Eintracht Frankfurt

„Gegen die Bayern wollen wir eklig sein“

Von Marc Heinrich
 - 20:08

Viele Hoffnungen, mit denen sich die Eintracht zuletzt ans Werk machte, haben sich nicht erfüllt. Um diese Saison versöhnlich zu beenden, in der lange Zeit große Ziele greifbar nahe waren, ehe gegen Ende des Bundesliga-Spielbetriebs ein empfindlicher Leistungseinbruch den Traum von Europa platzen ließ, bleibt noch eine Chance. Die Aufgabe, im DFB-Pokalfinale eine gute Figur abzugeben, ist in Anbetracht des Gegners alles andere als einfach. In Berlin geht es an diesem Samstag gegen den FC Bayern, den Klub, bei dem künftig Niko Kovac als Trainer das Sagen haben wird.

Unmittelbar nach Pfingsten, so sehen es die Planungen vor, werden die Frankfurter dann bekanntgeben, wer fortan bei ihnen in der Verantwortung steht. Ganz gleich, wer es aus dem Kandidatenkreis wird, bei dem Slaven Bilic (zuletzt West Ham) und Marco Rose (Salzburg) die besten Karten besitzen: Auf den noch zu benennenden Kovac-Nachfolger wartet einiges an Arbeit. Unter Umständen wird auch Marius Wolf den Verein verlassen. In seinem Vertrag, der erst nach dem Wintertrainingslager bis Sommer 2020 verlängert wurde, existiert jedenfalls eine beim Abschluss nicht kommunizierte Ausstiegsklausel, die es möglich macht, ihn vorzeitig abzuwerben.

Stützen des Teams vor Abschied

Dem Vernehmen nach soll Wolfs Beratungsagentur die Eintracht unterrichtet haben, dass sowohl Borussia Dortmund als auch RB Leipzig Interesse besitzen, den 22-Jährigen für die festgeschriebene Ablösesumme im einstelligen Millionenbereich zu verpflichten. Wolf war im Januar 2017 von Hannover 96 zunächst ausgeliehen worden und entwickelte sich unter der Anleitung Kovacs zu einer der Stützen des Teams: Neun Vorlagen und fünf Treffer schmücken die persönliche Rundenbilanz des früheren U-21-Nationalspielers.

Der Auftritt im Olympiastadion könnte Wolfs Abschiedsvorstellung im Trikot der Hessen werden, die neben Kovac Keeper Lukas Hradecky verlieren und damit rechnen, dass auch Ante Rebic noch den Wunsch nach beruflicher Veränderung äußern könnte – zumal, wenn die Perspektiven so verlockend sind wie im Fall von Wolf, der sowohl in Dortmund als auch in Leipzig in eine höhere Gehaltsklasse aufsteigen dürfte.

Enttäuschung über den Tabellenplatz

Marco Russ erlag einst ebenfalls dem Lockruf des Geldes und kehrte deswegen der Eintracht den Rücken. Im Juli 2011 schloss er sich dem VfL Wolfsburg an. Der Hanauer fand bei den Niedersachsen aber sein sportliches Glück nicht und kehrte achtzehn Monate später um eine prägende Erfahrung reicher zurück. Nun befindet sich der 32-Jährige in einem Stadium der Karriere, in der das Ende absehbar ist. 275 Ligaspiele bestritt Russ bis heute für die Eintracht, dazu 27 im Pokal.

Bereits zweimal stand er in Berlin im Endspiel. 2006 (0:1 gegen die Bayern) wie 2017 (1:2 gegen den BVB) musste er sich mit der undankbaren Verliererrolle begnügen. „Es ist an der Zeit“, sagte Russ am Dienstag, „aller guten Dinge sind ja drei. Es wäre perfekt, wenn es so kommen würde.“ Besonders mit dem Ereignis vor zwölf Monaten verbinden ihn bleibende Erinnerungen: Es war seine emotionale Rückkehr auf die große Fußballbühne, nachdem bei ihm exakt 365 Tage zuvor Hodenkrebs diagnostiziert worden war. Die Erkrankung bekämpfte der Abwehr-Allrounder erfolgreich – so dass er für Kovac wieder eine geschätzte Größe wurde.

Er sei „natürlich enttäuscht“, sagte Russ am Dienstag, dass es ihm und den Kollegen nicht gelang, besser als mit dem achten Platz abzuschneiden, nachdem bis Ostern sogar noch die Qualifikation für die Champions League als machbares Szenario galt. „Nachdem wir fast ständig oben dabei waren, haben wir auf der Zielgeraden zu viele Punkte gelassen“, bilanzierte er. Dass jedoch selbst gegen den Rekordmeister die Gelegenheit zum glänzenden Abschluss besteht, gehört für Russ zu den Erkenntnissen des ansonsten unerfreulich verlaufenen Wochenendes. „Auch wenn die Bayern als übermächtig betitelt werden: Stuttgart hat gezeigt, dass man sie schlagen kann.“

Der VfB setzte sich 4:1 in München durch und schob sich damit in der Tabelle noch an der Eintracht vorbei. Die mäßige Stimmung unter den Eintracht-Fans aufgrund des ungeschickt kommunizierten Kovac-Wechsels und der sich anschließende Negativtrend vermochten Russ nicht zu irritieren: „Wir im Team sind positiv.“

Mit der Defensive punkten

Spekulationen, die durch Hradeckys Äußerungen ausgelöst wurden, der Coach habe bei der Trainingssteuerung falsche Akzente gesetzt und mit zu verantworten, dass es abwärtsging, entgegnete Russ: „Durch harte Arbeit sind wir gut in die Saison gekommen.“ Für ihn ist allein der Gedanke an den Auftritt in Berlin „Motivation genug“. Übungseinheiten seien „eigentlich nicht mehr“ nötig. „Jeder ist heiß genug und weiß, auf was es ankommt.“

Bedeutet konkret: Die Eintracht-Elf möchte sich von ihrer (für den Konkurrenten) unangenehmen Seite präsentieren. Russ deutete den Bayern eine „härtere Gangart“ an als unlängst beim 1:4 in München: „Gut verteidigen steht auf unserem Plan ganz vorn“, sagte der Routinier, „wir wollen eklig sein und ihnen die Freude nehmen, so dass sie ins Grübeln kommen“. Zumindest ein Hoffnungsschimmer scheint gefunden.

Der Weg ins Finale

1. Runde: 12. August 2017, TuS Erndtebrück – Eintracht 0:3 Tore: 0:1 (35.) Chandler, 0:2 (72.) Gacinovic, 0:3 (76.) Haller.
2. Runde: 24. Oktober 2017, 1. FC Schweinfurt 05 – Eintracht 0:4 Tore: 0:1 (14.) Haller, 0:2 (58.) Haller, 0:3 (63.) Wolf, 0:4 (85.) Blum.
Achtelfinale: 20. Dezember 2017, 1. FC Heidenheim – Eintracht 1:2 n.V. Tore: 0:1 (95.) Gacinovic, 1:1 (96.) Schnatterer, 1:2 (109.) Haller.
Viertelfinale: 7. Februar 2018, Eintracht – Mainz 05 3:0 Tore: 1:0 (17.) Rebic, 2:0 (53.) Hack/Eigentor, 3:0 (62.) Mascarell.
Halbfinale: 18. April 2018, Schalke 04 – Eintracht 0:1 Tor: 0:1 (75.) Jovic.

Quelle: F.A.Z.
Marc Heinrich
Sportredakteur.
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