Großer Diktatwettbewerb

Ein Tikitaka der Rechtschreibung

Von Matthias Trautsch
 - 14:49
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Das Schönste sind immer die Diskussionen nach dem Spiel – pardon – dem Diktat. „Das kann doch nicht wahr sein!“, empört sich da einer, dem es partout nicht in den Kopf will, dass „aufs Geratewohl“ gerade nichts mit „gerade“ zu tun hat, sondern der wohlgeratenen Wortverwandtschaft entsprechend mit einem mit hartem t geschrieben wird. So steht es im Duden, und so erklärt es dessen oberste Hüterin, Chefredakteurin Kathrin Kunkel-Razum, den Teilnehmern des Bundesfinales im Großen Diktatwettbewerb. Ihr Wort gilt so viel wie das eines Schiedsrichters – und eigentlich noch mehr, denn anders als im Fußball gibt es in der offiziellen Orthographie eine klare Unterscheidung zwischen falsch und richtig.

Ein Videobeweis ist also nicht vorgesehen, im Übrigen haben Ball- und Sprachsport aber einiges gemein. Ganz besonders an diesem Abend im Goethe-Gymnasium: Die für den Diktatwettbewerb verantwortliche Stiftung Polytechnische Gesellschaft hat die Aula entsprechend der kurz bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft geschmückt, unter anderem mit der Torwand aus dem Aktuellen Sportstudio und einer Auswechselbank für Teilnehmer, die beim Nachbarn spicken. Aber das hat kaum einer der 280 hochmotivierten Rechtschreib-Asse nötig, die sich über lokale Wettbewerbe für das Finale qualifiziert haben und in den Hauptkategorien Schüler, Eltern und Lehrer, in diversen Publikumswertungen und in einem Uni-Team antreten.

Mit der richtigen Taktik zum Sieg

So viel vorweg: Auf dem Feld der Orthographie ist „kopfloses Nach-vorn-Spielen“ sicher die falsche Taktik, womit wir auch schon bei einer zentralen Herausforderung des Wettbewerbs wären, nämlich der Groß- und Klein- sowie Zusammen- und Getrenntschreibung. Grundsätzlich gilt, dass bei Wortzusammensetzungen, die Aneinanderreihungen oder Wortgruppen enthalten, der Bindestrich gesetzt wird, und zwar zwischen allen Teilen. Dabei wird das erste Wort großgeschrieben und das letzte ebenso, vorausgesetzt, bei diesem handelt es sich um ein Substantiv oder eine Substantivierung.

Das Final-Diktat
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© Ly, Martin, FAZ.NET

Alles klar? Wenn nicht, ist es auch nicht schlimm, es handelt sich schließlich um einen Kaventsmann der Rechtschreibung, also etwas Mächtiges, vor dem man sich seiner Herkunft vom lateinischen „cavere“ gemäß in Acht nehmen sollte. In der Seemannssprache bezeichnet das Wort auch einen Wellenberg, der aus zwei aus verschiedenen Richtungen anbrandenden Wellen besteht und deshalb Schiffen sehr gefährlich werden kann.

Mit weit geringeren Wassermengen hat das Verb „dribbeln“ zu tun, es kommt nämlich vom englischen „to dribble“, was tröpfeln heißt. Einen Ball zu dribbeln bedeutet also, ihn durch kurze Stöße, quasi tröpfchenweise, am Fuß zu führen. Die Herkunft des Begriffs aus dem Mutterland des Fußballs ist dabei kein Zufall, ebenso wenig wie der Ursprung des „Athleten“ im alten Griechenland oder der noch recht junge sportsprachliche Import „Tikitaka“ aus dem Spanischen, der laut Kunkel-Razum zwecks besserer Lesbarkeit auch ein „Tiki-Taka“ sein darf.

Meister der Rechtschreibung

Was der FC Barcelona im Kurzpassspiel, das ist Andreas Klik in der Rechtschreibung. Dem Lehrer, der an der Beruflichen Schule für Spedition, Logistik & Verkehr in Hamburg unterrichtet, unterliefen im Diktat, in dem 51 orthographische Hürden versteckt waren, nur drei Fehler. Klik wurde somit Gesamtsieger. Es folgte Joachim Schieb vom Franziskanergymnasium Kreuzburg aus Großkrotzenburg, dem vier Fehler unterliefen. Bei den Schülern teilten sich Lukas Geßl vom Hans-Carossa-Gymnasium Landshut und Paul Rohwedder von der Wichern-Schule Hamburg den ersten Platz mit jeweils sieben Fehlern. Die Ehre der Gastgeberstadt verteidigte Heike Haug von der Frankfurter Bettinaschule, die in der Eltern-Kategorie mit sechs Fehlern gleichauf mit den Hamburgerinnen Ute Stork vom Gymnasium Ohlstedt und Martina Zietz vom Gymnasium Bondenwald lag.

Die durchschnittliche Gesamtfehlerzahl betrug 17,6 – das nur als Anhaltspunkt für alle, die ihre Rechtschreibkenntnisse einmal selbst auf die Probe stellen wollen. Denn im Schreiben gilt wie im Fußball: Übung macht den Meister. Wobei man manchmal auch Glück haben darf. Wie jene Schülerin, die bei „Pep“ an Pep Guardiola dachte, was inhaltlich falsch ist, da das Wort vom englischen „pepper“ (Pfeffer) kommt, aber gerade deshalb zur richtigen Schreibweise führte.

Quelle: F.A.Z.
Matthias Trautsch
Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.
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