Sicherheit im Taunus

Falsche Polizisten machen Beute

Von Bernhard Biener
 - 11:58

Endlich einmal ist Lebenserfahrung gefragt: Die Polizeidirektion Hochtaunus und die Stadt Bad Homburg suchen Helfer jenseits der 50 Jahre, die sich „geistig fit fühlen“ und als „Sicherheitsberater für Senioren“ ältere Menschen davor bewahren sollen, Opfer von Kriminalität zu werden. Denn Betrüger nutzen die Vertrauensseligkeit von Senioren aus, indem sie sich als Polizisten, Staatsanwälte oder Beamte des Landeskriminalamts ausgeben. Der Fall von Glashütten, wo sie vor anderthalb Wochen einen 90 Jahre alten Mann sogar dazu brachten, die echten Polizisten für falsche zu halten und auf sie zu schießen, ist zwar wegen dieser Umstände ein spektakulärer Einzelfall. Doch der Versuch, per Telefon und durch falsche Angaben zu viel Geld zu kommen, ist ein Massenphänomen.

70 derartige Fälle habe man seit Montag allein in Bad Homburg registriert, sagte gestern die Leiterin der Polizeidirektion, Antje van der Heide. Inzwischen hätten die falschen Polizisten den seltener gewordenen Enkeltrick als Masche abgelöst. Sie vermutet zwar, dass wegen der jüngsten Berichterstattung die Bereitschaft gestiegen ist, derartige Anrufe auch ohne Erfolg der Täter anzuzeigen. Doch den Ermittlern ist klar, dass die als wohlhabend geltenden Bewohner der Vordertaunusstädte bevorzugte Opfer sind. Ein Betrug im vergangenen Jahr scheint die Täter zu bestätigen: Einem einzigen Opfer nahmen sie 1,1 Millionen Euro ab. „Manchmal geht es um die Ersparnisse eines ganzen Lebens, und die Menschen geraten in existentielle Not“, sagte van der Heide. „Das ist bitter.“

Bad Homburg ist eine von vier Modellkommunen, die das hessische Innenministerium für das „Kommunalprogramm Sicherheitssiegel“ ausgewählt hat, kurz „Kompass“. Dabei spielt die Prävention eine große Rolle. „Wir haben aber auch vorher schon gut mit der Polizeidirektion zusammengearbeitet“, sagte Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU). Das bestätigte van der Heide: „Wir waren uns schnell einig, dass enormer Handlungsbedarf besteht.“ Die Stadt unterstützt die Aktion auch ganz praktisch. So sollen die Sicherheitsberater am traditionellen Seniorenausflug im Juni teilnehmen. „Da sind 500 bis 700 Senioren auf einem Schiff“, sagte Bürgermeister Karl Heinz Krug (SPD), bis zu seinem heutigen Ausscheiden aus dem Amt für Ordnung und Sicherheit zuständig. „So viele erreichen wir sonst nie.“ Aber auch der Ortsbeirat Ober-Erlenbach lade für den 19. März um 16 Uhr zu einer Sicherheitsschulung mit Polizeibeamten. Außerdem böten die Stadtteil- und Familienzentren den künftigen Sicherheitsberatern eine gute Möglichkeit, ihre Zielgruppe zu treffen – Bad Homburg zählt 12 000 Einwohner, die älter als 60 Jahre sind.

Schulung der Sicherheitsberater Mitte März

Die beiden ersten Berater, die auch als Multiplikatoren dienen sollen, gehörten einst selbst der Polizei an. Erwin Paschke war bis zu seinem Ruhestand Leiter der Polizeistation Bad Homburg, Jürgen Stamm, als SPD-Fraktionsvorsitzender auch kommunalpolitisch aktiv, hat unzähligen Bad Homburger Kindern das sichere Radfahren im Straßenverkehr beigebracht. Die beiden werden sich auch selbst weiterbilden lassen, wenn die Sicherheitsberater Mitte März von Mitarbeitern des Stabsbereichs Prävention des Polizeipräsidiums Wiesbaden geschult werden. Paske regte an, dass die Berater auch in ihrer Nachbarschaft die Menschen für das Thema sensibilisieren. Und Stamm sagte, bei der Beratung würden klassische Vorsichtsmaßnahmen nicht vernachlässigt, etwa beim Geldabheben am Geldautomaten oder beim Einkaufen, wenn die Geldbörse offen in der Einkaufstasche liege. Wer sich als Sicherheitsberater für Senioren ehrenamtlich engagieren will, kann sich bei der Stadt Bad Homburg unter der Nummer 0 61 72/1 00 12 10 oder der Polizeidirektion Hochtaunus unter der Rufnummer 0 61 72/12 02 03 melden.

Quelle: F.A.Z.
Bernhard Biener
Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.
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