Yeats’ Irland

Das Land der Sehnsucht meines Herzens

Von Martin Glauert
 - 15:25
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Daryl, unser einheimischer Begleiter, ist nicht gut auf den großen Dichter zu sprechen, und er nimmt kein Blatt vor den Mund. „Die ganzen Gedichte wurden uns in der Schule regelrecht in den Kopf gebohrt“, erinnert er sich. „Irgendwann kommen sie dir zu den Ohren heraus.“ Das ist ein wenig respektlos, immerhin geht es um den irischen Nationaldichter und den „local hero“ dieses Landstrichs. Wir sitzen im Gras am Rosses Point, einer steilen Landzunge, die den Eingang zum Hafen von Sligo kontrolliert. „Früher haben die Bewohner hier manchmal ein Feuer entzündet, um vorbeifahrende Schiffe auf die Klippen zu locken und dann die Ladung nach Hause zu schaffen“, erzählt Daryl, doch das ist höchstens die halbe Wahrheit. Denn das Feldsteinhaus hinter uns hat zwei runde Fensterhöhlen, die wie übergroße Augen zum Meer hinausschauen. Tatsächlich wohnten hier die Schiffslotsen, die nach den großen Dampfern aus Übersee Ausschau hielten, um sie dann sicher in den Hafen zu lenken. Das ist längst vorbei. Nur zwei oder drei Schiffe in der Woche kommen noch herein, bringen Kraftfutter oder holen Müll ab. Die meisten Fischer haben ihren Beruf aufgegeben und fahren stattdessen mit ihren Booten Touristen hinaus, um Robben, Delphine und Wale zu beobachten.

Vor hundertfünfzig Jahren lief genau unter uns die „SS Liverpool“ ein, an Bord ein siebenjähriger Knabe aus London, stolz wie Oskar, schließlich gehörte das Schiff seinem Opa. Soeben war der Dampfer am Leuchtturm von Black Rock scharf nach backbord abgebogen, als plötzlich ein riesiger Mann mitten im Meer stand und mit seinem rechten Arm in Richtung Hafen wies, haarscharf an den Felsen entlang. Immer noch steht er da wie eine Fata Morgana, der Metal Man, eine überlebensgroße Boje in Menschengestalt. Er trägt eine tadellose britische Uniform, doch wenn man genau hinschaut, bemerkt man, dass er sich bei der Weste verknöpft hat – eine kleine subversive Gehässigkeit des irischen Schmieds gegen die britische Obrigkeit. Der kleine William freute sich auf die Ferien in Sligo, der Heimat seiner Eltern. Hier war er frei, spielte und tobte nach Herzenslust, ritt wie ein Cowboy und segelte wie ein Pirat. Stundenlang hockte er in den Hütten der Einheimischen und lauschte den Sagen und Märchen, die sie am Feuer zu erzählen wussten. Sie sollten sein literarisches Schaffen lebenslang prägen.

Vom touristischen Hype links liegengelassen

William Butler Yeats wiederum hat Sligo seinen Stempel aufgedrückt. Auf dem Weg vom Hafen in die Stadt führt die Straße an einem alten Lagerhaus vorbei, und vor lauter Verblüffung überfahren wir fast die rote Ampel. Vom oberen Stockwerk schaut eine gemalte dunkelhaarige Schönheit sehnsuchtsvoll in die Ferne. Darunter ist über die ganze Häuserfront in Handschrift ein Gedicht zu lesen. Es ist ein Liebesgedicht von Yeats an seine lebenslange unerfüllte Liebe Maud Gonne.

Sligo hat offensichtlich einen Sinn für Romantik – wenigstens etwas, denn der wirtschaftliche Aufschwung ist an der freundlichen Kleinstadt vorbeigegangen, der touristische Hype hat sie links liegenlassen. Gerade das macht sie heute so sympathisch gelassen. Die kleinen Cafés am Fluss sind bisher verschont geblieben von schwatzenden Busladungen, nicht einmal auf kulturbeflissene deutsche Wohnmobileinzelkämpfer trifft man hier. Die Jugendlichen haben sich offenbar auf die vegane Salat-Boutique am Wehr eingeschossen, direkt dahinter ruhen Hausfrauen bei einer Tasse Kaffee vom Einkauf aus.

Das Ufer der Garavogue und die Brücken über den Fluss werden am Nachmittag von Anglern bevölkert. Der eine hält seine Rute still ins Wasser, der andere ist in ständiger Bewegung. Jeder hat seine eigene Methode, seine Lieblingsstelle, den Geheimtipp. Sie alle gehen auf den Lachs. „Hier unter der Brücke macht er Pause“, weiß Liam und lässt seine Zigarette in den anderen Mundwinkel rollen. Und tatsächlich dauert es keine fünf Minuten, bis der Fisch anbeißt. Wo aber sind die Eimer voller Fische, wo ist der ganze Fang des Tages? Die ahnungslose Frage trifft auf eine historische Tretmine. „Das Recht auf freien Fischfang haben wir den verdammten britischen Landbesitzern mühsam abgerungen“, knurrt Liam, „und jetzt werden wir wieder verarscht!“ Der Freizeitangler nämlich darf nur für den eigenen Bedarf jagen, ein Verkauf der Beute an Restaurants ist verboten. Wer mag, isst nun also jeden Tag Fisch, oder aber er verschenkt den Fang an die Nachbarschaft.

Yeats Hot Chicken Wrap

Am Abend treffen wir einige der Gesichter des Tages im Pub wieder, allein dadurch fühlt man sich in dieser Stadt rasch zu Hause. In allen Kneipen wird an jedem Abend der Woche Live-Musik gespielt. Das ist aber längst nicht mehr die traditionelle irische Volksmusik mit Fiddle und Flute. Stattdessen treten grauhaarige Rockmusiker auf, einheimische Kleingruppen mit eigenen Kompositionen bekommen eine Chance und immer auch durchreisende Singer-Songwriter, die für ein Abendessen und zwei Bier die Gäste unterhalten. So schlendert man von Pub zu Pub, ohne dass es langweilig wird, und landet irgendwann im „Swagman“ an der Wine Street zwischen lauter jugendlichen Punks und langhaarigen Althippies. Joint oder Guinness – das spielt hier keine Rolle. „We are family!“, wirft uns die schmale Dreadlockträgerin über die Schulter zu und umarmt herzlich den Daddy neben ihr.

Der offizielle Mister Yeats präsentiert sich dagegen wesentlich karger und freudloser. Im Café des Yeats Memorial Building in der Stadtmitte wird zwar ein lustig gemeintes „Yeats hot chicken wrap“ serviert. Die Ausstellung aber ist geschlossen, lediglich einige alte Schwarzweißfotos aus seinem Leben hängen in einem leeren Zimmer an der Wand.

Dann aber steht Yeats doch noch in voller Lebensgröße vor uns, kurz hinter der Flussbrücke. Staksig und steif ist er als Statue, er trägt ein Monokel, sein Gesichtsausdruck wirkt vergeistigt, unnahbar, fast arrogant. In die Figur sind rundum Zitate aus seinen Gedichten eingeprägt, wie eine zweite Haut. Ganz offenbar ein Mann, der in der Welt der Worte lebte. Auf eines von ihnen stoßen wir unerwartet am Zebrastreifen, ein buntes Mosaik auf der grauen Straßenmauer. „I will arise and go now“ steht dort, die Anfangszeile aus seinem bekanntesten Gedicht. Mitten im tristen London packte ihn einst unvermittelt die Sehnsucht nach der kleinen idyllischen Insel Innisfree im Lough Gill, einem See ganz in der Nähe. Von dieser Sehnsucht lassen wir uns anstecken und machen uns auf die Suche. Das geht am besten mit dem Fahrrad.

Der Kleriker rümpft über den Dichterling die Nase

Samuel fährt voraus, denn er kennt jeden Weg und jede Abkürzung, schließlich ist er hier aufgewachsen. „This is my kingdom“, sagt er, und eine ganze Portion Heimatliebe klingt dabei durch. Zunächst aber geht es einige Kilometer auf der Landstraße aus der Stadt hinaus. Es rollt sich gut, doch die Straßen sind eng und kurvig, die Autos haben es eilig wie überall und fahren haarscharf an uns vorbei. Das Schild in den Bäumen trägt nicht gerade zur Beruhigung bei. „Prepare to meet your God“, mahnt das biblische Zitat. Und schon taucht am Wegrand das erste weiße Kreuz auf. Allerdings kam hier kein Radfahrer zu Tode, sondern ein irischer Soldat im Freiheitskampf gegen die Briten. Endlich biegen wir auf einen schmalen Waldpfad ab. Hier heißt es, Wurzeln auszuweichen und den Kopf einzuziehen, weil die alten Eichen ihre Äste so tief hängen lassen.

Plötzlich aber öffnet sich der Blick auf den weiten Lough Gill, und unwillkürlich atmen wir freier. „Seit Generationen ist diese Stelle bei Liebespaaren beliebt“, erzählt Samuel. Kein Wunder, so idyllisch wie es hier ist, ganz still, der Moorboden schluckt jeden Klang der Schritte. Wir sitzen zwischen uralten Eichenbäumen und schauen auf den See, in dem sich der graue Himmel spiegelt. Der schützende Felsen hinter uns ist Dooney’s Rock. Auch über ihn hat Yeats ein Gedicht geschrieben, ausnahmsweise ein vergnügtes. Es handelt davon, dass der pfiffige „Fiddler von Dooney’s Rock“ eher in den Himmel eingelassen wird als der Pastor. Das war sicher auch ein Seitenhieb auf die Kleriker in seiner Familie, die über den Dichterling die Nase rümpften.

Sein ganzes Leben lang hatte Yeats Heimweh nach dieser Landschaft, nach dem „Land der Sehnsucht meines Herzens“, das er als Kind so oft durchstreift hatte. Die Verkörperung seines Sehnens ist Innisfree. Auf diese kleine Insel träumte er sich, hier wollte er eine Hütte bauen, in der Sonne liegen und den Bienen zuhören. Seit Jahrzehnten wallfahren seine Bewunderer deshalb an den See, werfen einen Blick auf das romantische Paradies – und sind enttäuscht. Denn da ist nur eine mickrige Insel, überwachsen von Büschen und Bäumen. „Yeats hat sich einfach mit dem Namen vertan“, glaubt Samuel. „In Wirklichkeit hatte er bei dem Gedicht die Insel nebenan vor Augen.“

Diese „faeries“ tragen keine rosa Kleidchen

Und tatsächlich entspricht Cottage Island so viel mehr der Schilderung des Dichters. Im Volksmund heißt sie freilich anders. Als Beezie’s Island kennen sie hier alle und natürlich die delikate Geschichte dazu. Die Dienstmagd der mächtigen Familie O’Rourke auf der anderen Seite des Sees war vom Herrn des Hauses schwanger geworden und wurde deshalb diskret auf diese kleine Insel entsorgt. Dort lebte sie mit ihrer Tochter Beezie in einer Hütte und ruderte nur gelegentlich an Land, um nötige Dinge zu besorgen. Beezie selbst blieb auch nach dem Tod der Mutter auf dem kleinen Eiland und ist erst in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gestorben. Immer noch kann man dort Überbleibsel ihres Einsiedlerlebens finden.

Es reizt uns, hinüberzuschwimmen und zu stöbern, doch das ist zu gefährlich. Schließlich lebt im See ein Drache, der schon manchen Liebhaber und Helden verschlungen hat. Überhaupt ist die Gegend sagendurchtränkt und verwunschen. In den Höhlen hausen kleine Männchen und Feen, doch diese „fairies“ tragen keine rosa Kleidchen. Bei Nacht kommen sie aus den Löchern, treiben Schabernack, verhexen den Bauern die Kühe und stehlen ihre Babys aus dem Bett heraus. Die Geschichten kennt hier jedes Kind, sie werden zu Hause immer noch erzählt und von Generation zu Generation weitergegeben – trotz Fernsehen, Internet und Handy.

Geiz und Geschmacklosigkeit

Da ist es kein Wunder, dass auch in den Gedichten von William Butler Yeats immer wieder diese Märchenwesen auftauchen. War der Mann versponnen und kindisch, romantisch überdreht? Samuel sieht das ganz anders. „Er war ein Genie, ohne es zu wissen. Er hat die alten Volkssagen sozusagen poetisch wiederbelebt und dabei auch noch die irische Sprache verwendet. Das brachte eine Rückbesinnung auf unsere gälische Vergangenheit und Identität. Letztlich war das der wahre Ursprung des Freiheitskampfs gegen die Engländer.“ Mit Politik allerdings hatte Yeats nichts am Hut – bis zu jenem Tag in Lissadell.

Das Herrenhaus steht auf einem Hügel inmitten einer kniehohen Wiese voller Wildblumen, die bis zum Sandstrand abfällt. Ungehindert schweift der Blick von hier oben über die Bucht von Sligo und weiter zum Meer. Ein endloser Park mit alten Bäumen umgibt das Anwesen, ein kunstvoll angelegter Garten mit seltenen Alpenblumen schmiegt sich an den Hang. Warum aber ist das Haus selbst so schmucklos, ein grauer, grimmiger Klotz inmitten des Idylls? Immerhin war Robert Gore-Booth, als er Lissadell bauen ließ, der reichste Mann Irlands. „Geiz und Geschmacklosigkeit“, meint Leo trocken, und er muss es wissen. Über Generationen war seine Familie im Hause angestellt.

Leo schließt die schwere Eingangstür auf – und wir fallen fast in Ohnmacht: Plötzlich stehen wir in einer himmelhohen Halle, gesäumt von Säulen und Treppenaufgängen aus schwarzem Marmor. Überlebensgroße Figuren tragen Leuchter in den Händen, golden glitzert es aus allen Nischen. Nicht anders als uns erging es Yeats, als er im November 1894 zum ersten Mal durch diese Tür trat. „Decken so hoch wie in einer Kirche. Säulen, die bis in den Himmel ragen“, notierte er in seinen Erinnerungen. Seine eigene Familie, die nicht nur aus Klerikern, sondern auch aus erfolgreichen Unternehmern bestand, war angesehen in der Gesellschaft von Sligo, aber das hier war einfach eine andere Welt. „Wir waren Handelsleute aus der Stadt. Egal, wie reich wir wurden, egal, wie viele Tausende im Jahr unsere Fabriken oder unsere Schiffe einbrachten, wir konnten niemals gräflich sein. Auf großen Empfängen trafen wir diese Leute in den großen Häusern, in gegenseitigem Respekt, aber die althergebrachten Sitten des irischen Lebens bildeten eine Wand zwischen uns“, schreibt er mit einer Mischung aus Bitterkeit und Bewunderung. Immerhin war der junge Dichter inzwischen so bekannt, dass man ihn einlud, und er genoss es.

Im Seidenkimono zwei Mädchenblüten

Genauso andächtig wie Yeats gehen wir durch die Zimmer, bewundern die Gemälde mit dramatischen Meeresszenen, die kostbaren Möbel und die große Bibliothek. Alles strömt den Stolz und den Reichtum des anglo-irischen Landadels aus. Die kleinen Hebel an den Lampen verraten, dass in Lissadell als erstem Wohnhaus in Irland die Beleuchtung mit Gas funktionierte, erzeugt im eigenen Gaswerk auf dem Grundstück. Durch die hohen Glasfenster schaut man auf Park und Meer. Und durch diese Fenster scheint an jenem Novembertag die Abendsonne auf zwei verzaubernde Gestalten, die Töchter des Hauses, Eva und Constanze. Yeats ist hingerissen, er hält den Eindruck in einem Gedicht fest: „Lissadell im Licht der Abendhelle, / die großen Fenster öffnen sich nach Süden, / im Seidenkimono zwei Mädchenblüten, / beide schön, die eine ganz Gazelle.“

„Wer war die Gazelle?“, rätseln die Leser bis heute. Eva schrieb Gedichte, lebte bis zum Tod mit ihrer Geliebten zusammen und blieb zeit ihres Lebens im Hintergrund. Constanze war attraktiv und selbstbewusst, eine wilde Reiterin und begehrte Tanzpartnerin auf jedem Ball. Dann aber entdeckte sie ihr soziales Gewissen und ihre politische Ader, das hedonistische Partygirl wandelte sich zu einer militanten Revolutionärin. Aus der Schwester im Kimono wurde eine bewaffnete Freiheitskämpferin, eine Volksheldin, die irische Johanna von Orléans. Während des Osteraufstands von 1916 kämpfte sie mit der Pistole in der Hand auf den Barrikaden, wurde gefangen genommen, zum Tode verurteilt, begnadigt und schließlich als erste Frau der europäischen Geschichte in ein nationales Parlament gewählt. Yeats’ anfängliche Bewunderung für sie flaute in den Jahren allerdings deutlich ab, in einem späteren Gedicht spricht er von ihr zynisch als „blinde Führerin für Blinde“.

„A terrible beauty is born“

Yeats erhält im Jahr 1923 den Nobelpreis für Literatur, „weil er dem Geist der Nation Ausdruck verliehen hat“, wie es damals hieß. Der grausam geführte irische Bürgerkrieg ist soeben beendet und die ersehnte Unabhängigkeit von England erreicht. Die politische Einstellung des Dichters aber bleibt seltsam blass, zurückhaltend und skeptisch. Nach dem legendären Osteraufstand 1916 schreibt er die berühmte Zeile: „A terrible beauty is born.“ Mit dieser ebenso poetischen wie visionären Wendung bringt er die Tragik des irischen Freiheitskampfs mit seinem Idealismus und seiner Grausamkeit genial auf den Punkt.

Das Jahr ist für den Dichter genauso turbulent wie für die Nation. Zum dritten Mal macht er seiner angebeteten Maud Gonne einen Heiratsantrag und wird wieder enttäuscht. Er hält um die Hand ihrer Tochter an, doch auch die lehnt ab. Auf Drängen seiner Freunde und nach okkultistischer Befragung eines Geistes heiratet er Georgie Hyde-Lees. Das passt, denn sie entpuppt sich als ein Medium, durch das Yeats die übernatürliche Welt kontaktieren kann. Seit Jahren schon ist er Mitglied im „Hermetischen Orden der goldenen Morgendämmerung“. Spiritistische Erfahrungen mischen sich nun mit den folkloristischen Märchen der Kindheit und werden gewürzt mit einer Prise griechischer Mythologie – die Gedichte dieser Zeit sind wahrlich schwer verdauliche Kost. Doch dann ist da eines, und das ist so wie keines: kühl, kurz und knapp, wie ein Schlag in die Magengrube. Es ist auf Stein geschrieben, auf seinen Grabstein in Drumcliffe.

Drumcliffe ist ein kleines Dorf. Passt man nicht auf, ist man schon durchgefahren. Es gibt hier einen mittelalterlichen Rundturm, den alle Besucher aber wortwörtlich links liegenlassen. Sie biegen nach rechts ab, zur grauen Kirche, die ihren stolzen Turm in einen grauen Himmel streckt. Hier predigte der Urgroßvater von Yeats, und hier wollte er begraben sein. Das Testament ist akribisch und skurril. In Südfrankreich, den Tod aufgrund eines unheilbaren Lungenleidens vor Augen, verfügte er, dass ein Jahr nach der Beerdigung sein Körper exhumiert und nach Irland gebracht werden sollte. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verzögerte diese letzte Reise allerdings um neun Jahre. Erst 1948 wurde der Sarg mit den Überresten in einer zehntägigen Schiffspassage nach Irland überführt, wo er von einer militärischen Ehrengarde erwartet wurde. Ein Staatsbegräbnis hatte die Familie jedoch abgelehnt. Noch am Abend der Ankunft wurde der Leichnam auf dem stillen, friedvollen Kirchhof beerdigt. Yeats selbst hatte den Grabspruch in seinem letzten Gedicht verfasst: „Cast a cold Eye / On Life, on Death. / Horseman, pass by.“ – „Reiter, schau kalt / Auf Leben, auf Tod. / Mach hier nicht halt!“.

Das Grab liegt nur wenige Schritte neben der Kirche des Urgroßvaters. In der Ferne sieht man Benbulben, den magischen Berg seiner Kindheit. Yeats ist angekommen im Land der Väter und der Feen.

Informationen online unter www.ireland.com.

Informationen online unter www.ireland.com

Quelle: F.A.Z.
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