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FAZ plus ArtikelGegen die Verschwendung

Kocht Suppe, die Deutschen kommen!

Von Angelika Bucerius
 - 06:14
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Das Filet Wellington sieht nicht mehr gut aus. Der einst knusprige Blätterteig klebt traurig am Tellerrand, wohin er mitsamt der Champignon-Füllung geschoben wurde. Das rosafarbene Filet liegt in Trümmern. Viel gegessen hat die hektisch plaudernde Italienerin nicht, als sie ihr Besteck achtlos auf den Ruinen des eigentlich so stolzen Küchenklassikers fallen lässt. Nach einer Weile erkundigt sich ein Kellner, ob er ihren Teller abtragen dürfe, sie nickt.

Die meisten Speisen sind bei Kreuzfahrten im Reisepreis inbegriffen. Was nicht verspeist wird, kommt in den Müll. Egal, ob es vorher auf einem Teller lag oder unberührt zurück in die Küche gebracht wird. Die Hygienevorschriften sind streng. Das ist auch gut so, denn im Mikrokosmos eines Hochseeschiffs sollen sich Krankheitserreger auf keinen Fall ausbreiten. Doch angesichts der Masse an Lebensmitteln, die vernichtet wird, ist die Frage berechtigt, ob diese Verschwendung notwendig ist.

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Was die Passagiere nicht mehr essen

In Deutschland ist es verboten, zubereitetes Essen zu spenden. Der Geschäftsführer der Hamburger Tafel, Christian Pack, setzt sich seit zwei Jahren dafür ein, dass auch in Deutschland Lebensmittel von Kreuzfahrtschiffen gespendet werden dürfen. Bislang erfolglos. Er sei selbst passionierter Kreuzfahrer, und eine Hochseereise habe ihn auf die Idee gebracht. „Wir dürfen nur rohe Ware nehmen“, betont Pack. Dadurch ist die Lage hierzulande komplizierter. Denn die Reedereien könnten allenfalls unverarbeitete Lebensmittel verschenken, die können sie jedoch selbst verwenden. Zudem vermieden sie durch ausgefeilte Warenlogistik, dass unnötig viel Kartoffeln, Salat und Obst geordert werden. Das bestätigt auch Martina Reuter von Aida Cruises. „Uns geht es darum, dass Lebensmittel erst gar nicht verschwendet werden.“ „Aber es bleibt immer etwas übrig“, betont Pack. Sei es, dass der Salat nicht mehr so schön sei oder Joghurt das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten habe. Alle Reedereien mit deutschen Kreuzfahrtschiffen, die Hamburg regelmäßig anlaufen, wie Aida Cruises, Tui Cruises und Hapag Lloyd Cruises, hätten bereits Interesse bekundet, die Hamburger Tafel zu unterstützen. Pack verweist auf erste Erfolge. Eine Zollbefreiung für etwaige Lebensmittelspenden habe er schon erwirken können. • Das Costa-Projekt: Seit Juli 2017 arbeitet Costa Crociere mit der Fondazione Banco Alimentare Onlus zusammen, dem italienischen Pendant der deutschen Tafeln. Gemeinsames Ziel ist es, überschüssige Lebensmittel für soziale Zwecke zu verwenden. Derzeit beteiligen sich vier Costa-Schiffe an dem Projekt, die Diadema, Deliziosa, Victoria und die Fascinosa. Der erste beteiligte Hafen war Savona, es folgten Civitavecchia, danach Bari und als erster nicht-italienischer Hafen Marseille im Mai 2018. Palermo ist im Juli hinzugekommen. Ziel ist es laut Costa Crociere, das Projekt auf internationaler Ebene auszuweiten.

Quelle: F.A.Z.
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