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Indonesien

Der Kuss der Totenschädel

Von Jakob Strobel y Serra
 - 18:37
Lächeln für die Ewigkeit: Die Grabstätte Kete Kesu im Land der Toraja Bild: (c) adwit b pramono/Demotix/Corb, F.A.Z.

Der Tote ist gar nicht tot, obwohl er seit sechs Monaten keinen Atemzug mehr getan hat. Er ist nur krank gewesen, lag einbalsamiert im Schlafzimmer seines Hauses, bekam jeden Tag sein Essen und seine Zigaretten, rührte beides jedoch nicht an und wartet jetzt als guter Animist geduldig auf seine Reise ins Seelenland, die genau in dem Moment beginnt, in dem die Machete die Kehle des ersten Wasserbüffels durchtrennt. Dann erst, wenn der Boden mit Blut getränkt ist, wird der Tote tot sein.

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Der Büffel scheint zu wissen, was ihn erwartet. Seelenruhig steht er auf dem Opferplatz, nur an einem Nasenstrick von seinem Besitzer gehalten, der das Tier noch einmal zärtlich streichelt wie ein Kind. Dann drückt er den gewaltigen Kopf nach oben, spannt dadurch Haut und Muskeln an der Gurgel und zerhackt sie blitzschnell mit einem präzisen Hieb. Wie eine Fontäne spitzt jetzt das Blut aus der Wunde, wie von der Tarantel gestochen, bäumt sich der Büffel auf, wirft seinen Schädel hin und her, noch immer gespenstisch lautlos, ohne den verzweifelten Zorn des Todgeweihten. Irgendwann sinkt er zu Boden, zuckt minutenlang, als jagten Stromstöße durch seine Muskeln, schnappt mit seiner Luftröhre ins Leere, beginnt schließlich zu zittern, als klammere er sich an den letzten Rest Leben in seinem Leib oder auch als schüttele er ihn aus dem nutzlosen Körper, und liegt erst nach einer endlos langen halben Stunde reglos im roten Staub.

Verlorene Heimat

In seinen toten Augen liegt keine Spur von Angst, der Wasserbüffel sieht vielmehr aus, als habe er Frieden mit seinem Schicksal geschlossen und sage sich: Ein schönes Leben habe ich gelebt, grasend auf den Reisfeldern, verwöhnt wie eine Mimose, ein Koloss, der behandelt wurde wie eine Prinzessin auf der Erbse. Und nun ist es an der Zeit, eine heilige, meine eigentliche Aufgabe zu erfüllen: den endlich richtig toten Bauern nach Puya, in das Paradies der Toraja, zu geleiten.

Das Leben der Toraja kreist um den Tod, seit sie aus Kambodscha oder aus dem Süden Chinas nach Sulawesi kamen, so viele Jahrtausende ist das her, dass niemand mehr ihre ursprüngliche Heimat kennt. Doch die Sehnsucht danach ist ungebrochen. Und so richten sie bis heute ihre Häuser nach Norden aus und bauen sie in der Form von Schiffsrümpfen, als seien es Archen, die sie eines Tages wieder nach Hause bringen werden. Dabei leben die Toraja weit entfernt vom Meer, weil sie vor fünf Jahrhunderten in das Hochland von Sulawesi flüchteten, als der Islam in Indonesien immer weiter vorrückte und keine Götter neben Allah duldete. Die stolzen Toraja aber wollten ihren Himmelsherrschern nicht abschwören und verrieten auch sonst ihre Traditionen nicht. Sie teilten weiterhin ihre Gesellschaft streng hierarchisch in drei Klassen ein, verbreiteten als Kopfjäger Angst und Schrecken und hielten selbst dann noch an Leibeigenschaft, Schuldknechtschaft und Sklavenmärkten fest, als der Mensch schon auf den Mond flog.

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Wasserbüffel weisen den Weg

Nicht einmal die engelsgeduldigen, niederländischen Missionare, die dieses wilde, fünfhunderttausend Menschen zählende Volk von seinem Totenkult heilen wollten, hatten nennenswerten Erfolg. Kirchen und Kreuze sieht man zwar überall, doch im Grunde ihrer Seelen sind die Toraja Animisten geblieben, die sich auf ihrem Weg ins Paradies lieber Wasserbüffeln als dem Heiligen Geist anvertrauen. So hat hinter den sieben Bergen Sulawesis eine Kultur der Totenverehrung und der Todesverherrlichung alle Zeitenstürme überlebt, die es kein zweites Mal auf Erden gibt - und die inzwischen zur größten Touristenattraktion auf der viertgrößten indonesischen Insel geworden ist.

Der Besuch einer Totenfeier, die eine ganze Woche lang dauern und bis zu hunderttausend Gäste zählen kann, ist dabei obligatorisch. Unser Bauer ist bescheidener und hat sich nur fünftausend Menschen für seinen Abschied nach vierundneunzig Erdenjahren eingeladen. Jetzt thront er auf einem turmhohen Podest in einem kunstvoll geschnitzten Sarkophag über dem Festplatz, als stummer Gastgeber einer lärmenden Veranstaltung, die mehr Volksfest als sakrale Andacht ist. Flankiert wird der Platz von Reisspeichern und Wohnhäusern im Toraja-Stil, zwischen denen zur Feier der Tage Pavillons aus Bambus gebaut worden sind. Dort sitzen Freunde und Verwandte, essen, trinken, rauchen und halten sich dabei minutiös an das jahrhundertealte Reglement solcher Totenmessen.

Zigaretten als Eintrittsgeld

Alle Neuankömmlinge werden mit Derwischtänzen und Schalmeienklängen zum engsten Familienkreis geführt, machen dort ihre Honneurs, überreichen die Geschenke und nehmen dann die streng nach Kaste und Rang zugewiesenen Plätze ein. Auch fremde Besucher sind willkommen, wobei eine Stange Zigaretten ein angemessenes Entree ist - und der Gedanke vollkommen absurd, eine solche Feier könnte eine folkloristische Veranstaltung für Touristen sein. Viel zu stark sind die Toraja in ihren Traditionen verankert, und viel zu blutrünstig ist das Spektakel, um als Inszenierung für Reisegruppen durchgehen zu können.

Der Tod ist bei den Totenfeiern nicht nur in Gestalt des halbtoten Gastgebers und der geopferten Wasserbüffel allgegenwärtig. Auf dem Festplatz warten auch ein Pony und ein Hirsch auf ihre letzte Stunde, angebunden in der glühenden Sonne, um als indonesische Charons den alten Bauern in seine neue, ewige Heimat zu führen. Und im Dutzend liegen, wie Unrat fast, überall Schweine auf der Erde, mit ihren Haxen auf Bambusgerüsten festgebunden, manche dösend, andere grunzend, wieder andere so herzzerreißend, mitleidheischend, markerschütternd quiekend, wenn es ihnen an den Kragen geht, dass uns ganz schwindlig wird. Den Gang zum Schafott müssen sie nicht antreten, der Scharfrichter kommt zu ihnen. Und dann geht alles ganz schnell: Der Henker tötet das Schwein mit einem gezielten Dolchstich ins Herz und drückt sofort seinen Fuß auf die Wunde, damit die Innereien gleich schön intensiv nach Blut schmecken. Ein paar Zuckungen, und das Schwein hat sein Leben ausgehaucht.

Schweine lassen ihr Leben

Jetzt kommt der Mann mit dem Bunsenbrenner und der tragbaren Gaskartusche, fackelt die Borsten ab, bis das Schwein kohlschwarz aussieht wie nach einem Feuersturm, schlitzt es auf, zerhackt es mit der Machete, verteilt das Fleisch an die Festgäste und übergibt die Innereien dem Koch, der sie brühwarm auf dem Grill zubereitet. Die anderen Schweine liegen währenddessen keinen Meter neben ihren gemeuchelten, verkohlten, zerstückelten Artgenossen und scheinen sich an deren Schicksal nicht weiter zu stören - ganz zu schweigen von der Festgemeinde, die das Gemetzel mit größter Selbstverständlichkeit und beiläufigster Gelassenheit mitverfolgt, munter weiter plaudernd, schmausend, rauchend.

Die Hauptdarsteller sind - neben dem ehrenwerten Gastgeber natürlich - zweifelsfrei die Wasserbüffel. Drei Dutzend Tiere sind heute dazu bestimmt, ihr Leben zu lassen, eine sehr respektable Zahl für einen einfachen Landmann, und sie ist alles andere als Angeberei. Denn je mehr Büffel geopfert werden, umso reibungsloser verläuft nach dem Glauben der Toraja die Reise ins Seelenland - und wehe, die Seele findet keine Ruhe, weil nicht genug Tiere geschlachtet werden oder die Büffel stundenlange Todesqualen erdulden müssen. Dann geistert der Tote auf Erden herum, quält die Hinterbliebenen mit Krankheiten und Missernten und rächt sich bitterlich bis zum jüngsten Tag für die erlittene Schmach.

Geschenke bis zur Armut

Das Wasserbüffelmassaker ist gut für die Toten und schlecht für die Lebenden. Ein normaler Büffel kostet schon ein paar tausend Euro, ein blauäugiger, hellhäutiger sogar ein paar zehntausend. Und da sich die Toraja-Clans seit Generationen nach einem komplizierten System von Geschenken und Gegengeschenken, Opfergaben und Gegenopfergaben gegenseitig mit Wasserbüffeln beglücken, ist fast jede Familie hoffnungslos verschuldet und verstrickt in spirituellen Verpflichtungen mit materiellen Mühlsteinen. Niemand kann ohne weiteres aus diesem Teufelskreis ausbrechen, ohne sein eigenes Seelenheil oder das seiner Ahnen zu gefährden. Und so wird auch jetzt die Totenfeier des alten Bauern zu einem Wasserbüffelgemetzel, zu einer Orgie der Akkordschlachtung, bis der Boden von dampfenden Leibern und brodelnden Blutlachen bedeckt ist, als sei der Tag des Jüngsten Gerichts gekommen.

Es ist zumindest ein Trost, dass der Tod der Wasserbüffel doppelten Nutzen hat - einen religiösen und einen praktischen. Denn ihr Fleisch wird ebenso wie das der Schweine unters Volk gebracht und sorgt ein wenig für ausgleichende Gerechtigkeit zwischen Reich und Arm. Noch tröstlicher aber ist der Anblick der lebenden Büffel in der Bukolik des Toraja-Landes. Wie Könige stolzieren sie durch die Reisterrassen, hoch erhobenen Hauptes oder genügsam grasend, meistens faulenzend und niemals einen Pflug ziehend, denn das von diesen Gottestieren zu verlangen, wäre ein Frevel sondergleichen. So sind es die Menschen, die mit ihren kegelförmigen Strohhüten in den Feldern arbeiten. Knietief stehen sie im Wasser, mit krummem Buckel pflügen sie das Feld, setzen einen Reisbüschel nach dem anderen in den Schlamm oder dreschen die reifen Ähren mit bloßen Händen, eine prähistorische Schufterei, die so schön anzuschauen ist wie eine mittelalterliche Kalligrafie. Wenn die Feldarbeit getan ist, sind die Büffel an der Reihe: Sie werden derart ausgiebig gebadet und gewaschen, gestreichelt und gestriegelt, von Schlamm und Dreck befreit, dass ihre Haut zum zartesten Leder ganz Indonesiens verarbeitet wird und böse Zungen behaupten, die Toraja behandelten ihre Büffel besser als ihre Kinder. Und wir denken uns: Was ist im Angesicht eines solchen Lebens schon der schnelle Tod mit durchgeschnittener Kehle!

Sanftmütige Landschaften

So sanftmütig, so idyllisch ist die Landschaft, die sich die Toraja in den Bergen Sulawesis modelliert haben, dass man ihr das Blutvergießen der Totenfeiern niemals zutrauen würde. In allen Variationen des unschuldigsten Grüns leuchten die Reisterrassen, je nach Alter und Reifegrad der Ähren von Laubfroschgrün über Avocadogrün bis Pistaziengrün, immer wieder unterbrochen von Kaffee- und Kakaosträuchern, von Feldern voller Vanille und Nelken, von Tamarinden und Bäumen mit seltsamen Früchten wie der Schlangenhautfrucht, die tatsächlich aussieht, als sei sie aus Schlangenleder gemacht. Wie Gottesaugen blinzeln die Teiche der Karpfen, Aale und Welse inmitten der Reisfelder, die zur Abwechslung des Speiseplans und vielleicht auch ausSehnsucht nach dem Meer angelegt wurden. Wie steinerne Ammen bewachen die gezackten Grate der Berge die Landschaft, mehr als dreitausend Meter hoch aufragend und den Lärm der Welt wie einen bösen Fluch aussperrend. Und wie hölzerne Halbmonde lugen die geschwungenen Dächer der Abertausende von Reisspeichern zwischen den Betelnussbäumen und Bananenstauden hervor, jeder einzelne so prunkvoll wie ein kleiner Palast. Denn nicht nur die Wasserbüffel sind für die Toraja die Cousins der Menschen. Auch der Reis ist Neffe und Nichte und genießt deswegen das Privileg, in einem schönen Haus wohnen zu dürfen.

Alle Reisspeicher und viele Wohnhäuser sind im traditionellen Stil errichtet, der dem Toraja-Land sein unverwechselbares, ikonographisches Gesicht gibt: Auf Pfählen aus Eisen- oder Palmholz ruht ein hölzerner, verschwenderisch geschnitzter, bunt bemalter Quader mit den immer selben Motiven - zu Kreisen, Dreiecken, Rhomben und Ellipsen stilisierte Sonnen, Hände, Büffelköpfe und Reisähren, die das Leben, die Gesetze, die Seele und das Glück symbolisieren. Darüber thront ein geschwungenes Dach aus bis zu zweihundert Lagen Bambus oder neuerdings auch aus Wellblech. Mit seinen hoch aufragenden Enden beschreibt es eine Parabel und manchmal sogar einen Halbkreis und erinnert dadurch an den Rumpf eines Drachenbootes, das im Hochland von Sulawesi gestrandet ist. Welchen Rang seine Besatzung genießt, wird an den Wohnhäusern unmissverständlich deutlich gemacht: Je mehr Büffelhörner und -kiefer dort prangen, umso bedeutender sind die Bewohner. Und wenn man in postkartenpittoresken Dörfern wie Kete Kesu oder Pallawa vor Häusern mit mehr als hundert Hörnern steht, kann man sich vorstellen, wie viele Wasserbüffel den toten Honoratioren die Eskorte ins Seelenland bilden.

Die Ahnen wohnen im Nachbarhaus

Das Innere aller Häuser ist allerdings bescheiden wie die Wohnstatt eines Knechtes - ein Schlafraum, eine Kochnische, ein Plumpsklo, kaum mehr. Da ist es kein Wunder, dass die meisten traditionellen Unterkünfte nicht mehr bewohnt sind und sich die Toraja - vor allem jene, die als Kaufleute zu Geld gekommen sind - komfortablere Häuser hinter den Erbstücken ihrer Ahnen gebaut haben. Die Reisspeicher aber werden immer noch ausschließlich im klassischen Stil errichtet. Und da die Toraja auch sonst eisern an ihren Sitten festhalten, weiterhin wider alle Gesetze Hähne bis zum Tod gegeneinander kämpfen lassen und den Brautpreis wie seit Anbeginn der Zeit in Schweinen entrichten, gelingt ihnen verblüffend leicht das Kunststück, weder Traditionsverräter noch Modernitätsverweigerer zu sein.

Die Vergangenheit können die Toraja schon deswegen nicht verleugnen, weil ihre Ahnen mitten unter ihnen sind. In fast jedem Dorf gibt es Dutzende von Totenhäusern, oft prachtvoller als die Wohnhäuser der Lebendigen, Villen mit Säulen, Mausoleen mit Giebeldächern, geschmückt mit einem Porträt des Verstorbenen oder - bei den Christen unter den Animisten - mit einer Muttergottes. Und wer nicht in einem Totenhaus wohnen darf, findet seinen Ruheort in Grabwänden wie der schwindelerregenden Nekropole Londa. Hundert Meter hoch ragt der Karstfelsen von Londa in den Himmel, zerklüftet, zerlöchert, voller Nischen und Mulden, idyllisch umringt von Reisfeldern, Bananenstauden und Kaffeesträuchern, deren Blüten schwer und süß wie Jasmin duften. Es ist das passende Parfüm für den makabren Anblick, der sich uns hier bietet: Halbe Hundertschaften von Särgen haben die Toraja in alle Löcher der Felswand gestopft, gequetscht, aufeinandergestapelt, ineinander verkeilt, die der besseren Stände hoch oben in der Wand, die des Fußvolkes unten an ihrem Fuß. Brandneu sind manche Särge und andere so alt, dass sie schon verwittert und zersplittert sind und ihren bleichen, knöchernen Inhalt über die Felsen purzeln lassen. Totenschädel sind wie Nippesfiguren auf Steinsimsen drapiert und schauen uns spöttisch an, Schenkelknochen liegen kreuz und quer durcheinander wie menschliche Mikadostäbe, dazwischen machen Abschiedsgrüße und Opfergaben von Zigaretten über Kautabak bis zu Bierdosen die Felswand zu einer Müllhalde des Totengedenkens.

Der beste Freund ist der Tod

Am makabersten ist die Galerie mit den höchstwohlgeborenen Toten: Auf einer Ballustrade im Fels hockt säuberlich aufgereiht ein Dutzend lebensgroßer Holzpuppen. Sie sind den Verstorbenen, die sie darstellen, wie aus dem Gesicht geschnitzt und tragen nicht nur Hemd und Hose, Hut und Kleid ihrer verwesenden Vorbilder, sondern auch deren Haar - eine gespenstische Versammlung der hölzernen Untoten, die wie greise Pinocchios jederzeit zum Leben erwachen könnten und deren jüngstes Mitglied erst seit ein paar Wochen dort residiert, mit einem gestärkten Hemd, das noch immer blütenweiß ist.

Im Inneren des Felsens hat der Regen Höhlen ausgewaschen, und auch ihre Wände und Nischen sind vollgestopft mit Särgen und Schädeln, eine Grabkammer des Grusels, in der wir uns selbst wie totgeweiht fühlen. Doch erst im hintersten Winkel dieses tropischen Hades-Reichs sehen wir im Schein unserer Taschenlampe das, was den Bizzarerien des Felsenfriedhofs von Londa die Krone aufsetzt: zwei Totenschädel, die sich innig küssen mit ihren lippenlosen Mündern. Das seien Romeo und Julia auf Torajanisch, wird uns erklärt, die Überreste des jungen Lobo und der schönen Andui, die sich unsterblich ineinander verliebten. Doch ihre in bester Capulet-und-Montague-Manier verfeindeten Familien duldeten diese Liebe nicht. Da wussten die Unglücklichen keinen anderen Ausweg, als sich an einem Jackfruit-Baum gemeinsam zu erhängen. Sie wurden in Londa bestattet, und als ihre Körper verwest waren, beschlossen die Familien, die in ihrer Trauer nun versöhnt und vereint waren, zumindest jetzt den Kindern einen ewig währenden Kuss zu gönnen. Seither kommen romantisch verliebte Pärchen gern hierher - zum Händchenhalten und wie zum letztgültigen Beweis dafür, dass der Tod den Torajas kein Schreckgespenst, sondern der beste Freund ist.

Im Totenreich

Anreise: Thai Airways fliegt täglich von Frankfurt und München über Bangkok nach Denpasar auf Bali. Von dort geht es mit Garuda weiter nach Makassar auf Sulawesi. Die Flüge kosten ab 1000 Euro. Weitere Informationen unter www.thaiair.de und www.garuda-indonesia.com. Anschließend fährt man mit dem Auto in acht und mit dem Bus in zwölf Stunden ins Toraja-Land. Das Touristenvisum für Indonesien wird bei der Einreise gegen eine Gebühr von 35 Dollar ausgestellt.

Arrangements: Der Münchner Reiseveranstalter Lotus (Tel.: 089/ 20208990, www.lotus-travel.com) hat einen fünftägigen Baustein „Unterwegs im Toraja-Land“ im Programm. Er kostet pro Person im Doppelzimmer ab 527 Euro und kann mit Aufenthalten auf anderen indonesischen Inseln wie Bali, Lombok, Java oder Komodo kombiniert werden.

Informationen: Visit Indonesia Tourism, Hanauer Landstraße 184, 60314 Frankfurt, Tel.: 069/ 175371052, www.tourismus-indonesien.de.

Quelle: F.A.Z.
Jakob Strobel y Serra
stellvertretender Leiter des Feuilletons.
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