Ärger über Schmährufe

Kickers als Kollektiv mit Drang nach oben

Von Jörg Daniels
 - 17:28

Nur wenn Oliver Reck nichts anderes übrigbleibt, beschäftigt sich der Trainer der Offenbacher Kickers gedanklich mit dem Aufstieg in die dritte Fußball-Profiliga. Der 52-Jährige lässt keinen Zweifel daran, dass der Meister einer Spielklasse auch aufsteigen müsse. Insofern begrüßt Reck die Diskussion über die Reformierung der Aufstiegsregelung zwischen der dritt- und vierthöchsten Klasse. In der Regionalliga Südwest müssen die beiden Erstplazierten nach der regulären Runde noch jeweils zwei Aufstiegsspiele bestreiten. Aktuell sind die Offenbacher nach dem 4:1-Heimsieg über den FSV Frankfurt vor 7130 Zuschauern mit 25 Punkten wieder Spitzenreiter. Aber Reck spielt den Höhenflug der Kickers zumindest mit Worten herunter. „Die Tabellensituation ist schön, doch darauf gebe ich gar nichts“, sagte er. „Wir halten den Ball trotzdem flach.“

Der Trend zeigt beim OFC nach oben, das kann auch Reck nicht leugnen. Und bei den Offenbachern deutet vieles darauf hin, dass sie auch auf lange Sicht im Aufstiegsrennen vorne mit dabei sein werden. Die Kickers sind ein charakter- und leistungsstarkes Fußball-Kollektiv. „Mit dieser Moral und diesem Wir-Gefühl kann man viel erreichen“, sagte Reck. Selbst wenn die Kickers wie im Hessenderby spielerisch nicht ihren besten Tag haben, können sie auch mit Unterstützung des Gegners ein Spiel für sich entscheiden.

„Der OFC nimmt seinen Lauf“

FSV-Trainer Alexander Conrad erklärte in zwei Sätzen, wie das geht: „Der OFC war kaltschnäuzig und nimmt seinen Lauf mit. Bei uns war ein Schuss Naivität dabei, außerdem waren wir ein bisschen zu passiv. Ein Königreich für einen Torjäger“, fügte er noch hinzu. Während dem FSV ein abgezockter Vollstrecker fehlte, traf der eingewechselte Kickers-Angreifer Varol Akgoez zweimal. „Er ist ein Torjäger durch und durch“, lobte Reck den Matchwinner.

Es war aber nicht alles eitel Sonnenschein auf dem Bieberer Berg. Für einen Eklat sorgte eine Gruppe von OFC-Anhängern nach dem Abpfiff mit verbalen Entgleisungen. Sie riefen „Judenschweine“ in Richtung des Bornheimer Fanblocks. Er habe die antisemitischen Rufe gehört, sagte FSV-Vereinspräsident Michael Görner am Dienstag dieser Zeitung. „Es war sicherlich eine Minderheit aus dem Offenbacher Fanblock. Das sind völlig verirrte Geister und Menschen.“ Das Verhalten dieser Personen kritisierte Barbara Klein scharf. „Ich verwehre mich gegen so etwas. Es ist das Höchste, das ich verurteile. Es ist niveau- und anstandslos“, sagte die Vizepräsidentin der Kickers.

Plärrern keine Plattform bieten

Der FSV Frankfurt selbst wird gegen das massive Fehlverhalten dieser Stadionbesucher nicht vorgehen. „Wir wollen diesen Personen keine weitere Plattform bieten durch eine öffentliche Diskussion.“ Görner wies darauf hin, dass in dem Fanblock Polizeibeamte mit Videokameras gewesen seien. „Ich gehe davon aus, dass die Staatsanwaltschaft und die Polizei gegen eventuelle Rechtsverstöße tätig werden wird“, sagte er. Die Offenbacher sind nun dabei, den Vorfall aufzuarbeiten. Ein Vereinssprecher betonte am Dienstag, dass mit den antisemitischen Schmährufen auch gegen die Offenbacher Stadionordnung verstoßen worden sei. Dort stehe ausdrücklich drin, dass so etwas in keiner Weise geduldet werde, sagte er.

Quelle: F.A.Z.
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