Wiesbaden

Kommentierte Fütterung als tierisches Event

 - 14:44

Die Schweine suhlen sich im Morast, zwei Schulklassen bevölkern die Wiesen und Wege zwischen den Gehegen, und am Kiosk gibt es köstlichen Apfelmost aus Kloppenheim. Ganz ungestört ist die Idylle in der Wiesbadener Fasanerie allerdings nicht. Eine Konstruktion von in der Sonne glänzenden schmalen Aluminiumverstrebungen dokumentiert, dass der Tier- und Pflanzenpark nie zur Ruhe kommt, sondern sich permanent weiterentwickelt.

Derzeit wird eine zusätzliche Vogelvoliere gebaut. Was sich auf dem 25 Hektar großen Areal im Nordwesten der Landeshauptstadt in den nächsten fünf Jahren tun soll, steht in einem „Masterplan“, den die Wiener Zooplanerin Monika Fiby gemeinsam mit den leitenden Mitarbeitern der Fasanerie erarbeitet hat. „Die Bären und Wölfe von oben zu beobachten entspricht nicht mehr den didaktischen Vorstellungen, Respekt vor den Tieren zu vermitteln“, heißt es in dem 75 Seiten langen Konzept. Darum wird künftig eine Schaufläche am Zaun des Geheges geboten werden.

Sie gehen nicht einfach an der Anlage vorbei, sondern betreten eine Plattform, von der aus ein Steg in das Gehege hineinführt. Wenn die Pfleger ihn nutzen, um die Tiere zu versorgen, können die Besucher ihnen dabei zusehen. Die Nahrungsaufnahme wird so zu einem kleinen Event, das der Vermittlung von Informationen dient. Die Fachleute sprechen von einer „kommentierten Fütterung“. Dafür gibt es in der Fasanerie schon heute eine spezielle Route. Die Hauptdarsteller an den einzelnen Stationen sind Dachs, Fuchs, Bär, Luchs, Wolff, Wildkatze, Waschbär, Fischotter, Frettchen, Nerz, Nutria sowie Tag-und-Nacht-Greife. Die Ziegen, für die ein neuer Stall gebaut wird, können sich dort mit Heu selbst bedienen. Die Schweine ziehen in einen Unterstand mit Strohlager und bekommen eventuell große Nachbarn. Mittelfristig wird über Kuhhaltung entschieden.

Kostenloser naturpädagogischer Event

Auf eine Viertelmillion schätzt Ute Kilian, die Chefin in der Fasanerie, die Zahl der Besucher, die in einem Jahr an den Gehegen mit heimischen Wild- und Haustieren sowie Pflanzen unterschiedlicher Herkunft entlanggehen, ohne dafür Eintritt zahlen zu müssen. 11 500 Menschen nahmen nach Kilians Angaben 2016 an einer naturpädagogischen Veranstaltung teil.

Beispielsweise vermittelt ein Falkner innerhalb von zwei Stunden anhand des lebendigen Objekts alles Wissenswerte über Greifvögel. Kinder können in der Kreativwerkstatt zusammen mit ihren Eltern für fünf Euro „malen wie die Aborigines“. Wer sich 90 Minuten Zeit nimmt, bekommt Vorwarnzeichen für Regen und Gewitter erklärt. Die Beobachtung der Tiere kann aufschlussreicher sein als der Blick zum Himmel.

Umfangreicher Ausbau beinhaltet auch „Energiestationen“

Weil die Zahl der Teilnehmer in den vergangenen drei Jahren jeweils um zehn Prozent stieg, ist die personelle Kapazitätsgrenze erreicht. Um das Angebot ausbauen zu können, tritt Umweltdezernent Andreas Kowol (Die Grünen) in den Beratungen über den Doppelhaushalt 2018/19 für eine zusätzliche Halbtagsstelle ein. Außerdem möchte er einen weiteren Tierpfleger einstellen. Insgesamt beschäftigt die Fasanerie gegenwärtig 21 Mitarbeiter. Ausgebaut werden soll auch der Bestand an Bäumen und Sträuchern. Schon heute zählen dazu Exoten wie Ginkgo und Mammutbaum. Hinzukommen sollen Solitäre, die einer besonderen Pflege bedürfen.

So beginnt der Tag in Frankfurt und Rhein-Main: das Wichtigste in Kürze, mit Hinweisen auf mobile Blitzer, Straßensperrungen, Gaststätten.

Zwischen Tiergehegen und Pflanzen sollen künftig „Energiestationen“ entstehen, an denen die Besucher ihre Widerstandskraft gegen Stress stärken und Depressionen vorbeugen können. Geleitet wird das Projekt von einer Psycho- und Traumatherapeutin, die heute schon mit der Fasanerie zusammenarbeitet. Inwieweit der Masterplan verwirklicht wird, hängt auch von den finanziellen Lage der Kommune ab. Gegenwärtig lässt sie sich ihren Tier- und Pflanzenpark im Jahr rund eine Million Euro kosten.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite