Eintracht Frankfurt

Ein Hauch von Hoffnung

Von Ralf Weitbrecht
 - 08:06

Neuigkeiten von David Abraham? „Wir hoffen, dass es schnell wieder gut wird.“ Bruno Hübner wird sich wohl noch gedulden müssen. Und mit dem Sportdirektor auch der Rest der Frankfurter Eintracht, der darauf hofft, dass Abraham die Bundesligamannschaft als Kapitän in bewährter Manier und in alter Schaffenskraft wieder anführt. Der Argentinier ist zum Dauerpatienten geworden.

Das Knochenödem, das sich der Abwehrchef der Eintracht vor genau einem Monat beim Auswärtsspiel in Hamburg zugezogen hatte, hat den Südamerikaner seitdem so geschwächt, dass an erstklassigen Fußball nicht zu denken ist. Noch nicht einmal ein gemeinsames Training im Kreise der Kameraden ist Abraham möglich. Stattdessen fährt er Fahrrad – weiter, immer weiter.

Schnelle Rückkehr möglich

Nun naht das erste Pflichtspiel des neuen Jahres, und Hübner verbreitet einen Hauch von Hoffnung, dass es vielleicht doch noch quasi über Nacht etwas mit Abrahams wundersamer Genesung und schneller Rückkehr werden kann. „Am Freitag gibt es einen Test“, kündigte Hübner tags zuvor den Plan von Trainer Niko Kovac an, den eigentlich unverzichtbaren Innenverteidiger einer Belastungsprobe zu unterziehen. Hübner kann sich vorstellen, dass Kovac für das erste Rückrundenspiel vor heimischem Publikum gegen den SC Freiburg (Samstag, 15.30 Uhr) eine Ausnahme von der Regel macht und 19 statt eben 18 Spieler in den Kader beruft.

Dass Abraham einen Monat lang nicht seiner spielerischen Arbeit nachgehen konnte und im besten aller Fälle tatsächlich wieder am Samstag als Anführer auf dem Platz stehen könnte, hält Hübner aus rein konditioneller Sicht nicht für ausgeschlossen. „Um David müssen wir uns keine Gedanken machen. Er kommt über die Physis und den Willen.“ Gleichwohl ist dem Manager aber auch nicht verborgen geblieben, dass eben in den zurückliegenden vier Wochen alle Versuche fehlgeschlagen sind, den verletzten Abraham wieder in den Mannschaftsalltag zu integrieren. „Es kann ganz schnell gehen“, sagte Hübner. „Es kann aber auch noch dauern.“

Ante Rebic rechtzeitig zurück

Im Fall Ante Rebic soll die Unpässlichkeit nicht mehr bis zum Samstag dauern. Der unter einer Erkältung leidende und dem Trainingsbetrieb seit der Rückkehr vom Übungscamp aus Spanien ferngebliebene Kroate wird rechtzeitig zurückerwartet, damit er mithelfen kann, „den schwer zu bespielenden Sportclub zu besiegen“, wie sich das Hübner gern wünscht. „Die Hoffnung bei Ante ist da, aber es wird eng“, sagte der Sportdirektor. „Er hat sich diese Erkältung aus Spanien mitgebracht.“

Das Gros seiner Mannschaftskollegen hat jede Menge Sonne von der Costa Blanca mit nach Frankfurt gebracht – und damit auch die Zuversicht, dass einem ordentlichen Trainingslager ein nahtlos guter Übergang in den Bundesliga-Alltag folgen kann. Seit etwas mehr als drei Wochen, seit dem erfolgreich absolvierten Pokalspiel auf der Alb in Heidenheim, haben sich die Frankfurter Fußballprofis nicht mehr unter Wettkampfbedingungen beweisen müssen. Seit dem bislang einzigen Spiel danach, dem Test in San Pedro del Pinatar gegen den Zweitligaverein FC Erzgebirge Aue, fehlt Kovac und seinen vielen Helfern die Bestätigung, ob seine Mannschaft in den zurückliegenden Tagen und Wochen das rechte Maß in der Trainingsarbeit gefunden hat, um den Erfordernissen im Ligageschäft vollends gewachsen zu sein.

Das oberste Ziel der Eintracht, den Abstand zu den Abstiegskandidaten so schnell wie möglich zu vergrößern, soll gegen Freiburg in Angriff genommen werden. „Die Statistik spricht eigentlich gegen uns, aber der Sportclub ist auswärts nicht so gut“, sprach sich Hübner am Donnerstag Mut zu. Andererseits: Die Eintracht hat vor heimischer Kulisse auch noch keine Wunderwerke vollbracht, und mit erst acht Punkten steht Kovacs Mannschaft in dieser Bilanz auf dem drittletzten Tabellenplatz. Tatsächlich aber sind die Hessen Achter, was zum Großteil an der famosen Auswärtsbilanz liegt, die die Eintracht hinter Branchenprimus Bayern als zweitbestes Team ausweist. Für Hübner also steht fest: „Wir müssen zu Hause mal was reißen.“

Schlussverkauf auf dem Transfermarkt

Während für Abraham alle Türen und Kaderplätze offen stehen, schaut sich einer wie Slobodan Medojevic weiter nach neuen möglichen Arbeitgebern um. „Wir haben mit ihm vereinbart, dass er individuell trainiert. Er will spielen, aber bei uns wird das schwer“, sagte Hübner über die Einsatzmöglichkeiten des defensiven Mittelfeldspielers. „Ich glaube, dass es zu einer Veränderung kommt“, fügte der Sportdirektor an und prognostizierte grundsätzlich einen stark anziehenden Schlussverkauf im winterlichen Transfergeschäft: „Nach den ersten beiden Spielen wird noch einmal ordentlich Bewegung in den Markt reinkommen.“

Bis dahin will die Eintracht zu Hause gegen Freiburg und in der darauffolgenden Woche in Wolfsburg weitere Punkte gesammelt haben, um den Abstand nach unten größer werden zu lassen. Und vielleicht haben die Führungsstrategen bis dahin auch schon die ersten seriösen Gespräche mit Kovac geführt, der über das ursprüngliche Vertragsende Mitte 2019 hinaus für weitere Jahre gebunden werden soll. Aktuell, versicherte Hübner, „hat es noch keine Vertragsgespräche mit Niko gegeben“. Doch wie sagte schon Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing im Trainingslager: „Manchmal kann es ganz schnell gehen.“

Quelle: F.A.Z.
Ralf Weitbrecht
Sportredakteur.
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