Frankfurt

Fahrräder ja – aber kein Chaos

Von Hans Riebsamen
 - 12:35

Wem gehört die Stadt? Allen natürlich, sollte man meinen. Wenn aber chinesische Konzerne unter Berufung auf dieses Recht Tausende von Leihrädern in Frankfurt und bald vielleicht auch in Mainz, Darmstadt und Wiesbaden aufstellen wollen, muss die Antwort anders ausfallen. Denn diese Räder werden unweigerlich Platz im öffentlichen Raum einnehmen oder vielmehr: versperren. Darüber darf aber das Recht anderer, vor allem der Fußgänger, nicht schmerzhaft leiden.

Man sollte die Pläne der chinesischen Bike-Sharer keinesfalls in Bausch und Bogen verdammen. Jahrzehntelang haben Utopisten sich das Bild einer Stadt ausgemalt, in der Fahrräder stehen, die man unkompliziert für eine Fahrt ausleihen und dann stehen lassen kann. Smartphone und Internet haben aus dem Wunsch Realität werden lassen. In allen größeren Städten sind mittlerweile Leihrad-Unternehmen wie Call-a-Bike und Nextbike aktiv – und erfolgreich.

Wenn jetzt Anbieter aus China oder Nordamerika auf den Markt drängen und in großem Stil ins Leihrad-Geschäft einsteigen wollen, ist das zuerst einmal gut. Denn das Fahrrad ist in den verstopften Großstädten eine Antwort auf die Autoflut, die gerade in einer wachsenden Stadt wie Frankfurt mit immer mehr Einwohnern kanalisiert werden muss.

Je mehr Großstadtbewohner Wege mit dem Fahrrad zurücklegen, desto weniger Staus entstehen auf den Straßen, lautet in etwa die Gleichung. Deshalb sind die Bike-Sharer wie die Car-Sharer ein Segen für die großen Städte und sollten gefördert werden.

Regulierungen dringend erforderlich

Doch keine Metropole wird es sich erlauben können, auf eine Regulierung dieses Marktes zu verzichten. So darf man zum Beispiel nicht zulassen, dass in einer kleinen Innenstadt, wie sie Frankfurt besitzt, viele tausend Räder wahllos herumstehen. Dafür ist einfach zu wenig Platz vorhanden. Deshalb muss die Mainmetropole darauf bestehen, dass die Leihräder an festgelegten Orten abgestellt werden müssen. Das System hat sich bewährt, nachdem anfangs die Räder frei geparkt werden konnten.

In Zürich, Rotterdam und London, wo chinesische Verleiher schon aktiv sind, gab es denn auch sofort Ärger, weil Räder im Weg standen und andere Verkehrsteilnehmer behindert wurden. Das darf in Frankfurt nicht passieren. Die Stadt muss ein paar Regeln einführen, an die sich alle Anbieter halten müssen.

So müssen diese auf feste Rad-Standplätze verpflichtet werden; gegebenenfalls kann die Stadt solche Abstellflächen, die vermutlich bald rar werden, versteigern. Die Unternehmen müssen auch dafür sorgen, dass die Räder in einem verkehrstechnisch ordnungsgemäßen Zustand gehalten werden und dass kaputte Räder nicht wochen- oder monatelang herumstehen. Die Devise lautet: Fahrräder ja – aber kein Chaos.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Riebsamen, Hans (rieb.)
Hans Riebsamen
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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