Eintracht-Kommentar

Achtung, Stolpergefahr!

Von Marc Heinrich
 - 12:20

Es ist mächtig Vorfreude im Spiel. Die Eintracht hat in diesem Sommer Anziehungskraft entwickelt wie lange nicht mehr. Mit Indeed wurde ein Hauptsponsor präsentiert, der dem Klub Verbindungen nach Nordamerika aufzeigt und so viel Geld zahlt wie kein Unternehmen zuvor: sechs Millionen Euro per anno. Die Zahl der verkauften Dauerkarten erreichte mit 28 000 Tickets eine bis dahin nie dagewesene Höchstmarke, sämtliche Logen in der Arena (70) sind vermietet und zum Stadionfest kamen 40.000 Besucher. Schon bevor die erste Pflichtpartie bestritten ist, gibt es viele kleine Erfolgsmeldungen, die sich zu dem Eindruck verfestigen, dass die Eintracht finanziell auf aussichtsreichem Kurs liegt.

Ökonomisch sind die Frankfurter drauf und dran, den Abstand zu den Branchenführern ein wenig zu verkleinern. Ob auch die Mannschaft den Ansprüchen gewachsen ist, die sich in dem von allerlei Seiten spürbar gestiegenen Interesse spiegeln, muss sich noch zeigen.

Einige Stolperfallen

Zum Abschluss der fünften Woche der Vorbereitung wurde mit dem 3:0 gegen Sevilla der erste Sieg gegen einen nennenswerten Gegner erzielt; wobei sich wie 24 Stunden später beim 5:2 gegen den FSV erkennen ließ, dass längst noch nicht alles so funktioniert, wie es sich Niko Kovac demnächst erhofft, wenn die Phase des Testens, in der Fehler noch leichter verzeihbar sind, abgelaufen ist. Auf dem elften Platz der vergangenen Runde, die auch ein Wechselbad der Gefühle bot, möchte der Trainer aufbauen und den nächsten Schritt im Bestreben nach mehr Kontinuität folgen lassen.

Dabei gibt es einige Stolperfallen, die ihm seine Arbeit erschweren können. Vorne und hinten ist sein Team – Stand jetzt – schwer auszurechnen. Was wird aus Lukas Hradecky: Geht der Keeper doch bis zum Ende dieser Transferperiode, bleibt er nur noch ein Jahr, oder verlängert er nach langem Hickhack seinen Vertrag über Mitte 2018 hinaus?

Potential für Störgeräusche

Die Eintracht ist gut beraten, dieses Thema, das das Potential birgt, fortwährend für Störgeräusche zu suchen, alsbald zu beenden – so oder so. Und einiges wird in die Offensive davon abhängen, wie die Integration von Sébastien Haller (dem teuersten Transfer) gelingt; bislang wirkt er nicht wie eine Verstärkung. Die Umstellung aus der holländischen Liga auf das umfangreiche Übungsprogramm unter Kovac machen dem Hünen zu schaffen.

Dass der Coach ein Händchen besitzt, aus Sternchen und woanders als verzichtbar eingeschätzten Profis eine schlagkräftige Einheit zu formen, deutete insbesondere die Hinrunde 2016/2017 an. Über das Pokalfinale in Berlin wäre danach beinahe ein Ticket für die Reise durch Europa gelöst worden. Das internationale Geschäft ist eine Sehnsucht, die die nach mehr Renommee strebenden Klub-Bosse und den nicht minder ambitionierten Kovac antreibt. Am Samstag beginnt der Pokalwettbewerb, der den kürzesten Weg auf ausländische Bühnen verheißt, aufs Neue. Nur ein souveränes Weiterkommen gegen die Amateure aus Erndtebrück lässt dabei alle Hochrechnungen, dass die kommende Runde für die Eintracht auch sportlich bringen kann, was sie wirtschaftlich verspricht, plausibel erscheinen. Die Zeit des spekulativen Vorgeplänkels läuft ab.

Quelle: F.A.Z.
Marc Heinrich  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Marc Heinrich
Sportredakteur.
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