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Ein Jahr nach Teheran-Reise

So mancher Mittelständler trotzt Trumps Iran-Politik

Von Thorsten Winter
 - 17:48
Hält an Iran-Geschäft fest: Unternehmer Stephan Welp, Anbieter von Hochleistungs-Scannern will Kontakte in Teheran ausweiten Bild: Wolfgang Eilmes, F.A.Z.

Adolf Walth hat nicht lange gefackelt. Kaum war Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt, hat Walth alle gerade erst errichteten Brücken nach Iran wieder abgebrochen. Monatelang hatte der Iran-Beauftragte des Industriegase-Herstellers Messer Group mit Sitz in Bad Soden gemeinsam mit der iranischen Frau eines Mitarbeiters in der Schweiz alte Kontakte wiederaufleben lassen, die durch das jahrelange Wirtschaftsembargo gegen Iran eingeschlafen waren. Im Juli vergangenen Jahres, ein halbes Jahr nach dem Ende der Sanktionen, war eine Delegation des Unternehmens mit drei Aufträgen von iranischen Gase-Anbietern aus der Hauptstadt Teheran zurückgekehrt. Doch seit Trumps Wahl ist alles anders.

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Amerika behält sich Strafen gegen Firmen mit Geschäftskontakten nach Iran vor. Das trifft etwa für Fälle zu, in denen der jeweilige iranische Geschäftspartner mit Personen in Verbindung gebracht wird, die in den Vereinigten Staaten nicht wohlgelitten sind. Das gilt zum Beispiel für Angehörige der Revolutionsgarden, der paramilitärischen Organisation zum „Schutz des Regimes“ in Teheran, der großer Einfluss auf das Wirtschaftsleben in Iran nachgesagt wird. Nun ist aber nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich, ob ein Mitglied dieser Gruppe ein Gesellschafter eines Betriebs ist.

„Trumps Politik ohne Einfluss auf uns“

Vor diesem Hintergrund tun sich Banken und Unternehmen, die auch Geschäfte mit Amerika machen, mit Iran schwer. Trumps Auftritt vor der Vollversammlung der Vereinigten Nationen in dieser Woche, in dessen Verlauf er Iran als „Schurkenstaat“ beschimpft hat, dürfte diese Zurückhaltung weiter befördern. Und Walth in der Auffassung bestärken, dass seine Kehrtwende richtig gewesen ist. Der Messer-Mann hat sämtliche Verträge mit iranischen Unternehmen an kleine Firmen weitergereicht, wie er mit Bedauern sagt.

Bei der Hessen Trade & Invest GmbH heißt es: „Grundsätzlich müssen wir feststellen, dass das Interesse an Iran von Seiten der Unternehmen spürbar nachgelassen hat.“ So meldeten sich weniger Firmen als 2016 für Messen an.

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Dagegen lässt sich Stephan Welp nicht von dem Gepolter des amerikanischen Präsidenten einschüchtern. Der geschäftsführende Gesellschafter von Microbox in Bad Nauheim will seine Hochleistungs-Scanner, die schon in 2300 Bibliotheken verschiedener Ländern stehen, auch in Iran weiterhin verkaufen. Im vergangenen September war Welp einer jener Mittelständler aus Hessen, die Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) nach Teheran begleiteten. Dort geriet er an eine Frau, die im Tee-Geschäft tätig ist. „Tee ist nicht so mein Ding“, sagt der Unternehmer. Gleichwohl verschaffte er der Iranerin einen Geschäftskontakt in Deutschland. Im Gegenzug bot sich die Frau ihm als Mitarbeiterin in ihrem Heimatland an. Im Oktober kommt sie nun zu Microbox. Dort soll sie etwas über Vertrieb und Marketing der Wetterauer Firma lernen – und anschließend in Iran für den Vertriebspartner Welps arbeiten. Neue Geschäfte erhofft er durch die Absicht der Iraner, die Justiz nach und nach zu digitalisieren. Zu diesem Zweck müssten ungezählte Gerichtsakten gescannt werden.

Der Anteil von Amerika am Umsatz der Microbox GmbH ist in der Zwischenzeit gesunken, von fünf auf ein Prozent. „Rücksicht auf die Iran-Politik Trumps ist da nicht nötig“, sagt der Geschäftsführer und fügt hinzu: „Das hat auf uns keinen Einfluss, die Welt ist groß.“ Sein Unternehmen habe auf anderen Märkten gut zu tun.

Auch Nader Maleki, Veranstalter der Euro Finance Week und Brückenbauer nach Iran, kommt mit seinen Projekten nach eigenen Angaben voran. Er hat die Maleki International Services for Finance GmbH gegründet und den ehemaligen Chef der Targobank, Franz-Josef Nick, als Geschäftsführer gewonnen. Die neue Firma soll iranische Finanzdienstleister beraten. Zudem hat Maleki nach seinen Worten eine Vereinigung iranischer Banken in Europa initiiert, die ein früherer Vorstandschef der iranisch-europäischen Handelsbank mit Sitz in Hamburg führt. Er selbst sei dessen Stellvertreter, sagt Maleki.

Die Vereinigung habe ihren Sitz im Westend und stehe vor der Eintragung ins Vereinsregister. Ihre Gründung folge der Erkenntnis, dass auch Banken erst gemeinsam stark seien. So könnten die Mitglieder, die in Europa zusammen über Milliarden Euro verfügten, im Verein die Finanzierung teurer Investitionsprojekte in Iran garantieren. Unabhängig davon stehen laut Maleki zwei iranische Banken davor, Niederlassungen am Main zu eröffnen. Es handele sich dabei um die private Saman Bank und die Parsian Bank. Sie gesellen sich zu der Sepah Bank an der Hafenstraße und der Bank Saderat an der Friedensstraße. Die Bank Melli, nach eigenen Angaben die größte Geschäftsbank Irans, hat schon Hamburg als Standort für ihre Deutschland-Filiale gewählt.

Unternehmer in Sinn beweist Geduld

Für nächstes Jahr plant der Hofheimer Unternehmer Gottfried Scholz, den Vertrieb in Iran aufzunehmen. Scholz baut und verkauft Regalsysteme. Er wäre gern schon früher in diesem Land auf den Markt gegangen, hat allerdings nicht auf Anhieb den richtigen Partner gefunden. Während der Delegationsreise mit dem hessischen Wirtschaftsminister lernte er einen iranischen Regalbauer kennen, doch ist dieser Mann aus seiner Sicht nicht der richtige Partner. Regale seien in Iran rar. Gebe es welche, würden sie dem Anbieter aus den Händen gerissen. „Das ist ein Käufermarkt.“ Im Umkehrschluss bedeutet das: Ein Hersteller muss sich nicht anstrengen, seine Ware unters Volk zu bringen. Schon gar nicht muss er für Fremdprodukte in seinem Portfolio werben. Deshalb will Scholz seine Regale künftig bei einer Spedition in Teheran einlagern und über einen reinen Vertriebspartner verkaufen.

Dass gut Ding im Zweifel etwas mehr Weile als gedacht braucht, stellt auch Hans-Ludwig Blaas fest. Der geschäftsführende Gesellschafter der Holzapfel Metallveredlung GmbH aus Sinn strebt nach wie vor eine Kooperation mit einer Firma in Iran an. Während der Delegationsreise kamen Einheimische auf ihn zu, die Holzapfel schon kannten. Auch besuchte Blaas dort einen Betrieb. Der Gegenbesuch zögerte sich aber hinaus. Auch eine Marktanalyse aus Teheran hat er nicht so rasch bekommen wie erhofft. „Wir sind aber in Kontakt und hoffen auf baldige Informationen aus Teheran“, sagt der Mittelständler. Und: „Die ,Trump-Politik‘ war auch am Rande der Diskussionen ein Thema. Dabei hatte ich aber das Gefühl, dass wir als Deutsche offener und selbstbewusster mit diesem unvermeidbaren Thema umgehen, als die Iraner es tun oder gewohnt sind.“

Quelle: F.A.Z.
Thorsten Winter
Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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