Eintracht Frankfurt

Meister in der Kunst des Machbaren

Von Peter Heß
 - 11:32

Mit dieser Wette hätte man vor der Saison viel Geld verdienen können: Wer ist nach dem 14. Spieltag die beste Auswärtsmannschaft der Fußball-Bundesliga? Eintracht Frankfurt! 15 Punkte hat die Mannschaft von Trainer Niko Kovac in acht Begegnungen in fremden Stadien gewonnen, vier Siege, drei Unentschieden und nur eine Niederlage (1:2 bei RB Leipzig) tragen zu dieser außergewöhnlichen Bilanz bei. Dass die Eintracht in der Fremde erfolgreicher agiert als zu Hause in Frankfurt, ist keine große Überraschung, sondern Ausdruck ihrer Stärken und Schwächen. Das gegnerische Spiel zu stören und zerstören fällt ihr viel leichter, als ihr eigenes zu gestalten und voranzutreiben. Dass sie jedoch so viele Punkte zu sammeln vermochte, hat auch ein bisschen mit Spielglück zu tun. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass neun Tore in acht Auswärtsspielen für 15 Punkte gut sind. Und so eine festungsartige Konstruktion ist die Frankfurter Verteidigung auch nicht, wie es die nur sechs Gegentreffer suggerieren, die der starke Torwart Lukas Hradecky hinnehmen musste.

Aber man kann es jedoch drehen und wenden, wie man will, gemessen an den finanziellen Möglichkeiten und der sportlichen Substanz, holt Kovac mehr aus dem Kader heraus, als in ihm zu stecken scheint. Auch wenn das Zuschauen oft nicht sonderlich spaßig ist. Brad Gilbert hat ein Tennis-Buch geschrieben mit dem Titel „Winning Ugly“ (Hässliche Siege), vielleicht fragt demnächst ein Fußball-Verlag bei Kovac nach, ein entsprechendes Werk zu verfassen.

Die Bayern kommen

Die Frankfurter Meister in der Kunst des Machbaren können sich nun auf ein Bonus-Spiel freuen. Die Bayern kommen. Und mit 22 Punkten auf der Habenseite haben sie nichts zu verlieren. Die Zuschauer können sich auf ein Spitzenspiel freuen! Es geht darum, wer die beste Auswärtsmannschaft Deutschlands ist. Um es zu bleiben, genügt der Eintracht ein Unentschieden. „Das wollen wir unbedingt schaffen“, sagte Kovac.

Die Chancen stehen gar nicht so schlecht. Die Bayern befinden sich im Moment nicht gerade in einer Über-Form – und die Frankfurter strotzen vor Selbstbewusstsein und Kampfbereitschaft. Dass ihnen die Bayern die Initiative nicht aufdrängen werden, dass sie nicht gezwungen sind, das Spiel zu machen, macht sie noch zuversichtlicher. „Mannschaften, die nicht das Portemonnaie haben, individuelle Klasse zu kaufen, müssen sehen, wie sie das Beste für sich herausholen“, sagt Kovac. „Das ist nicht immer schön anzusehen.“ Aber ein schlechtes Gewissen hat er deswegen noch lange nicht. Das Vergnügen kommt mit den Punkten.

Quelle: F.A.Z.
Peter Heß - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Peter Heß
Sportredakteur.
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