Bad Homburger Eiswinter

Eisig nur von unten

Von Bernhard Biener
 - 12:14

Die Lufttemperatur nur wenig über null Grad, am Himmel ein zuvor lange vermisster blauer Schimmer, und bis auf ganz vereinzelte Tropfen bleibt es trocken: Solche idealen Bedingungen wie beim Eislaufwettbewerb am Dienstagabend hatte der „Bad Homburger Eiswinter“ in dieser Saison selten zu bieten. Was sich schon daran zeigt, dass der für den 21. Dezember geplante Wettbewerb verschoben werden musste.

Für die Wetterlage der Eröffnungswoche hatten Meteorologen die Bezeichnung „Novembersommer“ gefunden, und danach war es häufig so nass, dass die Wasserschicht auf dem Eis zur Gefahr wurde. Obwohl man ja durchaus damit rechnen muss, dass es auf der Schlittschuhbahn rutschig ist. Mehr als dreimal so viele Regentage als im Vorjahr habe es gegeben, hat Kurdirektor Ralf Wolter ausgerechnet. Trotzdem seien bis jetzt 28000 Besucher in den Kurpark gekommen, von denen 12000 auch die Schlittschuhe angeschnallt hätten. Der Rückgang um zehn Prozent sei damit geringer ausgefallen, als es das Wetter habe erwarten lassen.

Sechsstellige Kosten

Zum dritten Mal steht die Eisbahn vor dem Eingang der Spielbank, von wo aus sich vor allem abends ein beeindruckender Blick auf das beleuchtete Kaiser-Wilhelms-Bad bietet. An dieser Seite der Bahn ist in diesem Jahr eine Terrasse hinzugekommen. Auch die Möglichkeit, vor oder nach dem Eislaufen oder Eisstockschießen etwas zu sich zu nehmen, hat sich verändert. Aus den Pagodenzelten der ersten Saison waren zwischenzeitlich weiße Chalets geworden, die inzwischen durch größere Hütten im Holz-Look abgelöst worden sind. Die Einnahmen aus der häufig von Firmen genutzten Vermietung tragen zumindest zu einem Teil dazu bei, die sechsstelligen Kosten einer Saison zu decken. Vor allem das Personal, das die Bahn auch nachts im Auge habe, und der Strom seien große Ausgabeposten, sagte Wolter.

Gedeckt würden sie durch Sponsoren – nur für die erste Saison stellten die Stadtverordneten kurzfristig 80000 Euro bereit. Die mehr als 500 Quadratmeter große Bahn gehört inzwischen der Stiftung Historischer Kurpark, die sie auch betreibt. In diesem Jahr ist mit Unterstützung der Taunussparkasse eine neue Eismaschine angeschafft worden, mit der die Eisberge neben der Bahn der Vergangenheit angehören.

Vor allem vormittags ist die Eisbahn ein beliebtes Ziel von Kindergartengruppen und Schulklassen. „75 Prozent der Eisläufer sind Kinder und Jugendliche“, sagte der Kurdirektor. Weshalb die Bahn auch bis einschließlich Sonntag geöffnet ist, um den Daheimgebliebenen ein Angebot in den Weihnachtsferien zu machen. Heute geht es um 12 Uhr los, am Wochenende schon zwei Stunden früher. Beim Eislaufwettbewerb haben die Veranstalter wieder eine „Eisprinzessin Louise“ oder einen „Eisprinzen Louis“ gesucht und unter den 26 Teilnehmern auch gefunden. Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) verlieh den Titel am Ende an die elf Jahre alte Nastja Hass, die schon vor einem Jahr die Jury überzeugt hatte.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Biener, Bernhard
Bernhard Biener
Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.
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