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Direktwahl

Mit Kräppel und Kosename zur Wiederwahl

Von Luise Glaser-Lotz
 - 10:43
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Die Gemeinde Schöneck ist ein schönes Eck zum Leben und zum Wohnen. Im Grünen gelegen, ist es nicht weit nach Hanau, nach Frankfurt und bis zum aufstrebenden Bad Vilbel, das demnächst noch mit einer großen Therme lockt und Hessentagsstadt 2020 sein wird. Dann haben die rund 12 000 Bewohner Schönecks das Kulturereignis quasi vor der Haustür, mit dem Trubel aber müssen die anderen fertig werden. Doch ganz so leicht ist es mit der Nachbarschaft der großen Städte auch nicht. Zwar ist das Wohnen in Schöneck etwas günstiger als etwa in Bad Vilbel, dafür sind die Wege beispielsweise in die Metropole Frankfurt notorisch verstopft. Wer mit dem Auto über die Landesstraße 3008 fährt, steht vor allem in den Stoßzeiten lange im Stau.

Auch die Bahn bietet keine entspannte Atmosphäre. Zwar besitzt Schönecks Ortsteil Kilianstädten einen Bahnanschluss nach Frankfurt, aber die Nutzer klagen über Verspätungen und viel zu volle Züge. Der Nahverkehr ist eines der drängenden Themen, mit denen Cornelia Rück tagtäglich zu kämpfen hat. Dabei greift die 61 Jahre alte Sozialdemokratin, die seit dem Jahr 2012 auf dem Chefsessel im Schönecker Rathaus sitzt, gelegentlich zu ungewöhnlichen Mitteln. Vor ein paar Tagen etwa verteilte sie gemeinsam mit ihrem Amtskollegen Klaus Büttner (SPD) und dem grünen Ersten Stadtrat von Nidderau, Rainer Vogel, Kräppel an die Autofahrer, die im morgendlichen Stau auf der Landstraße in Richtung Bad Vilbel feststeckten. Mit ihrer Aktion wollten die drei Kommunalpolitiker auf die Verkehrsmisere aufmerksam machen und der Bahn sowie den Straßenplanern Beine machen.

Für Cornelia Rück wird zudem die am Sonntag anstehende Bürgermeisterwahl eine Rolle gespielt haben. Wirklich fürchten muss sie um ihren Posten allerdings nicht, denn sie muss sich gegen lediglich einen Mitbewerber durchsetzen, den 46 Jahre alten Björn-Magnus Becker, der für die Wahlalternative Schöneck und die Freie Wählergemeinschaft in den Ring gestiegen ist. Weitere Bewerber gibt es nicht, wohl weil sich die anderen Parteien keine großen Chancen gegen die Amtsinhaberin ausrechnen. In der Gemeindevertretung hat die SPD die Mehrheit, die CDU zieht mit ihr an einem Strang wie kürzlich bei der Verabschiedung des Haushalts.

Vor sechs Jahren musste Cornelia Rück in dem traditionell sozialdemokratisch geführten Schöneck noch drei weitere Bewerber aus dem Rennen schlagen. Erst in der Stichwahl setzte sich die damalige Vorsteherin der Gemeindevertretung gegen den CDU-Kandidaten Daniel Kropp durch. Rück trat anschließend die Nachfolge des ebenfalls sozialdemokratischen Bürgermeisters Ludger Stüve an, der als Direktor zum Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main berufen worden war.

In der Gemeinde hat die gebürtige Frankfurterin, Mutter zweier erwachsener Kinder und gelernte Bankkauffrau inzwischen Wurzeln geschlagen. Im Jahr 1987 hat es sie aus familiären Gründen ins „Ländliche“ gezogen, wie sie es formuliert. Inzwischen kennt sie sich gut aus mit den Herausforderungen, die es in einer aus drei dörflich geprägten Ortsteilen zusammengewachsenen Gemeinde so gibt. Dazu zählt nicht zuletzt die Infrastruktur in den Ortsteilen, wo es teilweise an Einkaufsmöglichkeiten fehlt oder an ausreichender ärztlicher Versorgung. Vor allem hier will Rück in einer nächsten Amtszeit Abhilfe schaffen. Bei den Bürgern gilt die Bürgermeisterin als beliebt, „Conny“ lautet im Volksmund ihr Vorname. Das heißt nicht, dass ihr in der ersten Amtszeit nicht auch gelegentlich ein rauher Wind entgegengeweht ist. Etwa, als es um die Verkaufspläne für das renovierungsbedürftige Alte Schloss im Ortsteil Büdesheim ging, der nahezu zwei Millionen Euro in die Gemeindekasse spülen soll.

An vorderster Stelle der Bürger, die sich gegen den Verkauf organisierten, stand Rücks Herausforderer Björn-Magnus Becker. Der parteilose Familienvater und Bauingenieur aus Büdesheim hat den Vorsitz „Rettung Altes Schloss Büdesheim“ mit Blick auf seine Kandidatur inzwischen aufgegeben. An dem Ziel, den Verkauf an einen Investor zu verhindern, hält er aber fest. Eine Vision, die er außerdem für Schöneck hat, ist die Schaffung einer neuen Mitte für den Ort nach dem Vorbild der Nachbarkommune Nidderau.

Quelle: F.A.Z.
Luise Glaser-Lotz
Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.
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