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Eintracht Frankfurt

Kovac braucht kreative Köpfe

Von Ralf Weitbrecht
 - 08:25
Eintracht-Trainer Niko Kovac weiß nur zu gut, was er an Spieler Medojevic hat. Bild: Jan Huebner, F.A.Z.

Bescheiden, verlässlich, geduldig. Slobodan Medojevic vereint viele gute Eigenschaften. Dass die Verantwortlichen der Frankfurter Eintracht nach dem wichtigsten Spiel des Jahres schnell Nägel mit Köpfen gemacht und den serbischen Mittelfeldspieler für eine weitere Saison mit einem Profivertrag ausgestattet haben, ist nicht nur aus einer Laune heraus geschehen. Sportvorstand Fredi Bobic, Sportdirektor Bruno Hübner und Trainer Niko Kovac wissen nur zu gut, was sie an Teilzeitarbeiter Medojevic haben.

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Das Pokalfinale gegen Borussia Dortmund – es war das ganz persönliche Comeback des Langzeitverletzten Medojevic, der im Berliner Olympiastadion eine starke Leistung zeigte, mit viel Herzblut agierte und dafür belohnt wurde. Auf seinen nächsten Einsatz im Team der Eintracht musste der umsichtige Medojevic zwar wieder längere Zeit warten. Doch es hat sich gelohnt. Seine knapp dreißigminütige Arbeitsprobe am vergangenen Samstag beim glücklichen 2:1-Heimsieg gegen den VfB Stuttgart hat ihm abermals Selbstvertrauen und Zuversicht gegeben. „Natürlich war es ein schönes Gefühl, wieder dabei gewesen zu sein. Aber das Schönste ist doch, dass ich gesund bin und gesund bleibe“, sagte Medojevic am Mittwoch.

„Der Muskel hat zugemacht“

Es war einer der Trainingstage, an denen der Frankfurter Fußballprofi früher als sonst das Übungsareal verließ. Gegen den VfB hatte der 26 Jahre Mittelfeldmann aus Novi Sad einen Schlag auf die Wade bekommen und musste kürzertreten. „Der Muskel hat zugemacht“, sagte Medojevic über sein reduziertes Trainingsprogramm zu Wochenbeginn. „Doch jetzt geht es mir wieder gut. Am Donnerstag bin ich wieder voll mit der Mannschaft dabei.“

Mittendrin also, was durchaus wörtlich zu nehmen ist, denn wer auf der sogenannten Sechserposition spielt und mehr kann als nur schnöde Bälle in die Breite zu passen, gehört automatisch zu dem Kreis der Anwärter, die Kovac in diesen Tagen und Wochen besonders benötigt: kreative Köpfe für die wichtige Aufbauposition zwischen Defensive und Offensive. Auf die verletzten Makoto Hasebe, Gelson Fernandes und Omar Mascarell kann Kovac derzeit nicht zurückgreifen – und so bietet sich plötzlich Spielern wie Marc Stendera und eben Slobodan Medojevic die Möglichkeit, sich wieder öfter und nachhaltiger einem größeren Publikum zu präsentieren. „Mir ist es natürlich am liebsten, wenn alle fit sind und zur Verfügung stehen“, sagte der faire Medojevic über die anderen Mitbewerber um den Führungsposten vor der Abwehr.

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Langer Anlauf bis zur Einwechselung

Mathematisch orientierte Statistikfreunde haben in der Personalie Medojevic ausgerechnet, dass der fleißige Serbe genau 565 Tage warten musste, um endlich wieder erstklassig für die Eintracht am Ball zu sein. Es war also wirklich ein ziemlich langer Anlauf bis zur Einwechslung gegen Stuttgart. Die letzten beiden Spiele davor sind gleichfalls gegenwärtig. Das verlorene Pokalfinale gegen den BVB war überhaupt Medojevics einziges Spiel in der zurückliegenden Saison. Und in der vorvergangenen Spielzeit war der Serbe das eine Mal nur aktiv dabei, als Kovac am 12. März 2016 beim 0:3 in Mönchengladbach seinen Einstand als neuer Trainer der Frankfurter Eintracht gegeben hatte. Kleinere und größere Blessuren, vor allem aber langwierige Probleme an der Achillessehne und dem Knie machten weitere Spieleinsätze unmöglich.

Endlich vorbei – und auch vergessen? Medojevic weiß um seine Leidensgeschichte. Er kennt aber auch wie kein anderer seinen Körper, in den er zuletzt immer wieder hineingehört hat und der ihm jetzt, so die Auskunft des Fußballprofis, ausnahmslos positive Signale sendet. „Ich bin gesund und weiß, dass ich jetzt geduldig sein und auf meine Chance warten muss. Wir sind ein Team, in dem sich viele Spieler unseres Kaders auf einem ähnlichen Niveau befinden und das mit viel Laufleidenschaft und Kampfbereitschaft überzeugen muss“, sagte Medojevic. „In der Bundesliga geht es in dieser Saison besonders eng zu. Da muss jeder von uns zumindest zwischen 11,5 und 13 Kilometer laufen. Und dann müssen wir fußballerisch auch noch clever sein.“ Und Augen und Ohren offen halten, um als sogenannter „Sechser“ in der Schaltzentrale für die besonderen Momente des Spiels zu sorgen. Ein gesunder Slobodan Medojevic traut sich zu, diese Rolle häufiger als sonst auszufüllen.

Quelle: F.A.Z.
Ralf Weitbrecht
Sportredakteur.
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