Kommentar zum SPD-Kandidaten

Die letzte Chance für Schäfer-Gümbel

Von Matthias Alexander
 - 18:41

Thorsten Schäfer-Gümbel zum Dritten. Dass der Mann aus Lich von den hessischen Sozialdemokraten abermals zum Spitzenkandidaten gekürt wird, ist keine Überraschung. Seine bisherigen Wahlergebnisse sind respektabel. Nach dem Ypsilanti-Desaster gelang es ihm, den freien Fall der Partei zu stoppen, 2013 dann führte er sie auf ein gutes Niveau zurück.

Die Aussichten der SPD für die Wahl im Herbst 2018 sind schwer abzuschätzen. Zwar wurde nach der herben Niederlage bei der Bundestagswahl versprochen, man habe das Signal der Wähler verstanden. Doch Zweifel sind angebracht. Die Gretchenfrage für die SPD lautet, wie sie es mit der Zuwanderung hält. Eine wichtige Stammklientel ist in Stadtteilen zu Hause, in denen die Folgen misslingender Integration spürbarer sind als in den Quartieren, die etliche Vordenker der Partei als Wohnort bevorzugen. Das Gefühl der Überfremdung wird sich mit noch mehr sozialpolitischen Versprechungen allein nicht heilen lassen.

Charisma und politisches Kampfgewicht

Schäfer-Gümbel ist zwar stellvertretender Bundesvorsitzender, aber nicht in der Position, grundlegende Debatten in seiner Partei anzustoßen. Dazu fehlen ihm Charisma und politisches Kampfgewicht, das erst ein Regierungsamt verleiht. Die hessische SPD muss zuvörderst darauf hoffen, dass Jamaika in Berlin zustande kommt und sich anschließend schwertut. Das könnte den Gegentrend zur SPD in den Ländern verstärken, der sich schon bei der Niedersachsen-Wahl bemerkbar gemacht hat.

Die schwarz-grüne Koalition in Hessen zu stellen ist ein schwieriges Unterfangen. Mit den gewaltigen Steuereinnahmen kann sie Wohltaten beinahe nach Belieben verteilen. Für die SPD wird es darauf ankommen, Versäumnisse anzusprechen, etwa in der Wohnungspolitik und in der Förderung der Infrastruktur auf dem platten Land. Kompetenz und Fleiß, in diese Kerben zu schlagen, bringt Schäfer-Gümbel durchaus mit. Aber auch hier hat das Kabinett von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) noch Zeit, Zeichen zu setzen.

Was nicht zu vermitteln wäre

Und selbst wenn Schäfer-Gümbel ein sehr gutes Ergebnis erzielt, ist es fraglich, wie die Grünen optieren, wenn sie zwischen CDU und SPD als Koalitionspartner wählen können. Ihre Beziehung zur CDU ist in vier Jahren durchaus eng geworden.

Es hat schon Kandidaten mit besseren Aussichten gegeben. Für Schäfer-Gümbel persönlich ist es die vorerst letzte Chance, zu einem politischen Hauptdarsteller zu werden. Eine vierte Spitzenkandidatur in Hessen wäre nicht zu vermitteln. Und in Berlin gibt es für die SPD auf absehbare Zeit wohl nichts zu verteilen.

Quelle: F.A.Z.
Matthias Alexander - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Matthias Alexander
Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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