FAZ plus ArtikelCannabis auf Kassenrezept

Patienten warten auf Cannabis-Blüten

Von Marie Lisa Kehler
 - 08:25

Seinen ersten Joint raucht Heiko Herzog, bevor er morgens das Haus verlässt. Mindestens ein weiterer wird bis zur Mittagspause folgen. Der 37 Jahre alte Frankfurter leidet unter dem Tourette-Syndrom. Seit einem Jahr bezieht er getrocknete Cannabis-Blüten auf Krankenkassenrezept – zumindest theoretisch. Praktisch muss er auf dem illegalen Markt Cannabis zukaufen. Herzog macht sich dadurch strafbar. Auch deshalb will er seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen. Zwar trat im März 2017 ein Gesetz in Kraft, das den Einsatz von Cannabis-Arzneimitteln als Therapiealternative regelt. Seither ist die Nachfrage in Deutschland aber so rapide gestiegen, dass es Lieferengpässe gibt. Besonders knapp sind getrocknete Cannabis-Blüten.

Vor einem Jahr noch verband Heiko Herzog mit der Gesetzesänderung die Hoffnung, nicht mehr auf den Kosten für die Therapie sitzenzubleiben. Er war einer von etwa 1000 Patienten bundesweit, die schon vor 2017 Cannabis legal konsumieren durften. Zahlen musste er die Therapie aber aus eigener Tasche. Sein Erspartes investierte er in Cannabis-Blüten. Das ist noch immer so. „Uns ist bekannt, dass Lieferengpässe von medizinischem Cannabis durch den sprunghaft angestiegenen Bedarf entstanden sind“, bestätigt Denise Jacoby, Sprecherin der Techniker Krankenkasse. Cannabis-Blüten in medizinischer Qualität müssten zur Zeit aus Kanada und den Niederlanden importiert werden.

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Quelle: F.A.Z.
Marie Lisa Kehler
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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