 Euro (für das saisonale Monatsmenü). Alle Menüs ab zwei Personen, Vorbestellung ist erforderlich unter Telefon 00 31/20/678 74 50 oder E-Mail: restaurants@okura.nl. • Japanisch grillen: Das Teppanyaki-Restaurant Sazanka öffnet täglich um 18.30 Uhr. Das klassische Menü mit sechs Gängen kostet 92,50 Euro, das Saison-Menü mit sieben Gängen 115 Euro (für japanisches Wagyu-Rind wird ein Aufschlag berechnet). Man teilt sich üblicherweise den Grilltisch mit mehreren Personen und wird dazugesetzt, wo eben noch Platz ist. Reservierungen und Vorbestellungen unter Telefon 00 31/20/678 74 50 oder per E-Mail: restaurants@okura.nl.

Quelle: F.A.Z.
Andrea Diener
Redakteurin im Feuilleton.
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