Luxusresort Milaidhoo

Das maledivischste Resort auf den Malediven

Von Melanie Mühl
 - 13:27
zur Bildergalerie

Nachts leistete der Wind ganze Arbeit. Tosend stürmte er über den Indischen Ozean, rüttelte an Palmen, ließ offene Terrassentüren knallen und trieb die Wolken vor sich her. Aus der Ferne hörte man ein tiefes Grollen. Die Flughunde, dachten wir im Halbschlaf, würden sich doch wohl in Sicherheit gebracht haben? Am frühen Morgen dann, kurz nach sechs Uhr, als der Spuk vorüber war, als die Sonne aufging und jenes feinsandige, von irreal türkisfarbenem Wasser umgebene Paradies namens Milaidhoo erwachte, konnten wir das Werk des Sturms betrachten: ein Himmel wie frisch gewaschen, blau und beinahe wolkenlos. Schüchtern umschmeichelte einen der warme Wind, als wollte er sich für die unruhige Nacht entschuldigen, dabei hatten wir ihm seine Eskapaden längst verziehen. Und der weiße, staubtrockene Sand schien irgendwie regenresistent zu sein.

Mit dem Begriff Paradies sollte man vorsichtig umgehen – ihn allerdings ausgerechnet hier zu unterschlagen, wo die Zeit stillzustehen scheint, wo das Grübeln aufhört, als sei man ein Meister der Meditation, wäre dieser kleinen Malediveninsel gegenüber ungerecht. Sie liegt durch ein Riff geschützt im Baa-Atoll, eine halbe Stunde mit dem Wasserflugzeug von Malé entfernt, jener dicht besiedelten Hauptinsel, die nicht mehr als eine Durchgangsstation ist, eine Transitzone ohne Verlockungen.

Alle stammen von den Malediven

5,4 Hektar misst Milaidhoo, ein Bilderbuchsehnsuchtsort im Nirgendwo mit insgesamt fünfzig Villen, von denen dreißig auf Stelzen im Wasser stehen und zwanzig palmenumgeben am breiten Sandstrand. Einige dieser Palmen biegen sich lässig Richtung Meer. Alle Villen haben einen großen Süßwasserpool, in dem man tatsächlich schwimmen kann, was aber im 27 Grad warmen Meerwasser viel mehr Spaß macht.

Erst im vergangenen Jahr eröffnete das Fünf-Sterne-Luxus-Boutique-Resort Milaidhoo, was auf den Malediven, wo permanent irgendein sehr teures, sehr luxuriöses Resort mit einem spektakulären Spa oder einem noch spektakuläreren Unterwasserrestaurant eröffnet, erst einmal nichts Besonderes ist. Eigentlich. Aber Milaidhoo ist anders. Und es gehört schon einiges dazu, auf einem hart umkämpften Markt wie dem der Malediven, wo mehr als dreißig Fünfsternehotels um Gäste werben, herauszustechen.

„Milaidhoo tut das, indem es sich selbstbewusst auf die maledivischen Wurzeln besinnt und die Tradition hochhält“, sagt Ahmed Shuhan, der General Manager. Supermodernen Schnickschnack sucht man hier vergeblich. Das Konzept scheint jedenfalls aufzugehen: Selbst in der Nebensaison beträgt die Auslastungsrate mehr als achtzig Prozent; kein Wunder also, dass Ahmed Shuhan wie ein zufriedener Mann wirkt. Bereits jetzt, sagt er stolz, kämen Gäste zum zweiten Mal. Er selbst stammt von den Malediven, 67 Prozent seiner Mitarbeiter tun das – „mehr, als in jedem anderen Malediven-Resort“, auch das ist Teil des Konzepts. Ziel sei, die Rate weiter zu steigern.

Vergessen, dass es eine andere Welt gibt

Auch der Architekt, erzählt er, sei ein Einheimischer: Mohamed Shafeeq. Dessen helle, lichtdurchflutete Villen mit ihrem rustikal-modernen Charme, deren Eingangstüren an ein Portal erinnern, lassen sich um 180 Grad öffnen und heben die Grenze zwischen Innen und Außen auf. So hält die tropische Natur mit ihren fremden Geräuschen Einzug. Man hat das Gefühl, im Freien zu leben und zu schlafen, was bei einer Temperatur, die sowohl tagsüber als auch nachts stets zwischen 24 und 30 Grad liegt, ziemlich angenehm ist. Und die Mücken? Keine Spur von den fiesen Tierchen, und man fragt sich, wie es dem Hotelmanagement gelingen konnte, sie davon zu überzeugen, die Gäste in Ruhe zu lassen. All jene, die sich sonnenbrandgeplagt abschotten und ihren Körper tiefkühlen möchten, können die Terrassenfront schließen und die Klimaanlage betätigen, die – und dafür ist man dem Inneneinrichtungsverantwortlichen wirklich dankbar – tatsächlich nur über einen einzigen Knopf verfügt und einem nicht das Gefühl verleiht, ein Versager auf dem Gebiet der modernen Hoteltechnik zu sein.

Was man auf so einer Insel tut? Vergessen, dass es eine andere, laute Welt gibt. Aufs Meer schauen. Im Sand liegen. Barfuß laufen. In der Hängematte dösen. Schnorcheln. In nichts steht die Unterwasserwelt der Überwasserwelt nach. Schönheit im Überfluss. Ein Gewimmel bunter Fische, darunter Schmetterlingsfische, Doktorfische und Anemonenfische. Über die Riffkante schoss ein Schwarm Füsiliere. Ein paar Papageienfische machten sich mit ihrem kräftigen Gebiss hörbar an den Korallen zu schaffen. Sie hatten es auf die Korallenpolypen und deren Kalkskelette abgesehen. Wohl kein Lebewesen dieser Welt scheidet etwas Schöneres als diese Tiere aus: feinsten Korallensand. Sogar eine Schildkröte zog gemächlich ihre Bahnen, vollkommen ungerührt von unserer Gegenwart.

Viele Touristen halten Korallen für Pflanzen

Das Hausriff hat eine Hüterin, sie stammt aus der Eifel, heißt Nina Rothe, ist Ende zwanzig, Meeresbiologin und wirkt beinahe unerhört tiefenentspannt, was bei diesem Arbeitsplatz kein Wunder ist. Sie erklärt den Gästen die Unterwasserwelt und wie das hochsensible Ökosystem Riff funktioniert, dessen Baumeister die Korallen sind. Sterben die Korallen, können die gigantischen Wellenbrecher die Inseln nicht mehr schützen und die Malediven, von denen 80 Prozent kaum mehr als einen Meter über dem Meeresspiegel liegen, sind dem Untergang geweiht.

„Viele Touristen halten Korallen für Pflanzen und wissen gar nicht, dass es Tiere sind“, sagt Nina Rothe. Sie wissen oft auch nicht, wie verheerend es um die Korallen weltweit tatsächlich steht, wie furchtbar El Niño 2016 gewütet hat. Von April 2016 bis Juni 2017 lag die Wassertemperatur auf den Malediven bei 32, 33 Grad. „Optimal sind zwischen 26 und 29 Grad“, sagt Nina Rothe. Ist das Wasser jedoch zu lange zu warm, stoßen die Korallen, die in einer Symbiose mit einzelligen Algen leben, diese ab und sterben schließlich. Nina Rothe klärt nicht nur auf, sie pflanzt auch Korallen, wofür sie abgebrochene, aber lebendige Stücke der Korallenkolonien des Riffs einsammelt und an Metallgestellen befestigt, wo die Korallen weiter wachsen und selbst irgendwann Kolonien bilden können. Zwischen Mai und November, der Zeit des Südwest-Monsuns, fährt die Meeresbiologin mit den Gästen zur Hanifaru Bucht, die dann derart planktonreich ist, dass sie zahlreiche sanftmütige Mantarochen anlockt, die nur noch mit weit aufgerissenem Maul umherschwimmen müssen.

Unser Los war allerdings auch nicht viel härter als das der Mantarochen: Um unseren Hunger zu stillen, mussten wir nur die Hängematte verlassen und zwischen drei Restaurants wählen. Das Eindrucksvollste war das Ba’theli, das die Form eines traditionellen maledivischen Dhonis hat und von Stelzen getragen in der Lagune liegt. Einst dienten diese aus dem robusten Holz der Kokosnusspalme gefertigten Boote, die selbst einer Riff-Kollision standhielten, dem Warentransport und Fischfang.

Diese Rezepte findet man nicht im Internet

Die Malediven waren bereits vor mehr als fünftausend Jahren ein wichtiger Handelspunkt für Seefahrer aus Indonesien, die Zimt, Pfeffer, Nelken, Kurkuma und Ingwer gegen Kokosnüsse, Kaurimuscheln und sonnengetrockneten Fisch tauschten. Viele dieser alten Gewürze kommen in der Küche des Ba’theli-Chefkochs zum Einsatz, dem Malediver Ahmed Sivath, einem zugewandten, humorvollen Mann. Kurioserweise handelt es sich beim Ba’theli um das einzige rein maledivische Restaurant auf den Malediven. Die traditionelle Küche ist sehr frisch und gesund. Naturgemäß spielt Fisch – etwa Thunfisch und Hummer – eine große Rolle. Gewürzt wird viel weniger scharf als in Indien oder Sri Lanka. Den hohen Stellenwert, den Joghurt in der indischen Küche einnimmt, hat in der maledivischen Kokosnussmilch.

Sivaths Philosophie ist, traditionelle Gerichte modern zu interpretieren, Gerichte wie die Thunfischbrühe etwa. Seefahrer warfen einst in kleine Würfel geschnittenen Thunfisch in heißes Wasser, das war’s. Sivath serviert seinen Gästen die Brühe mit geschnittenen Zwiebelringen, einer Prise Salz, Curryblättern und Pandanblättern verfeinert, was ihr eine exotische Note verleiht. Das Kochen hat er übrigens von seiner Mutter gelernt – und von seiner Großmutter. „Meine Rezepte findet man garantiert nicht im Internet“, sagt er.

Überhaupt das Internet, das einem vieles vorgaukelt. Man könnte die betörenden Farben der Milaidhoo-Website für einen Marketingscherz halten, für offensichtlich übertrieben. Doch in Wahrheit reichen sie kaum an die Realität heran. Man muss diese Malediven-Farben einmal gesehen haben, um zu begreifen, dass es sie tatsächlich gibt, dieses unwirkliche Türkis, das Blau, das Muschelweiß. Jeden Tag rieben wir uns die Augen, und als wir wieder fortfliegen mussten, fragten wir uns, ob diese überbordende Pracht der Natur, ob diese kleine Paradiesinsel in Wahrheit doch nur ein Traum gewesen ist.

Allein im Paradies

Das Resort Milaidhoo kann direkt unter www.milaidhoo.com gebucht werden. Die Preise pro Nacht in der 245 Quadratmeter großen „Water Pool Villa“ reichen je nach Saison von 1800 Euro bis 2100 Euro inklusive Frühstück, Abendessen, Begrüßungschampagner und Schnorchelausrüstung. Für eine „Beach Pool Villa“ (290 Quadratmeter) liegen die Preise – ebenfalls saisonabhängig – zwischen 2000 Euro und 2400 Euro. Nächtigen können Familien in der „Beach Residence“ (3000 Euro bis 3700 Euro) oder in der spektakulären „Ocean Residence“ (3700 bis 4400). • Flüge bietet zum Beispiel Turkish Airlines über Istanbul an, Economy Class ab 800 Euro.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Melanie Mühl
Melanie Mühl
Redakteurin im Feuilleton.
Twitter
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenMaledivenMilaidhoo