Band-Jubiläum

Die gute alte Zeit

Von Christian Riethmüller
 - 10:27

Die gute alte Zeit im Frankfurter Umland waren vor 35 Jahren die Freitagabende. Dann, wenn die Fußballer oder die Sänger, die Briefmarkenzüchter oder die Hinkelsammler irgendein Jubiläum ihrer Vereine feierten und dabei auch an die Jugend dachten. Für die wurden freitags Veranstaltungen organisiert, die bis weit in die achtziger Jahre hinein absurderweise Beat-Abende hießen. Als wären dort jemals irgendwelche Beat-Gruppen aufgetreten. Stattdessen standen die Chancen gut, an diesen Freitagabenden hessische Gruppen wie Flatsch!, Hob Goblin, Feinbein oder die Crackers zu erleben. Noch wahrscheinlicher war es aber, dass die Rodgau Monotones ein Festzelt zum Wackeln brachten, galten die doch als die massentauglichsten unter den regionalen Bands, weshalb sie bevorzugt gebucht wurden.

40 Jahre ist es nun her, dass die Rodgau Monotones, die sich Ende des Jahres 1977 gegründet hatten, erstmals aufgetreten sind (bei einer Faschingsveranstaltung in Offenbach), und wenn die Band heute noch verehrt wird, hat das gewiss mehr mit der einige Jahre dauernden Ochsentour rund um Frankfurt herum zu tun als mit späteren Hitparadenerfolgen und der inoffiziellen Hessen-Hymne „Die Hesse komme!“. Die darf auch heute noch bei keinem Konzert fehlen, und erst recht nicht beim „Verrzisch“ betitelten Jubiläumskonzert in der seit Wochen ausverkauften Stadthalle in Offenbach. Dort sind die Fans nicht nur auf die Rodgaus aus, die ja ohnehin noch regelmäßig Konzerte geben, sondern vor allem auch auf die Gäste, die an solch einem besonderen Abend erwartet werden dürfen.

„Die gute alte Zeit“

Und es sind tatsächlich viele musikalische Gäste, die die heute Wampe tragenden Vertreter der Turnschuhgeneration im Publikum in die Zeit zurückversetzen, als sie noch „starke Kerle“ waren, „jung und schön“, und so auf „Klassenfahrt zum Titisee“ gingen, wie der frühere Crackers-Frontmann Lothar Pohl im allgemeinen Jubel anstimmt.

Ja, das war die „Gute alte Zeit“, wie wenig später die Flatsch!-Urgesteine Gerd Knebel, Olaf Mill und Sepp’l Niemeyer mit dem gesamten Saal in Erinnerung schwelgen, wie überhaupt im gut dreieinhalbstündigen Programm immer wieder die Vergangenheit beschworen wird. Mancher Konzertbesucher kann dabei sogar noch etwas lernen, etwa den Titel der allerersten Single der Rodgau Monotones. Da ist nämlich nicht, wie im Saal allgemein angenommen, das Lied „Ei Gude Wie“ drauf, sondern eine rockige Version von Drafi Deutschers „Marmor, Stein und Eisen bricht“, was erklären dürfte, warum Roy Hammer bei seinem Gastauftritt ausgerechnet dieses Lied anstimmt.

Auf der Nostalgiewelle durch den Abend

Für schräge Saxofontöne dazu sorgt das bekannteste Ex-Mitglied der Rodgau Monotones, Henni Nachtsheim, der es sich auch nicht nehmen lässt, einige seiner alten Monotones-Lieder wie „Hallo ich bin Hermann“ oder „Der kleine Pirat“ selbst zu singen. Die zweite Stimme zu den von Peter Osterwold vorgetragenen Hits der Band übernimmt er aber nicht mehr. Das ist seit langem die Aufgabe der stimmgewaltigen Kerstin Pfau, die bei den meisten neueren Monotones-Songs die Leadstimme übernimmt, aber auch gern einem weiteren Gast gesanglich assistiert.

Das ist der famose Liederschmied Stoppok, der den Rodgau Monotones einen Song zum jüngsten Album „Genial“ spendiert hat. Den gibt es zu hören, dazu noch mit „Wetterprophet“ und „Dumpfbacke“ zwei Stoppok-Klassiker, die in der Hitparade aber schon bald von der nächsten Mitsing-Hymne verdrängt werden, kommt doch wenig später Wolfgang Niedecken auf die Bühne gestiefelt, um mit Bruce Springsteens „Hungry Heart“, dem immer aktuellen „Arsch huh, Zäng ussenander“ und schließlich „Verdamp lang her“ die Nostalgiewelle so anwachsen zu lassen, dass die Rodgaus diese mit ihren eigenen Hits wie „Frach mich net“ und „Volle Lotte“ souverän zum Triumph reiten können: ein richtig hysterisches Fest. Wie einst.

Quelle: F.A.Z.
Christian Riethmüller
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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