Eintracht Frankfurt

Hrgota hat Appetit auf mehr

Von Ralf Weitbrecht, Frankfurt
 - 08:14

Flexibel muss man sein. Vor allem, wenn man Stürmer ist „und möglichst alle Spiele machen will“. Branimir Hrgota will auf so viele Einsätze wie möglich kommen, und, ja, er ist flexibel. „Ich spiele dort, wo mich der Trainer aufstellt. Er weiß am besten, wo ich der Mannschaft helfen kann.“ Sätze, die Niko Kovac gerne vernehmen dürfte, denn nicht erst seit Mittwoch erfreut sich der 24 Jahre alte Angreifer großer Sympathie beim Eintracht-Trainer. In guten wie in weniger guten Tagen: „Ich finde es gut, dass der Trainer mich beschützt und sich vor mich stellt.“

Kovac hätte in den zurückliegenden Monaten die Möglichkeit gehabt, sich kritisch über Hrgota nach wenig erbaulichen Vorstellungen zu äußern. Doch er tat es nicht. Immer wieder setzte Kovac auf die Dienste des Schweden, der es in der zurückliegenden Bundesligasaison auf 28 Spiele brachte. Seine Ausbeute: fünf Tore. Nicht unbedingt zum Zungenschnalzen. Doch Hrgota weiß: „Nur einer aus der Mannschaft hat mehr Tore als ich geschossen.“ Dieser eine ist Marco Fabián. Der kleine Mexikaner, 24 Mal erstklassig zum Einsatz gekommen, war siebenmal erfolgreich.

Erstrundenpartie in Siegen

Dass weitere Treffer in naher Zukunft dazukommen, ist ausgeschlossen. Der seit längerem schon unter Problemen an der Lendenwirbelsäule leidende Fabián fällt zumindest die nächsten zwei Monate aus. Und weil sich auch der an Borreliose erkrankte Alexander Meier mit seiner Rückkehr gedulden muss, ist es an den anderen Angreifern, Tore zu erzielen. Hrgota fühlt sich dieser Aufgabe gewachsen, wie er voller Optimismus am Mittwoch sagte. „Und wenn es mal nicht laufen sollte – kein Problem: Auch dann geht das Leben weiter“, sagte der Schwede fast schon philosophisch.

Dafür geht es mit der sommerlichen Vorbereitungsphase dem Ende entgegen. Der Eintracht, die einst nach dem Urlaub im Sportpark Dreieich am 1. Juli vor großem Publikum die Arbeit aufgenommen hatte, bleiben nur noch die Übungstage an diesem Donnerstag und am Freitag, um am letzten Feinschliff für das erste Pflichtspiel der neuen Saison zu feilen. Trainer Kovac wird dies mit der ihm bekannten Akribie tun, und wenn er den Entscheidungsprozess abschließt, welcher Frankfurter Fußballprofi am Samstag beim DFB-Pokal dabei sein darf, will Hrgota zu den elf Auserwählten gehören.

Die Aufgabe, die vor der Eintracht steht, dürfte der Mannschaft im Normalfall keine Kopfschmerzen bereiten. TuS Erndtebrück hat gerade als Oberligameister den Sprung in die Regionalliga West geschafft. Und weil der eigene Sportplatz nicht den Anforderungen genügt, vor etlichen Tausenden Zuschauern Fußball zu spielen, findet die Erstrundenpartie an diesem Samstag im Siegener Leimbachstadion statt (15.30 Uhr).

Erfolg gerne zur Tagesordnung

Ein wichtiges Spiel nicht nur für die Eintracht, die in der vergangenen Saison den Sprung bis ins Berliner Pokalfinale geschafft hatte. Ein wichtiges Spiel auch für die Profis, die erste Spuren hinterlassen wollen. „Keine Frage, das Wochenende ist sehr wichtig für uns“, sagte Hrgota. „Es ist unser erstes Pflichtspiel. Jeder will sich zeigen und seinen Platz behalten. Auch deshalb bereiten wir uns wie vor einem Bundesligaspiel vor.“ Kovac wird die letzten Einheiten in der Abgeschiedenheit der sogenannten kleinen Kampfbahn auf dem Waldstadion-Areal absolvieren. Die Zielsetzung für Erndtebrück ist klar: „Wir wollen und wir müssen weiterkommen“, sagte Hrgota.

Der Einzug in das Pokalfinale gegen Borussia Dortmund hat Appetit auf mehr gemacht. Die Eintracht will es noch einmal machen. Und wenn es nach Hrgotas Vorstellungen geht, dann soll auch im Kerngeschäft Bundesliga mehr Erfolg zur Tagesordnung gehören. „Die Hinrunde war ja schon überragend. Aber wir müssen auf jeden Fall viel besser als in der Rückrunde werden.“

„Ich muss mehr Tore machen“

Noch heute trauert der polyglotte Hrgota, in Bosnien geboren, im Besitz eines kroatischen Passes, in Schweden groß geworden und seit ein paar Jahren in Deutschland lebend, den vergebenen Möglichkeiten der Vorsaison hinterher. „Für uns war die Chance da, Europa zu kriegen.“ Eine verpasste Gelegenheit, die Hrgota nur zu gerne korrigiert wissen möchte. Er weiß, dass sein ganz persönlicher Beitrag für eine bessere Zukunft möglichst viele Tore sind.

„Ich will Stammspieler werden“, sagte er trotz der Konkurrenz, die sich ihm mit Sebastien Haller und Luka Jovic stellt. Ob der wuchtige Franzose Haller, für die Rekordtransfersumme von sieben Millionen Euro im Sommer zur Eintracht gekommen, endlich in Fahrt kommt und mehr als nur Ansätze seines Potentials zeigt, wird sich weisen. Hrgota geht davon aus, dass Haller erste Wahl sein wird. „Hinter ihm fühle ich mich wohl. Ich kann dann die zweiten Bälle holen.“ Der Schwede weiß: „Ich muss mehr Tore machen.“

Quelle: F.A.Z.
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Ralf Weitbrecht
Sportredakteur.
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