FAZ plus ArtikelEin Veterinär erzählt

So fühlt es sich an, ein Tier einzuschläfern

Von Patricia Andreae
 - 11:57

Der Tod gehört zu seinem Alltag. Und dennoch, sagt Tierarzt Otto Doermer, gehe er ihm jedes Mal nahe. Durchschnittlich zwei- bis dreimal in der Woche muss er einem Tierbesitzer sagen, dass seinem Liebling nicht mehr zu helfen ist. „Meist kommt das für die Besitzer nicht aus heiterem Himmel.“ Schwer aber sei es immer.

Selten kommen Tierbesitzer nur für diesen letzten ärztlichen Eingriff in seine Praxis. „Manchmal haben sie schon von einem Kollegen gehört, dass es keinen anderen Weg gibt, und wollen eine zweite Meinung – in der Hoffnung, dass ich ihnen sage, ihr Tier habe noch ein paar gute Jahre vor sich.“ Das sei in der Regel aber nicht der Fall. Immer wieder werde er gefragt, ob es denn wirklich schon der richtige Zeitpunkt sei. „Meistens ist der aber schon überschritten“, sagt der 57 Jahre alte Veterinär. Aber so könne man das dem trauernden Halter natürlich nicht sagen. Die wollten nicht wahrhaben, dass ihr Liebling sich nur noch quäle. „Manchmal stehen Dutzende Dosen mit unterschiedlichen Sorten Katzenfutter in der Wohnung, weil die Besitzer hoffen, dass das Tier irgendeines davon annimmt, aber es hat längst aufgegeben und will nichts mehr fressen.“

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Quelle: F.A.Z.
Patricia Andreae
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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