Kommentar zu „Autoposern“

Kein Bagatelldelikt

Von Katharina Iskandar
 - 16:38

Es gibt ja die unterschiedlichsten Freizeitbeschäftigungen junger Männer, die meinen, ihr Leben sei zu langweilig angesichts des eigenen Potentials. Und deshalb verspüren sie den Drang, sich bei jeder Gelegenheit zu exponieren. Eines dieser neuen Hobbys der Generation Selfie heißt: Posen, also mit gemieteten Luxusautos durch die Straßen fahren, an gut besuchten Bars und Cafés vorbei. Ab und zu lassen die jungen Wilden den Motor aufheulen und geben Vollgas. Im Volksmund würde man sagen, da mache „einer auf dicke Hose“.

Natürlich hat das eine amüsante Seite, solange die Touren nicht zu Wettrennen ausarten. Auch für Betrachter, die die Lächerlichkeit der Sache durchschauen, hat es einen gewissen Unterhaltungswert, wenn Menschen, die bereit sind, einen beachtlichen Anteil ihres Salärs für die Tagesmiete eines Maserati auszugeben, ihre Show abziehen.

Mancher Poser im Viertel bekannt

Allerdings hört der Spaß auf, wenn Anwohner durch das Aufheulen von Motoren Nacht für Nacht um den Schlaf gebracht werden. Und erst recht, wenn durch abruptes Beschleunigen der Sportwagen an hochfrequentierten Stellen die Sicherheit auf den Straßen gefährdet ist.

Insofern ist es richtig, wenn die Polizei dieses Phänomen nicht als Bagatelldelikt abtut, sondern mit einem ausgereiften Konzept und gezielten Ansprachen gegen die Fahrer vorgeht. So, wie sie es seit Jahren auch schon in der Tuning-Szene praktiziert. Ein Personenverzeichnis zu führen, Verstöße zu dokumentieren und die Fahrer sowie Halter anzuschreiben ist vernünftig. Vielleicht hat sich das Problem für die Anwohner, die an den betreffenden Strecken wohnen, dann bald von selbst erledigt.

Im schlimmsten Fall aber nicht. Denn bei den meisten Personen, die bisher als „Poser“ bekannt sind, handelt es sich laut Polizei nicht unbedingt um rechtschaffene Bürger der Gesellschaft, die sich für das Wohlergehen ihrer Mitmenschen interessieren und ihre Grenzen kennen. Nähere Erkenntnisse gibt die Polizei über die schon registrierten Angeber nicht heraus, aber nach Schilderungen von Anwohnern, etwa aus dem Frankfurter Allerheiligenviertel, ist der eine oder andere, der dort herumfährt, in dem Viertel schon bekannt. Unter anderem deshalb, weil er dort in seiner sonstigen Freizeit Drogen verkauft. Diese Männer scheinen sich ihrer Sache ziemlich sicher zu sein.

Quelle: F.A.Z.
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