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Champions League

Europäische Verwicklungen

Von Peter Heß
 - 08:00

Bei der Frankfurter Eintracht spinnt keiner, das Wort Champions League nimmt keiner unbedacht oder auf einer rosa Wolke schwebend in den Mund. Aber es ist nun einmal so. Nach dem 22. Spieltag steht der hessische Traditionsklub auf dem vierten Tabellenplatz der Fußball-Bundesliga, der zur Teilnahme an der Königsklasse berechtigt. Und natürlich kann man sich mit der Frage beschäftigen, was wird auf den Verein einstürzen, wenn die Mannschaft diesen Rang bis Saisonende verteidigt? Ist die Eintracht auf die Champions League vorbereitet?

Organisationstechnisch ist die Abwicklung kein Problem, die Frankfurter WM-Arena wurde für große Ereignisse gebaut, die Infrastruktur ist königsklassentauglich. Die Mannschaft auch? Sicher nicht, wenn der Anspruch erhoben würde, die K.o.-Runde zu erreichen. Aber für ein paar Pünktchen sollte die Eintracht gut genug sein, wie es in der vergangenen Gruppenphase Qarabag, Olympiakos Piräus, Feyenoord Rotterdam und Apoel Nikosia waren. Wie die Mannschaft mit der Doppelbelastung Europapokal und Bundesliga zurecht kommen wird, ist allerdings ein andere Frage. Nicht jeder Emporkömmling geriet in solch große Schwierigkeiten wie der 1. FC Köln in dieser Spielzeit. Aber Rückschläge im Ligabetrieb mussten in der Vergangenheit fast alle hinnehmen, die sich nach Europa verirrten, ob sie nun Augsburg, Hertha, Freiburg oder Mainz hießen. Und auch die Eintracht hatte Mühe in ihrer Europa-League-Saison 2013/14 mit den Höhepunkten gegen Bordeaux und Porto, ihr Klassenziel in der Bundesliga zu erreichen.

Höherer finanzieller Spielraum

20 Millionen Euro Minimum beträgt der finanzielle Gegenwert, Mitglied der fußballerischen Königsfamilie zu werden. Ein Betrag, der dazu verführen könnte, durch eine Offensive auf dem Transfermarkt ein paar Entwicklungsschritte auf einmal zu unternehmen. Aber die Beispiele einiger Bundesligavereine zeigen, dass ein zweistelliger Millionenbetrag schnell ausgegeben werden kann, ohne eine großartige sportliche Verbesserung des Kaders herbeizuführen.

Sicherer wäre das Geld aus der Champions League in die eigenen Spieler investiert, in die vorzeitige Vertragsverlängerung mit Anhebung der Gehälter. Bei Haller, Gacinovic, Mascarell, Fabian und Chandler weiß die Eintracht, was sie an ihnen hat. Diese Spieler sind bei der Konkurrenz heiß begehrt und werden im Sommer lukrative Angebote erhalten. Genauso wie die Aufsteiger der Saison, die allesamt auf Leihbasis gekommen sind und bei denen die Eintracht die Kaufoption gezogen hat, beziehungsweise noch ziehen wird: Marius Wolf, Ante Rebic und Carlos Salcedo.

Die Eintracht hat den Geldsegen aus der Champions League oder den Geldregen aus der Europa League nötig, um den ganz großen Umbruch im Kader zu vermeiden. Denn ohne die Chance, finanziell nachzulegen (und international zu spielen), wird sie einige ihrer Stammkräfte, die zum kräftigen Aufschwung in dieser Saison beigetragen haben, nicht überzeugen können, zu bleiben.

Schwierigkeiten in der Kaderplanung

Nur drei Verträge von Eintrachtprofis laufen in diesem Sommer aus, es handelt sich dabei aber um in der Vergangenheit prägende Figuren. Torjäger Alexander Meier und Verteidigungskünstler Makoto Hasebe haben schon aufgrund ihres Alters keine große Zukunft mehr bei der Eintracht. Eine Verlängerung um jeweils ein Jahr steht in der Diskussion. Bei Meier eher mit skeptischem Unterton. Der 35 Jahre alte Mittelstürmer muss nach jahrelanger Verletzungsmisere in den Monaten bis zum Saisonende wieder nachweisen, dass er dem Klub in der ersten Liga noch helfen kann. Hasebe beweist das Woche für Woche, doch die Konstitution seines Körpers, vor allem seiner Knie, ist nicht über jeden Zweifel erhaben. Dass Torwart Lukas Hradecky nach all den zähen Verhandlungen der vergangenen anderthalb Jahre doch noch eine neuen Kontrakt mit der Eintracht unterschreiben wird, gilt als ausgesprochen zweifelhaft. Da wurde einiges an Porzellan zerschlagen.

Aber die Kaderplanung für die kommende Saison ist ohnehin so diffizil, dass es schon gar nicht mehr darauf ankommt, ob nun auch noch ein neuer Torwart gesucht werden muss oder nicht. Die Scouting-Abteilung muss Transfers auf quasi allen Positionen vorbereiten. Wie viele davon dann realisiert werden, entscheidet maßgeblich, auf welchem Tabellenplatz die Eintracht ins Ziel kommen wird. Mit dem Einzug nach Europa hätte die Eintracht ein gutes Argument, ihre Hauptdarsteller für ein weiteres Jahr an sich zu binden. Dann könnte immer noch der Schritt zu einem neuen, größeren Klub erfolgen. Für eine noch höhere Ablöse. Denn Sportvorstand Fredi Bobic verfolgt nicht die Strategie seines Vorgängers Heribert Bruchhagen, eine Mannschaft möglichst lange zusammen zu halten. Bobic trat an, mit dem Anspruch, „Werte zu schaffen.“ Und das geht mit Handel und Wandel.

Quelle: F.A.Z.
Peter Heß
Sportredakteur.
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