Kommentar

Goethe-Uni schon in der Vorrunde draußen

Von Sascha Zoske
 - 18:19

Wäre die Goethe-Uni ein Fußballverein, hätte Birgitta Wolff wohl sofort ihren Abschied nehmen müssen. Zum Glück gehorcht eine Hochschule im Misserfolgsfall anderen Gesetzen als der FC Bayern, und so dürfte die Frankfurter Uni-Präsidentin Zeit haben, um in Ruhe über Konsequenzen aus dem gestern offenbar gewordenen Debakel nachzudenken.

Anders kann man das Abschneiden von Hessens größter Hochschule in der ersten Runde des neuen Exzellenzwettbewerbs von Bund und Ländern nicht bezeichnen: Dass von acht eingereichten Antragsskizzen für Spitzenforschungs-Verbünde gerade einmal ein Verbund in die engere Wahl kommt, ist peinlich für eine Einrichtung, die sich im oberen Tabellendrittel der Uni-Bundesliga etablieren will.

Gutachter von der Brillanz überzeugen

Welche Schuld Wolff an der Pleite trägt, ist schwer zu sagen – möglicherweise ist sie nicht besonders groß. Zuerst ist es in einem wissenschaftlichen Wettstreit Aufgabe der Antragsteller, die Gutachter von der Brillanz ihrer Ideen zu überzeugen. Die Hochschulverwaltung selbst kann nur für möglichst gute Rahmenbedingungen sorgen. Warum die meisten von Wolffs Topspielern diesmal versagten, bleibt vorerst rätselhaft; detaillierte Begründungen (so sie überhaupt kommen) werden noch eine Weile auf sich warten lassen.

Eigentlich sind die hiesigen Philosophen, Physiker und Proteinforscher in der Kunst der Drittmittel-Akquise sehr bewandert; das haben sie in früheren Exzellenzrunden und anderen Konkurrenzen bewiesen. Jeder Wettbewerb hat allerdings seine eigenen Gesetze. Mag sein, dass die Erfolgsstrategien der Vergangenheit nicht mehr zum Profil des neuen Wettbewerbs passten oder die Skizzen-Autoren es versäumt haben, in ihre Papiere bestimmte modische Schlüsselwörter aufzunehmen.

Allein die Qualität zählt

Regionaler Proporz oder die Absicht, in früheren Exzellenzrunden bedachte Institute diesmal „gerechtigkeitshalber“ leer ausgehen zu lassen, werden bei den Entscheidungen hoffentlich keine Rolle gespielt haben. In einer idealen Forscherwelt zählt schließlich allein die Qualität der Idee.

Aber auch wenn niemand von Wolff verlangen kann, den Spitzenkräften ihres Hauses beim Verfassen von Förderanträgen die Schreibhand zu führen, bleibt das Vorrunden-Aus im Turnier um den Elite-Pokal mit ihrem Namen verbunden. Man kann das so unfair finden wie das Schicksal eines gefeuerten Fußballlehrers. Doch die Last der „politischen“ Verantwortung ist im Gehalt eingepreist, beim Trainer wie bei der Präsidentin.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Zoske, Sascha
Sascha Zoske
Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.
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