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Warum die Menschen in Groningen so glücklich sind

Von Franz Lerchenmüller
 - 06:46
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Sie kommen von links, sie sausen von rechts, sie schießen von hinten heran und strampeln von vorn im Pulk auf uns zu. Ratlos stehen wir am Straßenrand und überlegen, wie wir es anstellen sollen, in diesen sich kreuzenden Strömen die Straße zu überqueren. Tausende von Fahrradfahrern beherrschen den Verkehr in Groningen, abgestellte Räder nehmen freie Plätze, Trottoirs und Hauswände ein. Rote Teppiche, die vielerorts im Zentrum ausliegen, heißen nicht etwa VIP-Gäste willkommen, sondern verbieten explizit das Abstellen eines Drahtesels. Eineinhalb Fahrräder besitzt jeder Einwohner im Schnitt, und man glaubt dieser Statistik sofort, wenn man die in der Sonne glitzernden Blechmassen vor dem Universitätsgebäude oder in den unterirdischen Parkhallen am Bahnhof sieht, in denen allein zehntausend Exemplare Platz finden.

„Do like the locals do“, mache es wie die Einheimischen, haben wir als Überlebensregel des Reisens einst gelernt. Also beobachten wir, wie unsere Nebenleute mit einer Mischung aus Augenkontakt, entschlossener Körpersprache und Gottvertrauen die heranrollenden Wellen abbremsen, sich dem Zebrastreifen anvertrauen und unbeschadet auf die andere Seite gelangen – und wir mit ihnen. Dieser erste Schock ist hilfreich. Denn er weckt eine grundsätzliche Vorsicht, die uns in den nächsten Tagen im Groninger Verkehrsgeschehen nicht mehr verlassen wird: Augen und Ohren sind stets weit auf. Wir bewegen uns mit einer großen Achtsamkeit, die wiederum die Wahrnehmung der vielen Facetten Groningens insgesamt schärft.

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Backfische, Trunkenbolde und High Tee mit Senfsuppe

• Anreise: Von Frankfurt aus ist Groningen mit der Bahn in sechseinhalb Stunden erreichbar. Mit dem Auto sind es 500 Kilometer. Der Groninger Flughafen Eelde liegt 18 Kilometer vom Zentrum entfernt.

• Asgard Hotel: Das Haus liegt günstig am Eingang zur Altstadt, aber nicht mitten im Geschehen, und hat sympathische, mit moderner Kunst eingerichtete Zimmer. Ganzvoortsingel 2-1, NL-9711 AL Groningen, Telefon: 00 31/50/3 68 48 10, www.asgardhotel.nl (Doppelzimmer ab 119 Euro).

• NH Hotel de Ville: Hier befindet man sich nur ein paar Schritte vom Großen Markt entfernt und genießt in den Zimmern, der Bar und dem Restaurant eine Art barock-moderner Gemütlichkeit. Oude Boteringestraat 43, Telefon: 00 31/50/3 18 12 22, www.nh-hotels.de (Doppelzimmer ab 137 Euro).

• Maurits Huis: Ein halbes Dutzend Vorspeisen, eine Handvoll Hauptgerichte, dazu höchste Gemütlichkeitsstufe. Und nicht nur die Austern, auch das Beef Teryaki und das Steak mit Blauschimmelkäse schmecken und sind bezahlbar. Sitzen kann man drin wie draußen. Astrat 1, 9718 CP Groningen, Telefon: 00 31/50/7 52 00 98, www.maurits-huis.nl

• T Feithhuise: In den unterschiedlichen Räumen der ehrwürdigen Groninger Institution trifft sich die halbe Stadt bei Senfsuppe, Sandwiches und zum High Tea. Martinikerkhof 10, 9712 JG Groningen, Telefon: 00 31/ 50/3 13 53 35, www.restaurant-feithhuis.nl.

• T Pannekoekschip: Ob antillanisch, grönländisch, chinesisch, türkisch, surinamesisch oder österreichisch – fast hundert Varianten von Pfannkuchen werden auf dem 1908 gebauten Zweimaster serviert. Der Pfannkuchen mit dem furcheinflößenden Namen „Kannibaal“ kommt mächtig, aber im Grunde harmlos mit Speck, Schinken, Käse, Salami und Chorizo daher. Schuitendiep 1017, Telefon: 00 31/50/3 12 00 45, www.pannekoekschip.nl

• Informationen: Tourist Information, Grote Markt 29, 9712 HS Groningen, Telefon: 00 31/50/3 13 97 41, E-Mail: info@vvvgroningen.nl, www.tourism.groningen.nl.

Quelle: F.A.Z.
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