Mitarbeiter-Motivation

Bäcker mit Bonus verkauft mehr Brötchen

Von Judith Henke
 - 13:00

Ein Gehaltsbonus für erfolgreiche Teamarbeit hebt nicht nur die Moral der Mitarbeiter, sondern auch den Umsatz des Unternehmens. Das gilt besonders für Branchen, in denen Angestellte wenig verdienen. „Dann wirkt bereits die Aussicht auf etwas mehr Gehalt motivierend auf die Angestellten“, sagt Guido Friebel, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Frankfurt. Allerdings sollte die Gruppe, an die das Unternehmen einen Teambonus zahlt, höchstens 20 Mitarbeiter haben.

Zu diesen Erkenntnissen sind Friebel und drei Kollegen durch ein Feldexperiment gelangt. In 100 Filialen einer Bäckereikette hat er gemeinsam mit der Unternehmensleitung ein Bonussystem eingeführt. Mehr als 300 Euro im Monat konnte ein Verkaufsteam einer Filiale insgesamt zusätzlich verdienen, wenn es bestimmte Umsatzziele überschritt. Gleichzeitig hat Friebel 100 Filialen beobachtet, an denen es keine Anreizzahlungen für die Teams gab. Die Ergebnisse seines Experiments hat der Betriebswirtschafts-Professor im Volkswirtschafts-Magazin „American Economic Review“ veröffentlicht.

Ein Discounter in der Nachbarschaft

Die Idee, nicht nur einem Mitarbeiter, sondern dem gesamten Team mehr zu zahlen, gibt es seit den dreißiger Jahren. „Für Wissenschaftler ist es aber schwer, den Erfolg von Team-Bonuszahlungen nachzuweisen“, sagt Friebel. Es gebe nur wenige Branchen, in denen Mitarbeiter eine klar erkennbare Produktionseinheit bildeten, deren Leistung messbar sei. Um den Erfolg eines Gruppenbonus zu testen, hätten Wirtschaftswissenschaftler bisher immer auch die Arbeitsbedingungen des Teams ändern müssen. Mitunter hätten die Angestellten vor den Experimenten noch nie in Gruppen gearbeitet. „Dann ist es schwer, nachzuweisen, ob ein Unternehmen erfolgreicher wurde, weil es einen Team-Bonus eingeführt hat oder die Arbeitsbedingungen geändert hat“, sagt Friebel.

In den Bäckereifilialen habe er nur ein Anreizsystem einführen müssen und keine neuen Arbeitsabläufe. „Die Bäckereiangestellten haben aber von selbst angefangen, ihre Arbeitsweise zu ändern“, sagt Friebel. So hätten die Mitarbeiter nach ihrer Schicht aufgeräumt, damit ihre Kollegen direkt mit dem Brötchenverkauf hätten beginnen können. Die Beschäftigten erhielten wegen des Team-Bonus monatlich jeweils um die 40 bis 50 Euro mehr Lohn. Der Umsatz der Bäckereifilialen mit Anreizsystem stieg während des dreimonatigen Experiments durchschnittlich um drei Prozent, in den Läden in größeren Städten sogar um sieben. „Dadurch, dass die Mitarbeiter schneller verkauften, kamen mehr Kunden in die Filialen“, sagt Friebel. Allerdings sei das Bonussystem nicht in jeder Filiale erfolgreich gewesen. „Wenn eine Filiale neben einem Discounter liegt, läuft sie schlecht, da hilft auch ein Bonussystem nicht gegen Einbußen“, sagt Friebel. Die Bäckereikette hat nun einige betroffene Geschäfte geschlossen.

„Es gibt weniger Trittbrettfahrer“

Am effektivsten sind Team-Anreizsysteme nach den Worten des Forschers für kleine Produktionsgruppen, deren Mitglieder einander gut kennen, etwa im Einzelhandel oder in der Gastronomie. „Dann üben die Mitarbeiter auch mal Druck aufeinander aus, und es gibt weniger Trittbrettfahrer“, sagt Friebel. Zahlten Unternehmen einer überschaubaren Anzahl an Mitarbeitern einen guten Bonus, motiviere das. Weniger effektiv sei es, wenn ein Großunternehmen allen Mitarbeitern einen Zusatzlohn gewähre.

Wichtig sei außerdem, dass alle Teammitglieder den Bonus erhielten. Bei dem Feldexperiment konnte Friebel nicht bewirken, dass auch geringfügig Beschäftigte die Zusatzgehälter gezahlt bekamen. „In Teams mit einem hohen Anteil an Mini-Jobbern hatte das Bonussystem keinen Effekt.“ Er habe sich vorgestellt, dass die anderen Mitarbeiter den Mini-Jobbern unter der Hand etwas vom Team-Bonus abgeben würden. „Das kam aber nicht vor. Mich hat das ziemlich überrascht.“

Quelle: F.A.Z.
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