Eintracht Frankfurt

Erst die Arbeit, dann die Träume

Von Marc Heinrich
 - 07:36

Sie haben sich viel vorgenommen. Die Niederlage in Dortmund, zumal sie ihnen so unverdient vorkam, konnte daran nichts ändern. Ganz im Gegenteil. Der Stimmungsdämpfer vom Sonntagabend spielte bei der Vorbereitung der Eintracht auf die nächste Aufgabe nur noch einleitend eine Rolle. Niko Kovac zeigte den auf sein Kommando hörenden Frankfurter Fußballprofis anhand von Videos aus der Begegnung mit der Borussia, was sie künftig anders machen müssen, um als Mannschaft eine Leistung abrufen zu können, die ausreicht, um im Endspurt einen Platz in der Spitzengruppe der Bundesligatabelle zu behaupten.

Der Trainer beließ es aber nicht nur bei Beispielen, die in seinen Augen verbesserungswürdig sind, sondern er berücksichtigte in seiner Bewegtbildanalyse auch Aktionen, die ihm in den anstehenden Partien bis zum Saisonschluss Mitte Mai unbedingt nachahmenswert erscheinen. Die meisten der Szenen stammten aus der zweiten Halbzeit des Duells mit dem BVB, in dem die Hessen ihre Zurückhaltung ablegten und dem Konkurrenten dadurch Probleme bereiteten, dass sie vor allem jeden Zweikampf energisch annahmen. Für ihre couragierte Vorstellung gab es hinterher auch aus Kreisen des Siegers, der dank einer Einzelaktion von Michy Batshuayi in der 94. Minute noch zum Erfolg kam, Zuspruch. Punkte wären auch Gelson Fernandes lieber gewesen.

„Wir brauchen die Kraft von allen“

„So, wie wir nach dem Seitenwechsel aufgetreten sind, muss es sein, das ist unser Weg“, sagte der 32 Jahre alte Mittelfeldspieler am Dienstag. Der Schweizer, der zuletzt zu den defensiven Stabilisatoren gezählt hatte, verfolgte am Wochenende das abwechslungsreiche Treiben von der Auswechselbank aus, weil Makoto Hasebe auf der Sechserposition den Vorzug erhielt. Für Fernandes eine Entscheidung, die er klaglos akzeptierte: „Unser Kader ist groß. Dass wir so viele frische und hungrige Spieler haben, ist sehr gut für uns. Wir brauchen die Kraft von allen“; nur Yanni Regäsel gehört fortan nicht mehr dazu. Wie die Eintracht am Mittag bekanntgab, wurde der bis Ende Juni 2019 gültige Vertrag mit dem 22-Jährigen „in beiderseitigem Einvernehmen“ aufgelöst.

Fernandes selbst war im Laufe seiner Karriere, die ihn zu Klubs nach England, Italien oder Portugal führte, schon oft international im Einsatz. Dass sich nun in Frankfurt ebenfalls die Chance bietet, einen europäischen Wettbewerb zu erreichen, überrascht ihn nicht. „Weil wir vom ersten Tag an hart gearbeitet haben.“ Auf diese Zielstrebigkeit, die dem Team von Niko Kovac täglich vorgelebt werde, komme es nun umso mehr an: „Nur mit Worten werden wir nichts erreichen.“ Auch er wolle mit seine Erfahrung dafür sorgen, dass in der Kabine keiner auf den Gedanken komme, sich verfrüht auf das Erreichte etwas einbilden zu können.

Gegen Mainz im anstehenden Rhein-Main-Duell rechnet Fernandes mit großer Gegenwehr des vom Abstieg bedrohten Tabellen-Sechzehnten. „Sie werden kämpfen. Für sie geht es ums Überleben. Für uns geht es um einen Traum. Wir müssen jetzt noch zwei Monate Gas geben.“ Für den Globetrotter, der bis dahin in 13 Jahren bei neun Vereinen unter Vertrag stand, ehe er sich im vorigen Sommer für einen Wechsel zur Eintracht entschied, liegt es vor allem in Kovacs Engagement begründet, dass die Aussichten insgesamt rosig erscheinen: „Ich habe viele Trainer gesehen. Niko Kovac ist besonders, und ich bin mir ganz sicher, dass er eine Riesenzukunft vor sich hat“, sagte Fernandes, der auch die nonverbale Kommunikation Kovacs als vorbildlich bewertete: „Er hat eine Körpersprache, die Kraft und Energie ausstrahlt. Und das spürt die Mannschaft.“

Der Routinier pries die Detailgenauigkeit des Coaches, der nichts dem Zufall überlasse, und dessen „menschliche Art“ im Umgang: „Alles, was Niko Kovac und sein Staff machen, hat Sinn“, sagte Fernandes am Dienstag, „es macht richtig Spaß, mit ihm zu arbeiten.“ Acht Spieltage bleiben, um gemeinsam noch weitere Fortschritte zu erzielen, durch die der Frankfurter Fußball-Frohmut endgültig vor kurzem undenkbare Dimensionen erreichen würde.

Quelle: F.A.Z.
Marc Heinrich
Sportredakteur.
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